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Usedom Aus für kultige Pasteten-Bar: Gaststätte soll Neubau weichen
Vorpommern Usedom Aus für kultige Pasteten-Bar: Gaststätte soll Neubau weichen
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00:06 13.04.2018
28 Jahre gab es in dieser Gaststätte Pastetchen aus Stettin. Nun musste das Lokal schließen. Quelle: Foto: Radek Jagielski
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Swinemünde

Die Urlauberstadt ist um eine Kult-Gaststätte ärmer. Dieser Tage schloss das „Pastetchen“, eine Minibar in der Bemastraße. 28 Jahre hatte sie existiert.

Viele Swinemünder suchten das Lokal gerne auf. Kein Wunder, dass seine Schließung nun Bedauern und Unverständnis auslöst. Im Internet finden sich viele enttäuschte Kommentare.

Die Pastetchen, die die gleichnamige Gaststätte anbot, sind ein außergewöhnliches Gericht, ja man kann sagen, ein kulinarisches Markenzeichen von Westpommern. Interessanterweise wurden sie dereinst erfunden, um die Armee zu ernähren. Die Originalmaschinen zum Backen stammen aus der ehemaligen Sowjetunion. In Stettin, wo das Backwerk entsteht, sind sie noch heute vorzufinden. Pastetchen sind eine Art länglich gebratener Hefeteig, gefüllt mit Fleisch oder vegetarisch (Kraut und Pilze, Käse oder Champignons). Sie schmecken am besten mit rotem Borschtsch. Seit 2010 stehen die Pastetchen aus Stettin auf der EU-Liste traditioneller Erzeugnisse und sind damit geschützt.

„Mehrere Generationen der Swinemünder haben bei uns Stettiner Pastetchen gegessen. Wir hatten immer Kunden. Ich und mein Mann hatten die Bar vor 28 Jahren gebaut. Zu jener Zeit war sie sehr modern“, schildert Betreiberin Gabriela Kotuszko. Die Ausstattung der Bar hatte sich im Laufe der Jahre nicht verändert. So herrschte dort bis zuletzt die Atmosphäre der damaligen Zeit vor. Ein freundlicher Service und schmackhafte Pastetchen sorgten dafür, dass es an Kunden nicht fehlte. Was ist passiert, dass ein solch blühendes Geschäft geschlossen werden musste? Es stellte sich heraus, dass der Eigentümer des Grundstücks, auf dem die Bar steht, die Miete drastisch erhöhte. Bisher hatte Gabriela Kotuszko etwas mehr als 1000 Zloty (250 Euro) monatlich an ihn zahlen müssen. Jetzt sollten es etwa 17 000 Zloty (4000 Euro) pro Monat sein!

Inoffiziell wird gesagt, dass anstelle der Bar eine moderne Einrichtung gebaut werden soll. Fakt ist: Kotuszko konnte sich so hohe Gebühren nicht leisten. Die Entscheidung war sehr schmerzhaft, aber unvermeidbar. Das „Pastetchen“ musste geschlossen werden.

„Jeder fragt, ob wir irgendwohin umziehen werden, aber ich habe nicht mehr die Kraft dazu, neu anzufangen. Wenn jemand unsere Maschine zum Backen der Pastetchen kaufen möchte, helfen wir gerne. Das Gerät funktioniert, es muss leicht repariert werden, aber es wird noch in den nächsten Jahren gut arbeiten können“, erklärt Kotuszko.

Die Pastetchen-Maschine wird heutzutage nicht mehr hergestellt. Auf dem Markt sind moderne, vollelektronische Geräte. Feinschmecker sagen, die damit hergestellten Pastetchen schmeckten anders.

Versuche, das in Westpommern beliebte Gericht polenweit einzuführen, blieben bislang ohne Erfolg.

Radek Jagielski

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