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Südvorpommern Mordprozess: Darum darf Leonies Stiefvater bei Aussage der Mutter nicht dabei sein
Vorpommern Südvorpommern Mordprozess: Darum darf Leonies Stiefvater bei Aussage der Mutter nicht dabei sein
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17:01 22.10.2019
„Wir nehmen Abschied von unserer Leonie“: Diesen Trauerkranz legte die Mutter für ihre tote Tochter auf dem Grab ab. (Archivfoto) Quelle: Tilo Wallrodt
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Torgelow

Was hat sich wirklich vor dem Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Vorpommern-Greifswald) in der Wohnung abgespielt? Im Mordprozess um den Tod des Mädchens erhofft sich das Schwurgericht in Neubrandenburg am Montag umfängliche Aussagen, wenn die Mutter Janine Z. vernommen wird.

Der des Mordes wegen Unterlassen angeklagte Stiefvater David H. wird während der Befragung seiner Lebenspartnerin und leiblichen Mutter von Leonie nicht mit im Gerichtssaal sein. Dem entsprechenden Antrag des Anwaltes der Mutter gab das Gericht unter Vorsitz von Richter Jochen Unterlöhner statt.

Begründung: Laut psychiatrischem Gutachten ist die dreifache Mutter nach wie vor sehr angeschlagen. Im Beisein des Angeklagten auszusagen, führe zu weiteren psychischen Schädigungen. Anwalt Vogt gab an, dass der Angeklagte während der Partnerschaft auch die Mutter von Leonie misshandelt und nach seiner Festnahme die Frau bedroht haben soll. Die eingeschüchterte Frau hat noch einen kleinen Jungen sowie mit dem Angeklagten auch ein Baby. Mit dem Kleinkind wurde sie nach dem Vorfall vom Jugendamt untergebracht.

Der Angeklagte kann zusammen mit einem seiner beiden Anwälte die Aussagen via Bildschirm in einem anderen Gerichtssaal verfolgen. Der zweite Anwalt von David H. bleibt während der Zeugenvernehmung der Mutter mit im Saal. H. darf sich zu den Aussagen von Janine Z. Fragen notieren, die dann durch die Anwälte vorgebracht werden.

Von der schrecklichen Nachricht über ihren Tod bis zum Prozess in Neubrandenburg

Bereits am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte über einen seiner beiden Anwälte mitteilen lassen, dass er nach der Zeugenvernehmung der Mutter – sie wird am Donnerstag dieser Woche (24. Oktober) fortgesetzt – zu einer Aussage bereit sei.

Im Mordprozess um den Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Vorpommern-Greifswald) ist zudem die Öffentlichkeit für die Zeugenvernehmung der Mutter ausgeschlossen worden. Die schutzwürdigen Interessen der Frau und ihrer Kinder wögen schwerer, als das Interesse der Öffentlichkeit, sagte Richter Jochen Unterlöhner zur Begründung.

Vorwurf: Mord durch Unterlassen und Misshandlung

Der Anwalt der 25-jährigen Mutter hatte den Antrag gestellt und ihn unter anderem mit der Einschätzung eines Psychiaters begründet. „Nach dem Tod von Leonie ist meine Mandantin über die sozialen Netzwerke von Anderen auch bedroht worden“, sagte der Anwalt. Außerdem habe ein Psychiater erklärt, dass der Zeugin „eine weitere psychische Schädigung“ drohe, wenn sie vor Besuchern im Saal aussagen müsste.

Dem 28-jährigen Stiefvater Leonies wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Er soll Leonie mehrfach so misshandelt haben, dass sie am 12. Januar an den Verletzungen starb. Um die Taten zu verdecken, habe er erst viel zu spät Rettungskräfte informiert, hieß es in der Anklage.

Bei Vernehmungen hatte der Angeklagte angegeben, dass Leonie eine Treppe im Hausflur hinuntergestürzt und an den Folgen gestorben sei. Das bezweifeln Ermittler. So waren im Treppenhaus keine Sturzspuren sichtbar und die Rettungskräfte erst viereinhalb Stunden nach dem angeblichen Sturz gerufen worden.

Ermittlungen auch gegen die Mutter

Gegen die Mutter wird in dem Fall auch wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt, weil auch sie nicht rechtzeitig Hilfe geholt hatte. Sie soll am Donnerstag erneut vom Gericht angehört werden, auch dann hinter verschlossenen Türen.

Am Montagnachmittag wollte die Kammer noch zwei Polizisten als Zeugen hören, die in dem Fall ermittelt haben. Am Dienstag sollen unter anderem ein Rettungssanitäter und eine Notfallseelsorgerin vor Gericht aussagen. Mit einem Urteil wird frühestens Ende November gerechnet.

Torgelow: Der Fall der getöteten Leonie

21. Oktober: Tote Leonie aus Torgelow: Mutter belastet laut Anwalt den Angeklagten

21. Oktober: Mordprozess: Darum darf Leonies Stiefvater bei Aussage der Mutter nicht dabei sein

18. Oktober: Polizisten im Mordprozess: Leonie schlief auf verschimmelter Matratze

16. Oktober: Mord-Prozess um Leonie: Beamte berichten über Widersprüche

27. September: Leonie vor Tod monatelang nicht in Kita: Sollten Misshandlungen vertuscht werden?

25. September: Notarzt im Leonie-Prozess: „Das Mädchen war wohl schon seit Stunden tot“

24. September: Fall Leonie aus Torgelow: Ermittler fanden überall in der Wohnung Blut

24. September: Hitziger Auftakt im Leonie-Prozess: „Du bist der letzte Abschaum“

22. September: Leonie-Prozess beginnt: Diese Experten sollen klären, wie das Mädchen starb

2. Februar: Tränen für tote Leonie (6): Große Anteilnahme bei Trauerfeier in Wolgast

22. Januar: Reportage zum Mordfall –„So etwas hatten wir hier in Torgelow noch nie“

21. Januar: Riesige Spendenbereitschaft für leiblichen Vater und kleinen Bruder

17. Januar: Ermittlungen jetzt auch gegen die Mutter

16. Januar: Jugendamt äußert sich zu Vorwürfen

Von Cornelia Meerkatz und dpa

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