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Usedom Baumwipfelpfad: Parkkonzept könnte Projekt ausbremsen
Vorpommern Usedom Baumwipfelpfad: Parkkonzept könnte Projekt ausbremsen
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00:00 20.09.2018
Blick auf den Baumwipfelpfad im tschechischen Lipno: So ähnlich soll der Pfad am Heringsdorfer Bahnhof gebaut werden. Quelle: Foto: Erlebnis Akademie
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Heringsdorf

In schwindelerregender Höhe über den Küstenmischwald laufen und mit riesigen Baumkronen auf Augenhöhe sein – auf das Erlebnis müssen Gäste und Einheimische noch warten. Am Baumwipfelpfad nahe des Heringsdorfer Bahnhofs wird weiter geplant. Der zweite Vorentwurf des Bebauungsplanes passiert nun alle Gemeindegremien, nachdem die Träger öffentlicher Belange ihre Stellungnahmen zu dem Millionen-Vorhaben abgegeben haben. Die Erlebnis Akademie AG aus dem bayerischen Bad Kötzing will hinter dem Bauhofgelände einen barrierefreien Baumwipfelpfad errichten, der bis zu maximal 22 Meter hoch und knapp 1300 Meter lang sein soll. Der Pfad soll an einem 33 Meter hohen Turm verlaufen. Investieren will das Unternehmen rund sechs Millionen Euro.

Heringsdorf: Zwei Ausschüsse lehnen Entwurf ab /Gemeindevertreter entscheiden

Sieben Pfade

Die Erlebnis Akademie AG betreibt gegenwärtig sieben Baumwipfelpfade in Deutschland (einen in Prora auf Rügen), Tschechien und der Slowakei. Heringsdorf könnte der achte werden. Weitere Pfade sollen in Andalusien, Budapest und Riga

entstehen.

Die vier Anlagen in Deutschland besuchten nach Firmenangaben im Jahr 2016 rund

1,26 Millionen Gäste.

Doch die Parkplatzsituation könnte zum Zankapfel und zur Projektbremse werden. Im Bauausschuss ist der Entwurf durchgefallen. „Gegen den Baumwipfelpfad haben wir nichts. Wir haben Bauchschmerzen mit dem dortigen Parkraumkonzept. Das geplante Parkhaus vor dem denkmalgeschützten Bahnhofsensemble würde wie ein Fremdkörper wirken. Wir haben die Verwaltung beauftragt, alternative Parkraumlösungen zu entwickeln“, sagt Bauausschusschef Harald Linde.

Laut einer Berechnung benötige der Baumwipfelpfad 185 Stellplätze, wie Bauamtsleiter Andreas Hartwig jüngst im Tourismusausschuss informierte. „Knapp 100 Parkplätze haben wir am Bahnhof. Wo jetzt die Reisebusse stehen, wollen wir ein zweigeschossiges Parkhaus mit 250 Stellplätzen bauen. Das Projekt liegt auf dem Tisch des Eigenbetriebes“, so Hartwig. Im Tourismusausschuss ging die Planung mehrheitlich durch, im Hauptausschuss am Dienstagabend war es knapp. „Mit 4 zu 3 Stimmen wurde dem Entwurf zugestimmt“, sagt Bürgermeister Lars Petersen (CDU) auf Nachfrage.

Petersen: Kein guter Umgang mit Investoren

Die Widerstände in Teilen der Gemeindevertretung kommentiert der Bürgermeister so: „Es ist schwer nachzuvollziehen, wie man einen B-Plan aufstellen kann, die Träger öffentlicher Belange bereits ihre Stellungnahmen abgegeben haben und nun den Plan in Frage stellt. Das ist kein guter Umgang mit Investoren. Das Projekt verzögert sich immer weiter.“

Abgelehnt wurde der Entwurf auch im Umweltausschuss. „Bevor der Baumwipfelpfad gebaut wird, müssen wir die Verkehrs- und Parkplatzproblematik vor Ort gelöst haben. Das Parkhaus passt nicht zum Bahnhofsensemble. Klärungsbedarf gibt es auch noch wegen der Finanzierung. Eine Alternative wäre eine Tiefgarage“, sagt Umweltausschussvorsitzender Harald Heinz.

Trotz des positiven Votums gab es auch im Tourismusausschuss Bedenken. „Die Verkehrsbelastung wird in dem Bereich zunehmen. Einflüsse gibt es auch auf den Kur- und Heilwald“, so Rolf Seelige-Steinhoff, Vorsitzender des Tourismusausschusses. Der Investor rechne im Jahr mit rund 250000 Besuchern. Da braucht es vor Ort genügend Parkflächen. „All das wurde bei der verkehrstechnischen Untersuchung berücksichtigt“, betonte Hartwig und ging auf das Thema Verkehr ein. Der Knotenpunkt L 266/Einfahrt Bahnhof und Waldbühnenweg soll ausgebaut werden. „Aus Richtung Ahlbeck ist ein Linksabbieger geplant. Im Bereich des Goetheparks wollen wir die Fahrbahn verbreitern. Gehwege sind vorgesehen, eine neue Wegeführung für Radfahrer auch.“

Sorgen, dass sich die Gemeinde noch mehr Verkehr in den Ort hole, teilte Hartwig nicht. „Die 500 bis 600 Pkw an Spitzentagen mehr werden unser Verkehrsproblem nicht verändern. Klar erzeugt der Baumwipfelpfad mehr Verkehr. Nur haben wir hier eine sehr gute Anbindung von Bus und Bahn. Auch mit dem Rad ist der Standort gut erreichbar“, so der Bauamtsleiter.

Das ehrgeizige Ziel der Macher aus Oberbayern, 2018 mit den Bauarbeiten zu beginnen, dürfte nicht zu schaffen sein. „Ich rechne mit einer Eröffnung nicht vor 2020“, so Petersen. Am Donnerstag (27.

September) steht der Bebauungsplan für den Baumwipfelpfad auf der Tagesordnung der Gemeindevertretung. In dem Zusammenhang soll auch die zweite Änderung des Flächennutzungsplanes – es geht um die Fläche für den Baumwipfelpfad – beschlossen werden.

Henrik Nitzsche

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