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Usedom Ahlbecker bekam Post von Marlene Dietrich
Vorpommern Usedom Ahlbecker bekam Post von Marlene Dietrich
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15:45 25.09.2019
Jürgen Kraft erinnert an den Briefwechsel seines Schwiegervaters Horst Miegel mit Marlene Dietrich. Quelle: foto: Dietmar Pühler
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Heringsdorf

Um eine Rarität ist die Ausstellung „Ostseebäder im 19. und 20. Jahrhundert“ in der Heringsdorfer Villa Irmgard reicher. Dort hat das Usedomer Musikfestival in Zusammenarbeit mit dem Bademodensammler Jürgen Kraft eine Vitrine mit Erinnerungen an einen Briefwechsel des Ahlbecker Horst Miegel mit der großen Marlene Dietrich bestückt.

Horst Miegel war mein Schwiegervater. Er ist leider im Januar gestorben“, erklärt Jürgen Kraft. Seiner Schwiegermutter Katharina Miegel sei es zu verdanken, dass die Leihgaben nun von den Museumsbesuchern in der Villa Irmgard besichtigt werden können.

Wie es zu dem erstaunlichen Briefwechsel kam? „Mein Schwiegervater hatte auf der Schwedenfähre in Sassnitz gearbeitet. Er war immer etwas regimekritisch und saß deshalb auch im Knast. Und er hatte zwei große Idole: Marlene und Elvis“, erklärt Jürgen Kraft.

Vom „blonden Engel“ sammelte Miegel alle Zeitungsartikel, die er bekommen konnte. Eines Tages im Sommer 1981 hat er auf Radio Luxemburg die Fanpost-Adresse von Marlene Dietrich gehört und ihr umgehend geschrieben. Miegel war gar nicht einverstanden, dass die Diva in der Bundesrepublik vereinzelt mit Buhrufen empfangen wurde. Bekanntlich siedelte Marlene Dietrich Anfang der 1930er-Jahre in die USA über, wo sie mit Regisseur Josef von Sternberg mit Filmen wie „Der blaue Engel“ (1930) oder „Shanghai-Express“ (1932) Erfolge in Hollywood feierte. Sie weigerte sich, die nationalsozialistische Propaganda zu unterstützen. Vielmehr engagierte sie sich im 2. Weltkrieg bei der US-amerikanischen Truppenbetreuung. Sie sang vor Soldaten und besuchte Verwundete in Lazaretten. Das nahmen ihr Teile der westdeutschen Bevölkerung und der Presse übel und beschimpften sie als „Vaterlandsverräterin“ als sie 1960 erstmals wieder in der BRD und in West-Berlin auftrat.

Der Ahlbecker vertraute damals dem in Paris lebenden Star seine Lebensgeschichte an, schrieb von der Tragödie im geteilten Land und von der Hoffnung auf Freiheit. Dass die Stasi mitlesen könnte, war ihm egal. „Er hatte ja nie gedacht, dass er Antwort kriegt“, berichtet Jürgen Kraft. Doch die kam im August 1981 in Form ihrer Biografie „Nehmt nur mein Leben“. Das Buch enthielt auf dem Einband die Widmung „Für Horst Miegel mit Dank für den Brief“.

Im Winter 1981 schrieb Horst Miegel einen weiteren Brief an Marlene Dietrich. Er gratulierte ihr zum 80. Geburtstag und fragte, ob sie zu stolz sei, nach Deutschland zurückzukehren. Auch dieser Brief sollte nicht ohne Reaktion bleiben. Die Glückwünsche zum Geburtstag nahm sie noch nicht an: „Ich bin nicht 80, noch nicht!“ Und die Frage zur Rückkehr nach Deutschland beantwortete sie mit „Stolz hatte ich nie!“ Dem Brief an den Ahlbecker hatte sie noch ein Foto und eine Schallplatte beigelegt.

Bis zum 12. Oktober sind nun die Erinnerungsstücke an die Korrespondenz zwischen Horst Miegel und Marlene Dietrich in der Villa Irmgard zu sehen. In der Vitrine befinden sich auch zwei Fotos. Sie zeigen Marlene Dietrich und ihre Tochter Maria, vermutlich im Jahr 1926, am Strand von Swinemünde. Auch von späteren Besuchen auf Usedom gibt es Fotodokumente, die sich im Archiv der „Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen“ in Berlin befinden.

Wie Silke Ronneburg von der Deutschen Kinemathek erklärt, wurde der Nachlass von Marlene Dietrich 1993 bei Sotheby´s auktioniert und vom Land Berlin erworben. Der Ankauf wurde mit Mitteln des Bundes unterstützt und der Deutschen Kinemathek übergeben. Dort befinden sich in der „Marlene Dietrich Collection Berlin“ Schriftdokumente im Umfang von rund 300.000 Blatt sowie 16.500 Fotografien von 1904 bis 1992. „Ich meine wir haben auch noch was zu Heringsdorf“, macht Silke Ronneburg neugierig.

Das Usedomer Musikfestival ehrt Marlene Dietrich mit einer Hommage am 2. Oktober im Kaiserbädersaal. Keine Geringere als der Weltstar Ute Lemper präsentiert dort die Broadwayshow „Rendezvous mit Marlene“. Auch Lemper hatte 1989 einen Brief an Marlene Dietrich geschrieben, um ihr mitzuteilen, wie wunderbar sie sie finde und dass sie eine Inspiration für viele Frauen sei. Wenige Wochen später rief Marlene Dietrich Ute Lemper an – ein unglaublicher Moment für den Musicalstar.

Von Dietmar Pühler

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