Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom Angst vor Keimen: Kitas verbieten selbst gebackenen Kuchen
Vorpommern Usedom Angst vor Keimen: Kitas verbieten selbst gebackenen Kuchen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 05.01.2016
Selbst gebackener Geburtstagskuchen ist nicht mehr in jeder Kita erlaubt. Quelle: OZ
Anzeige
Greifswald

Ob Kuchen, Kekse oder Muffins — Selbstgebackenes ist in den Kindertagesstätten im Kreis nicht gern gesehen. Zu groß sei die Gefahr vor Krankheitserregern. In der Kita „Kleine Entdecker“ in Greifswald (Trägerschaft Hanse-Kinder) sind die mitgebrachten Leckereien sogar komplett verboten.

Als Grund für die Maßnahme gab der Leiter der Einrichtung Alexander Glandt an, dass Inhalte und Zusatzstoffe der Mitbringsel nie gänzlich bekannt seien und daher allergische Reaktionen bei Kindern nicht ausgeschlossen werden können. „Meiner Erfahrung nach neigen immer mehr Kinder zu Allergien, da wollen wir kein unnötiges Risiko eingehen“, sagt Glandt. „Schlechte Erfahrungen haben wir noch nicht gemacht, aber auch so fehlt es den Kindern an nichts, die Eltern zeigen sich verständnisvoll. Zu Geburtstagen bringen sie dann alternativ Obst mit.“

Zu den Unsicherheiten bei den Kitas haben vor allem EU-Vorschriften zur Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln beigetragen. Sie besagen, dass für lose angebotene Lebensmittel Inhaltsstoffe angegeben werden müssen. Daraufhin hat unter anderem auch die Kita „Kleine Entdecker“ den Entschluss gefasst, die Mitbringsel zu verbieten.

Dabei sind die Verordnungen gar nicht für solche Einrichtungen relevant. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft weist auf seiner Webseite darauf hin und betont, dass die Lebensmittelverordnung nicht für „Privatpersonen“ gelte.

Auch der Kreis verbietet den Kuchen aus dem Backofen von zu Hause nicht generell, aber er beruft sich auf die geltenden Hygienevorschriften. „Es liegt im Verantwortungsbereich des Trägers, die Bestimmungen einzuhalten“, betont Kreissprecher Achim Froitzheim. Wenn bei der häuslichen Herstellung zum Beispiel Ei, Sahne oder andere leichtverderblichen Produkte verwendet werden, müsse der Kuchen gut durchgebacken sein. Die Erzieher müssten weiterhin prüfen, ob die mitgebrachten Lebensmittel in einem einwandfreien Zustand seien und Übriggebliebenes noch am selben Tag entsorgen, wenn ein Risiko bestehe.

Trotzdem gehen auch weitere Kindertagesstätten in Vorpommern-Greifswald auf Nummer sicher. In den Einrichtungen des Instituts „Lernen und Leben“ müssen Eltern eine Einverständniserklärung unterschreiben, dass die Kinder den von anderen mitgebrachten Kuchen essen dürfen — sonst herrscht auch hier Kuchenverbot. „Abgepackter Kuchen oder Produkte aus Bäckereien, bei denen ein hohe Lebensmittelsicherheit vorausgesetzt sind, dürfen mitgebracht werden“, sagt Institutssprecherin Henrike Thaut. Die Einrichtung hafte für jede Form der Weitergabe von Speisen, da seien fehlende Kenntnisse über Zutaten oder die Gefahr durch Salmonellen zu risikoreich Das ILL hat 16 Einrichtungen im Kreis. Negative Erfahrungen gebe es zwar nicht, aber „Vorsicht ist besser als Nachsicht“.

Für die nötige Transparenz setzt die Kita „Die Wichtel“ in Kemnitz unter der Trägerschaft des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) auf Zutatenlisten. „Wenn Eltern Selbstgemachtes mitbringen, müssen sie alle Inhaltsstoffe aufschlüsseln“, sagt Leiterin Elena Wyssozki. Das Prinzip funktioniere gut und bisher habe es keine Vorfälle gegeben. 92 Kinder werden in Krippe, Kita und Hort betreut.

Als nicht unbegründete Vorsorge empfindet auch Nannette Schneider, Leiterin der Kita „Lütt Matten“ in Wolgast, die Kontrolle von Selbstgebackenen. „Wir halten uns natürlich auch an die hygienischen Vorgaben, aber Einschränkungen erteilen wir den Eltern nicht.“ Die Einrichtung unter der Trägerschaft des Shia-Vereins freut sich sogar, wenn Eltern sich einbringen. 40 Kinder werden in der Einrichtung betreut.

Ähnlich sieht es auch die Leiterin der Kita „Dat Görenhus“ auf Usedom, Sarah Mielke. „Für die Kinder gehört es einfach dazu. Sie freuen sich, wenn sie zu Geburtstagen Kuchen mitbringen können.“

Reglementierungen halte sie für übertrieben, denn auch bei den aktuell 120 Kindern im „Görenhus“ betreut werden, habe es keine Vorkommnisse gegeben.

Auf Kuchen, Kekse und Plätzchen müssen die Kinder in den Einrichtungen mit den Bestimmungen aber trotzdem nicht verzichten. „Wir backen zusammen mit den Kleinen in den Kinderküchen der Einrichtung“, nannte Einrichtungsleiter Glandt als Alternative.

Auch beim ILL wird gemeinsam gebacken.

Salmonellen sind besonders für Kinder eine Gefahr
Salmonellen sind kleine, stäbchenförmige Bakterien. Ihr Lebensraum ist der Magen-Darm-Trakt von Tieren, selten von Menschen. Die Bakterien können auch unter widrigen Bedingungen jahrelang überleben. Selbst bei Temperaturen unterm Gefrierpunkt sterben sie nicht ab. Abtöten kann man Salmonellen, indem man sie für über zehn Minuten bei über 70 Grad Celsius erhitzt.

Symptome einer Salmonelleninfektion sind plötzlich einsetzender Durchfall mit Unwohlsein, Kältegefühl, Kopf- und Bauchschmerzen, manchmal Erbrechen und leichtes Fieber. Die Beschwerden treten in der Regel zwölf bis 36 Stunden nach dem ersten Kontakt mit dem Erreger auf. Normalerweise dauern sie wenige Stunden bis Tage . Vor allem für kleine Kinder, alte und geschwächte Menschen kann der Flüssigkeitsverlust durch Durchfälle und Erbrechen gefährlich werden.


Die wichtigsten Infektionsquellen sind Lebensmittel, die aus Rindern, Schweinen und Geflügel erzeugt werden. Salmonellen können zum Beispiel in nicht ausreichend erhitzten Eiern oder eihaltigen Speisen zu finden sein.



Ann-Christin Schneider

Stadt erhält Fördermittel von Land und von der EU

05.01.2016

Kai Kruse baut polnischen Kundenstamm aus

05.01.2016

Koserower tanzen ins neue Jahr

05.01.2016