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Usedom Abfallgebühren steigen in Vorpommern-Greifswald um vier Prozent
Vorpommern Usedom Abfallgebühren steigen in Vorpommern-Greifswald um vier Prozent
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16:59 10.09.2019
Müllfahrer Mario Krause von der Remondis Vorpommern Greifswald GmbH auf einer Entsorgungstour durch die Greifswalder Altstadt. Quelle: Martina Rathke
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Vorpommern-Greifswald

Bewohner des Landkreises müssen ab Januar 2020 für ihre Müllentsorgung tiefer in die Tasche greifen. Das hat der Kreistag von Vorpommern-Greifswald auf seiner Sitzung am Montagabend mit großer Mehrheit beschlossen. Demnach beträgt die durchschnittliche Gebührenerhöhung für die Entsorgung der Restmüll-Abfallbehälter 4,1 Prozent. Mathias Morgenstern von der Econum Unternehmensberatung GmbH, die von der Kreisverwaltung mit der Erarbeitung einer neuen Abfallwirtschaftssatzung beauftragt wurde, spricht von einer moderaten Steigerung. Allerdings gibt es bei genauer Betrachtung erhebliche Unterschiede.

Die höchste Gebührensteigerung erfahren Nutzer der 1100 Liter-Müllgroßbehälter (MGB), die vornehmlich in großen Wohnsiedlungen, etwa in den Greifswalder Stadtgebieten Schönwalde und Ostseeviertel, zur Verfügung stehen. Bei einer dreimaligen Leerung pro Woche steigt der Preis von jetzt 6814 auf rund 7230 Euro pro Jahr. Das macht eine Steigerung um 6,1 Prozent aus. Dagegen ist die Steigerung der Abfallgebühr für eine im 14-tägigen Rhythmus zu leerende 60 Liter-Mülltonne, die zumeist Besitzer von Einfamilienhäusern oder Singles nutzen, mit 1,7 Prozent fast nicht der Rede wert: Sie steigt pro Jahr um 1,92 auf künftig 112,44 Euro.

Höchste Steigerung bei Großbehältern

„Dem können wir nicht zustimmen. Das ist eine zu starke Belastung für Bewohner der großen Wohngebiete. Wir finden das unsozial“, kritisierte das Greifswalder SPD-Kreistagsmitglied Erik von Malottki. In die gleiche Kerbe schlug Birgit Socher von den Linken: Der Aufwand zur Entsorgung eines Großbehälters sei ungleich höher als der für zehn kleine Mülltonnen. „Es ist viel weniger Fahrstrecke notwendig. Deshalb können wir nicht nachvollziehen, weshalb der Großbehälter am teuersten wird“, sagte sie. Aus diesem Grund habe man sich in Greifswald vor der Kreisgebietsreform immer gegen eine lineare Erhöhung der Abfallgebühren (je größer die Tonne, desto höher die Gebühr) ausgesprochen. Mit der Kreisgebietsreform und der dann gültigen Satzung „haben sich meine Müllgebühren halbiert, aber die der Bewohner in großen Wohngebieten fast verdoppelt. Das ist unsozial“, monierte Socher, die in einer Greifswalder Reihenhaussiedlung lebt.

Überzeugen konnten sie die Mehrheit der Abgeordneten damit nicht. Vizelandrat Jörg Hasselmann (CDU), in dessen Verantwortungsbereich das Thema fällt, verwies als Reaktion auf die einsehbare Gebührenkalkulation und zugrunde liegende Kreistagsbeschlüsse aus dem Jahre 2017.

Sascha Ott: Nur so viel kaufen, wie man auch isst

Erfolglos blieb auch die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen mit ihrem Antrag, die Biotonne zum 1. September 2020 optional einzuführen. Da half auch nicht der Verweis von Fraktionschefin Ulrike Berger, dass Kommunen per Kreislaufwirtschaftsgesetz seit 2015 verpflichtet seien, Biomüll getrennt aufzunehmen. Zudem veranschaulichte sie per Karte, dass Vorpommern-Greifswald bundesweit zu den wenigen weißen Flecken gehört, wenn es um die Bereitstellung von Biotonnen geht. Der Versuch der SPD-Fraktion, diese Option auf die Hansestadt Greifswald zu beschränken, da im ländlichen Raum eh viele Menschen einen Komposthaufen auf ihrem Grundstück hätten, fand gleichfalls keine Mehrheit. Die CDU, namentlich Antje Zibell, argumentierte mit klimaschutz- und umwelttechnischen Gründen, die einer Biotonne entgegen stünden. Den Inhalt für eine Verwertung aufzuarbeiten, sei sehr aufwendig, erklärte die Agrarbetriebswirtin. Ihr Fraktionskollege Sascha Ott indes appellierte an jeden, nur so viel zu kaufen, wie er auch esse. Zudem hielten sich die Menschen sowieso nicht daran, das in eine Tonne zu tun, was drauf stehe, urteilte Ott. Eine notwendige Sortierung käme deshalb aufwendig und teuer daher.

Menschen produzieren mehr Abfall als anderswo

Insgesamt betragen die Kosten für die Abfallwirtschaft in Vorpommern-Greifswald für den kalkulierten Zeitraum 2020-22 rund 19,9 Millionen Euro pro Jahr. Sie werden komplett auf die Verursacher umgelegt, dem Kreis selbst entstehen keine Kosten. Interessant: Die durchschnittliche Kostenbelastung pro Einwohner lag 2017 laut Datenerhebung des Landes mit 82,50 Euro über den durchschnittlichen Kosten der Abfallentsorgung in MV, die mit 78 Euro pro Einwohner und Jahr angegeben wurde. Auch bei der Abfallmenge ragen die Vorpommern-Greifswalder leider heraus: Sie produzierten pro Kopf 459 Kilogramm Gesamtabfall pro Jahr, der Landesdurchschnitt lag bei 437 Kilogramm.

So steigen die Gebühren

Eine 60 Liter-Restmülltonne kostet bislang pro Jahr 110,52 Euro, ab 1. Januar 112,44 Euro. Bei einer 120 Liter-Tonne steigt die Gebühr von 188,40 auf 195,48 Euro pro Jahr, bei einer 240 Liter-Tonne (14-tägliche Leerung) von 358,68 auf 375,12 Euro, bei wöchentlicher Leerung von 699,12 auf 734,64 Euro. Die Gebühr für einen 1100 Liter-Behälter steigt bei 14-täglicher Leerung von 1150,80 auf 1218,22 Euro, bei wöchentlicher Leerung von 4548,60 auf 4825,08 Euro.

Von Petra Hase

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