Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Vorpommern Aus klein mach groß: Fusionspläne von Gemeinden bei Einwohnern stark umstritten
Vorpommern Aus klein mach groß: Fusionspläne von Gemeinden bei Einwohnern stark umstritten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 19.12.2018
In vielen Kommunen in MV stehen derzeit Gemeindefusionen zur Diskussion. Quelle: Arno Zill
Anzeige
Altefähr/Rostock

Gemeinden im Hochzeitsfieber: Zahlreiche Kommunen im Land diskutieren derzeit über eine freiwillige Fusionen mit Nachbarorten. Doch die Zeit drängt: Denn bis zum 26. März müssen die Verträge abgegeben werden, um noch Fusionsprämien vom Land zu kassieren. „Eine Verlängerung der Frist ist nicht vorgesehen“, sagt Michael Teich, Sprecher im Innenministerium. Bis März 2019 stehen insgesamt 40 Millionen Euro als Anreiz für Gemeinden zur Verfügung.

Über den prominentesten Zusammenschluss wird derzeit zwischen Altefähr auf Rügen und Stralsund verhandelt. Nachdem ein im September fest eingeplanter Bürgerentscheid in Altefähr von der Gemeindevertretung – offenbar aus Angst vor einem ablehnenden Ergebnis – überraschend abgesagt worden war, hat ein nicht-repräsentativer Stimmungstest der OSTSEE-ZEITUNG nun ein zwiespältiges Bild ergeben. 53 Prozent der knapp 200 Umfrage-Teilnehmer würden sich derzeit gegen eine Fusion mit Stralsund entscheiden. 83 Prozent votierten dafür, die Einwohner über diese Frage abstimmen zu lassen.

Altefährer haben Angst, dass der dörfliche Charakter verloren geht

Der OZ-Umfrage zufolge haben 27 Prozent unter anderem Angst davor, dass der 1200-Seelen-Ort Altefähr der Hansestadt vor allem Bauland liefern soll. Stralsund kann künftig kaum noch Gebiete für Einfamilienhäuser entwickeln. Altefähr hat hingegen mit steigenden Schulden zu kämpfen. Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) hatte bereits zugesagt, den Fusionsvertrag in strittigen Punkten zu überarbeiten. „Ich bin der Meinung, dass Altefähr und Stralsund gut zusammenpassen und für die Herausforderungen der Zukunft bestens aufgestellt wären“, betont Badrow.

Anderenorts geht es schneller: Schon am 6. Januar sollen die Menschen in Groß Kordshagen und Flemendorf über einen Zusammenschluss mit Niepars entscheiden. Die Verhandlungen darüber hatten nur wenige Wochen gedauert. Im Rostocker Westen ist momentan die Idee einer Großgemeinde im Gespräch. Das Ostseebad Nienhagen will mit Elmenhorst-Lichtenhagen und Admannshagen-Bargeshagen fusionieren. Erfolgreiche Zusammenschlüsse gab es auf Rügen und nahe Rostock: Neu entstanden ist die Gemeinde Mönchgut aus den Kommunen Gager, Middelhagen und Thiessow. Im Landkreis Rostock sind Bentwisch und Klein-Kussewitz fusioniert.

Land erhöht finanzielle Anreize für Fusionen

Um die kleinen Dörfer in MV zu Zusammenschlüssen zu bewegen, wurden 2018 die finanziellen Anreize erhöht: Die Fusionszuweisung für jede wegfallende Gemeinde hat sich auf 400 000 Euro verdoppelt. Für Kommunen nahe eines zentralen Ortes sind es sogar 600 000 Euro. Darüber hinaus wird eine Art Schuldenausgleich für jede Gemeinde mit einem Defizit im Finanzhaushalt gezahlt – maximal zwei Millionen Euro.

Nicht immer kann das Geld jedoch überzeugen. Im hoch verschuldeten Wackerow (Vorpommern-Greifswald) lehnten die Einwohner eine seit Jahren diskutierte Fusion mit Greifswald im Sommer ab – zum dritten Mal scheiterten dort die Heiratspläne.

Wellmann: „Viele Bürger wollen keine größeren Strukturen“

Der Städte- und Gemeindetag MV spricht sich in einer Resolution aktuell gegen Zwangsfusionen aus. Die Zahl der freiwilligen Fusionen sei zudem überschaubar. „Von den eingeplanten 40 Millionen Euro des Landes wird am Ende höchstens ein Viertel abgeschöpft. Das zeigt doch: Geld allein ist es nicht. Die Bürger wollen einfach keine größeren Strukturen“, sagt Andreas Wellmann, Geschäftsführer beim Städte- und Gemeindetag MV.

Virginie Wolfram und Benjamin Fischer

MV aktuell Reifenbauer Continental eröffnet Forschungsanlage in Anklam - Das Löwenzahn-Experiment

Der Reifenbauer Continental hat ein Forschungslabor in Anklam errichtet. 35 Millionen Euro werden investiert. Ziel ist es, aus Russischem Löwenzahn Naturkautschuk für die Reifenproduktion zu gewinnen.

06.12.2018
Vorpommern Wie unabhängig muss ein Oberbürgermeister sein? - OB-Ehefrau gründet mit Stralsunds größtem Baulöwen eine Firma

Die Ehefrau des Stralsunder Oberbürgermeisters, Sandra Badrow, unterhält mit einem der größten Immobilieninvestoren in der Stadt eine gemeinsame Firma für Pflegedienste. Das Unternehmen könnte von einer ganz bestimmten Entscheidung im Rathaus besonders profitieren.

04.12.2018
Vorpommern Glühwein, Eislaufen, Kunsthandwerk und Karussell - Größter Weihnachtsmarkt Vorpommerns in Stralsund eröffnet

Mit 30 Engeln auf dem Alten Markt gewinnen die Stralsunder ihre traditionelle Stadtwette zum Auftakt. Selbst Oberbürgermeister Alexander Badrow erschien im Engelskostüm. Der Stralsunder Weihnachtsmarkt ist mit seinen Standorten auf dem Alten und Neuen Markt der größte in Vorpommern.

02.12.2018