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Südvorpommern Wanderungen durch Vorpommerns Wälder gegen Herzprobleme
Vorpommern Südvorpommern Wanderungen durch Vorpommerns Wälder gegen Herzprobleme
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17:42 16.10.2019
Die Kardiologin Dr. Christine Bahr aus Pasewalk überreicht Patientin Brigitta Seeger, die unter anderem an einem Herzklappenfehler leidet, einen sogenannten Bewegungspass.  Quelle: Christian Rödel
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Pasewalk

Ein Herzklappenfehler und die Bandscheiben machen Brigitta Seeger besonders zu schaffen. Doch die 79-jährige Strasburgerin wirkt fidel. Kein Wunder. Sie ist gerade von einer großen Reise zurückgekehrt. Heute nun steht ein Kontrolltermin bei ihrer Kardiologin Dr. Christine Bahr im etwa 20 Kilometer entfernten Pasewalk an.

„Die drei Kilometer um den Strasburger See schaffe ich noch und die Gartenarbeit auch. Aber bereits bei kleinen Steigungen geht mir die Luft aus“, erklärt die einstige Unterstufenlehrerin. Die Fachärztin hört ihrer Patientin aufmerksam zu. „Das Problem der fortschreitenden Herzschwäche nimmt nicht nur bei Frau Seeger deutlich zu. Es betrifft allein etwa 60 Prozent der rund 12 000 Patienten, die meine Kollegin Elke Löffelholz und ich jährlich behandeln“, betont die Medizinerin (54). Obwohl die medizinische Versorgung in Südvorpommern qualitativ hervorragend sei, häuften sich die Probleme gerade im ländlichen Bereich, verdeutlicht Dr. Christine Bahr.

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Digitalisierungsangebote nicht angenommen

Dazu gehören nicht nur die langen Wege zu den Haus- und Fachärzten. Bis zu 60 Kilometer seien gerade für die immobilen Patienten eine gewaltige Herausforderung. „Es fehlen zudem Gesundheitsprogramme für die ländliche Bevölkerung. Fitnessstudios in den Dörfern gibt es nicht und die derzeit verfügbaren Digitalisierungsangebote werden von unseren Bürgern einfach nicht so angenommen“, erklärt die in Luckow bei Torgelow lebende Medizinerin.

Neben der häufig voranschreitenden Vereinsamung vieler Menschen befördere bei ihnen die mangelnde tägliche Bewegung folgenschwere Erkrankungen, wie starkes Übergewicht, Diabetes Typ 2, Depressionen, Demenz und eben Herzschwäche.

Gang über den Hof reicht nicht

Die schlanke Ärztin, die selbst dreimal pro Woche jeweils sieben Kilometer joggt, wird deutlich: „Gerade die älteren Bewohner auf dem Land bewegen sich zumeist kaum noch. Der tägliche Gang über den Hof zu den Hühnern oder zum Briefkasten reicht bei Weitem nicht.“ Gemeinsam mit Kollegen hat sie deshalb die Ärztevereinigung FoKo e. V. – Initiative Gesundheit durch Bewegung“ gegründet. Dieser gehören bereits 14 Mediziner im Bereich Pasewalk, Torgelow und Ueckermünde an.

Und die Experten warten mit wissenschaftlich fundierten Zahlen auf. Demnach erhöht das tägliche achtstündige Sitzen das Risiko, Opfer einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu werden, um 80 Prozent! Es sei denn, man gleicht diese ungesunden Ruhephasen durch mindestens fünf Stunden körperliche Bewegung pro Woche aus. „Richtige Bewegung kann das Sterberisiko um bis zu 50 Prozent senken. Und bereits zweieinhalb Stunden spazieren gehen verringert das Diabetesrisiko bei Gesunden um 30 Prozent“, erläutert die Kardiologin. Ihre Strasburger Patientin ist beeindruckt. „Also richtig Sport getrieben habe ich noch nie“, räumt Brigitta Seeger ein.

Einfach regelmäßig bewegen im Wald

Das sei auch nicht nötig. „Vielmehr ist kontinuierliche Bewegung gefragt. Und die bietet sich doch in unseren Wäldern förmlich an“, sagt der Direktor des Forstamtes Rothemühl Peter Neumann. Er verweist auf die 28 000 Hektar Wald, die allein im Landkreis existieren. Der 61-Jährige ist an diesem Vormittag auch nach Pasewalk zu Dr. Christine Bahr gekommen. Allerdings nicht als Patient. Vielmehr trifft er die letzten Absprachen mit ihr für den Start der Beweg-dich-Routen in seinem Forstamt. Mit seinen acht Revierförstern und Forstwirten hat er unter anderem rustikale Rastbänke aus Eichenholz gebaut und aufgestellt.

Die zwischen 0,5 und 6,1 Kilometer langen Strecken wurden nicht nur ausgeschildert, exakt nach Belastung und Entfernung vermessen, sondern auch mit Rettungsinformationen versehen. Dazu wird auch eine Ortungshilfe für den Rettungsdienst auf dem Smartphone gehören.

Faustgroßer Muskel leistet Erstaunliches

Was das Herz täglich leistet, ist kaum vorstellbar. „Der faustgroße Muskel schlägt etwa 100 000 Mal am Tag und pumpt bis zu 10 000 Liter Blut durch unseren Körper“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Motz. Der Ärztliche Direktor des Herz- und Diabeteszentrums Karlsburg betont, dass „jeder durch seine individuelle Lebensführung dazu betragen kann, ein Erkrankungsrisiko zu vermeiden“. Dazu können auch regelmäßige Spaziergänge durch den Wald beitragen. Deshalb hat der Klinikumschef die Schirmherrschaft über das Projekt der Beweg-dich-Routen übernommen.

Rothemühl ist für die Initiatoren nur der Anfang. Forstdirektor Neumann blickt voraus: „Wir möchten, dass viele derartige Herzrouten im Land entstehen und es regelmäßig heißt: Sie haben einen Termin bei Dr. Wald!“

Dr. Christine Bahr und ihre ärztlichen Mitstreiter ergänzen das Angebot für ihre oft schwerkranken Patienten zudem durch sogenannte Bewegungspässe. Die Fachärztin überreicht Brigitta Seeger eines der 36 Seiten starken roten Büchlein. Hier sind ein Selbsttest der Bein- und Armkraft sowie der Ausdauer sowie 23 einfache Übungen für die heimischen vier Wände enthalten. Dazu gibt es ein grünes Bewegungsrezept. Ein blaues Heft mit Empfehlungen gerade für Lungenkranke ist in Arbeit.

„Ich werde die Empfehlungen ernst nehmen und beim nächsten Termin die dokumentierten Werte mitbringen“, erklärt die Strasburgerin. Jetzt aber warten Kontrollchecks im ambulanten Herz-Kreislauf-Zentrum in Pasewalk auf sie.

Start auf Märchenwald-Routen am 30. Oktober

Am 30. Oktober startet um 14 Uhr die erste Herzrouten-Veranstaltung „Wald bewegt“ in Rothemühl bei Pasewalk (Vorpommern-Greifswald). Gemeinsam mit dem Leiter des dortigen Forstamtes und den Revierförstern hat der Verein FOKO (Ärztliche Fortbildung & Kommunikation Nord/Ost) entsprechende Strecken innerhalb der sogenannten Märchenwaldroute gestaltet. Die Streckenlängen reichen von 0,5 bis fünf Kilometer. Diese Bereiche sollen insbesondere Herzpatienten ansprechen, die sich regelmäßig in der Gruppe sportlich betätigen wollen.

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