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Usedom Aus einer Schüssel Samen wird ein Wald
Vorpommern Usedom Aus einer Schüssel Samen wird ein Wald
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00:00 21.05.2014
Revierförster Wolfgang Oehmichen hält eine Schüssel mit Kiefernsamen, aus denen ein ganzer Wald entstehen wird. Foto (2): Cornelia Meerkatz
Revierförster Wolfgang Oehmichen hält eine Schüssel mit Kiefernsamen, aus denen ein ganzer Wald entstehen wird. Foto (2): Cornelia Meerkatz
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Jägerhof

„Viel bedeutet nicht automatisch gut“, sagt Wolfgang Oehmichen (55) und meint damit die Menge der Kiefernsamen, die seit Montag von seinen Forstwirten in den Boden gebracht wird. Damit später aus den winzigen Körnchen stattliche Kiefern wachsen, darf das Saatgut nicht zu dicht ausgebracht werden. „Da muss genau geschaut werden, sonst war die ganze Mühe bei dieser Verjüngungsmaßnahme umsonst“, fügt der erfahrene Grünrock hinzu.

Manuelle Kiefernaussaat ist eher selten, „dafür müssen die Voraussetzungen gegeben sein“, formuliert es der Revierförster. Er nennt die Standortbeschaffenheit als wichtigste Bedingung. „Handaussaat von Kiefern ist nur auf ärmeren Böden möglich“, macht er deutlich. Auf kräftigen Böden wachse viel zu schnell Begleitvegetation, etwa Himbeere. Die winzigen Kiefern hätten dann keine Chance.

Anfang bis Mitte Mai, „wenn die Böden feucht sind und sich auch in der Natur alles von selbst aussät, ist die richtige Zeit loszulegen“, erklärt Oehmichen. Er verweist darauf, dass diese Methode der Kunstverjüngung im Wald kostengünstiger sei als eine Pflanzung. „Aus der Saat laufen bei warmen Temperaturen nach etwa 14 Tagen die kleinen Pflanzen auf“, erläutert er. Sie würden sofort ein stabiles Wurzelsystem ausbilden und keinen Pflanzschock erleiden. Das Saatgut sei zertifiziert, stamme aus der Samendarre Jatznick.

Die letzte Handaussaat von Kiefern im Revier von Wolfgang Oehmichen ist lange her, wie er berichtet. 1989, noch vor der Wende, sei das gewesen. Vor drei Jahren hätte sich sein Kollege Joachim Karls im Revier Hanshagen erfolgreich daran versucht. Karls hätte für die Aussaat, genau wie er, die Dippelmaschine zum Einsatz gebracht. Die Uralt-Technik, mit der die zu säenden Reihen abgelaufen werden, wird eigentlich in der Landwirtschaft verwendet — „aber auf unseren Böden eignet sie sich auch“, meint Oehmichen.

2,7 Hektar Kiefernwald werden mit dieser besonderen Technik aufgeforstet. Für einen Hektar werden nach den Worten des Försters drei Kilogramm Saatgut gebraucht. „Ein Kilo Kiefernsamen enthält bis zu 18 000 Samenkörner. Auf einen Hektar kommen damit an die 54 000 Samen in den Boden“, rechnet er vor. Aber nicht alle davon werden auflaufen. „Wir rechnen mit einem Keimprozentsatz von 80 bis 90“, erläutert der Revierförster. Nach seinen Worten erreichen die Jungpflanzen in diesem Jahr noch eine Höhe von fünf bis zehn Zentimeter. „Handaussaat ist ein aufwändiger Prozess. Doch wenn die aufgeforstete Fläche von den Jungpflanzen wieder grün schimmert, wissen wir, dass es sich gelohnt hat“, sagt er.

54 000 Samenkörner
2,7 Hektar Wald werden im Revier Jägerhof manuell mit Kiefernsamen aufgeforstet.
3 Kilogramm Kiefernsamen, das sind etwa 54 000 Samenkörner, reichen aus, um eine Fläche von einem Hektar aufzuforsten.



Cornelia Meerkatz