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Südvorpommern Polnisch-deutsche Geschichte: Pasewalk zeigt Werke von Paul Holz
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Polnisch-deutsche Geschichte: Pasewalk zeigt Werke von Paul Holz

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13:58 27.02.2020
Eine Zeichnung mit dem Titel „Alter Mann sieht sich um“ des pommerschen Künstlers Paul Holz (1883-1938) hängt im Museum der Stadt Pasewalk. Quelle: Stefan Sauer/dpa
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Pasewalk/Stettin

Das Wirken des pommerschen Künstlers Paul Holz (1883-1938) hat zu einem gemeinsamen polnisch-deutschen Kunst- und Geschichtsprojekt geführt. Vom 1. März an zeigt das Stadtmuseum in Pasewalk (Landkreis Vorpommern-Greifswald) in Zusammenarbeit mit dem Nationalmuseum Stettin (Szczecin) eine Ausstellung mit bisher unveröffentlichten Zeichnungen. Wie Museumsleiterin Anke Holstein sagte, trägt die Sonderschau den Titel „Der Geist Rembrandts im Werk von Paul Holz“. Zu sehen seien 28 Zeichnungen des Künstlers, die in Stettin lagerten. „Holz war ein Chronist seiner Zeit“, beschreibt Holstein den Stil des Zeichners.

Von Nazis als entartete Kunst eingestuft

„Die Erinnerung an deutsche Künstler aus der Zeit vor 1945 ist in Polen lange verdrängt worden“, erläutert Magdalena Ulrich vom Pasewalker Kulturamt. Nun habe man Holz als gemeinsamen Künstler entdeckt, sagt Ulrich, die aus Polen stammt und seit mehreren Jahren in der Region Pasewalk lebt und arbeitet.

Der Zeichner Paul Holz, der unter anderem in Stettin und an der Kunstakademie Breslau tätig war, wird von Experten zu den wichtigsten Künstlern seiner Zeit gezählt. Sein Werk war lange in Vergessenheit geraten, weil die Nationalsozialisten die Arbeiten als „entartete Kunst“ einstuften und diese später auch in der DDR wenig Beachtung fanden. Erst mit der Gründung des Pasewalker Stadtmuseums wurde stärker zu Holz geforscht. Inzwischen ist dort unter Leitung Holsteins eine Paul-Holz-Gedenkstätte entstanden.

Ausgestellte Bilder aus Nachlass

Die nun gezeigten Arbeiten hatte die Tochter von Holz 2009 aus seinem Nachlass dem Stettiner Nationalmuseum übergeben, weil die Stadt einer der Hauptarbeitsorte des Zeichners war und frühere Bestände in Stettin im Krieg zerstört wurden. „Es ist die erste Gelegenheit, das Stettiner Vermächtnis öffentlich zu zeigen“, erklärt Kuratorin Ewa Gwiazdowska. Zu sehen seien Porträts von Menschen jener Zeit, Ansichten des damaligen Stettin, aber auch Tiere und Alltagssituationen.

Holz wuchs in Riesenbrück bei Pasewalk in ärmlichen Verhältnissen auf. Er war Autodidakt, Lehrer im pommerschen Stettin und im damaligen Breslau, wo er auch an der Kunstakademie tätig war. Auf Druck der Nazis verließ er die Akademie 1934, Ausstellungen wurden ihm verboten. Er war dann in Schleswig tätig, wo er 1938 auch starb und schließlich in Uhlenkrug bei Pasewalk beigesetzt wurde.

Ausstellung bis Ende Mai in Pasewalk

Die Ausstellung wird bis Ende Mai in Pasewalk zu sehen sein. Als Ausdruck des sich wandelnden polnisch-deutschen Geschichts- und Kulturverständnisses gilt auch eine Sonderschau über den ehemaligen Außenminister von Polen und Auschwitz-Überlebenden Wladyslaw Bartoszewski (1922-2015), die Anfang März im Landratsamt Pasewalk eröffnet wird. In Stettin erinnert inzwischen auch das Stoewer-Museum für Automobile an den deutschen Autobauer Stoewer, der neben Daimler und Benz als Pionier des Automobilbaus gilt. Die Firma war aus Hessen nach Stettin verlagert worden, wo Stoewer bis 1945 existierte.

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Von Winfried Wagner