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Usedom Bildungsministerin: „Inklusion mit Augenmaß“
Vorpommern Usedom Bildungsministerin: „Inklusion mit Augenmaß“
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00:00 12.08.2017
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Die Theaterreform steht bevor, aber es ist recht ruhig darum geworden. Täuscht der Eindruck?

Birgit Hesse: Ja, er täuscht. Die kommunalen Theaterträger und wir bereiten im Moment den Zusammenschluss des Theaters Vorpommern und der Theater- und Orchester GmbH in Neubrandenburg und Neustrelitz zum 1. Januar 2018 vor. Das Land soll Mehrheitsgesellschafter des neuen Staatstheaters Nordost werden. Dazu laufen derzeit die Vorbereitungen hinter den Kulissen. Die kommunalen Träger erarbeiten im Moment den Gesellschaftervertrag, deshalb hören Sie zu dem Thema zurzeit etwas weniger.

Das heißt, dass es ab Sommer 2018 den ersten gemeinsamen Spielplan des Staatstheaters Nordost gibt?

Nein, zunächst war entscheidend, dass sich alle Beteiligten auf Dirk Löschner als gemeinsamen Intendanten verständigt haben. In der nächsten Spielzeit werden die Zuschauer von der bevorstehenden Fusion noch gar nichts merken, weil vieles wie bisher weiterläuft. Genauigkeit geht vor Schnelligkeit. Es ist anschließend die Aufgabe des Intendanten und des neuen Führungsteams, aus den beiden Häusern ein gemeinsames zu machen. Den ersten gemeinsamen Spielplan gibt es voraussichtlich ab Sommer 2019.

Können Sie dennoch die Befürchtung der Menschen in Vorpommern verstehen, etwas zu verlieren?

Ja, dafür habe ich großes Verständnis. Der Theaterbesucher soll von der Reform gar nichts merken, wenn er die Aufführungen besucht. Wir sehen ja nach der bereits vollzogenen Fusion der Theater in Schwerin und Parchim, dass das Publikum begeistert ist. Man muss also der Reform auch eine Chance geben wollen. Für mich ist entscheidend, dass wir uns mit den kommunalen Trägern einig sind, sonst hätte ich von der Theaterreform wahrscheinlich die Finger gelassen.

Sie haben die Kommunen aber durchaus im Würgegriff, weil das Land seinen jährlichen Zuschuss für die Theater seit mehr als 20 Jahren nicht erhöht hat, während die Kosten steigen. Die mussten doch zustimmen.

Die kommunalen Vertreter haben während einer gemeinsamen Runde im Mai hier in Schwerin gesagt: Wir wollen das. Da saßen alle am Tisch. Kritik kam keine. Es scheint weniger das Ob, sondern eher das Wie relevant zu sein. Zurzeit sind alle sehr bemüht, dass es mit dem gesamten Vorhaben vorangeht.

Sind Sie sich in der Immobilienfrage einig geworden? Während die Stadt Stralsund ein sehr gut saniertes Gebäude mit einbringt, muss das Haus in Greifswald noch saniert werden, woran sich das Land als Mehrheitsgesellschafter des neuen Staatstheaters beteiligen wird.

Das ist ein Streitpunkt mit Alexander Badrow, dem Stralsunder Oberbürgermeister. Aber wir werden das Problem lösen. Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass er ein saniertes Theatergebäude nicht einfach so hergibt, sondern fragt: Was habe ich jetzt davon? Das ist eine Sache, die wir ausgleichen müssen. In der Zielvereinbarung aus dem Jahr 2015 hat das Land in Aussicht gestellt, sich an den Baukosten des Theaters Greifswald in Höhe von bis zu 50 Prozent beziehungsweise höchstens mit einer Summe von zehn Millionen Euro zu beteiligen. Näheres werden wir auf Grundlage eines Gesamtfinanzierungsplanes vereinbaren.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka hat den Schulen fünf Milliarden Euro für die Schaffung digitaler Unterrichtsangebote versprochen – offenbar zu früh. Das Geld soll nun doch nicht kommen.

Wir haben in die Ankündigung von Frau Wanka große Hoffnungen gesetzt, weil die Digitalisierung der Schulen extrem wichtig ist und einfach zu einer modernen Schule gehört. Die Kommunen allein können die Digitalisierung als Träger der Schulen finanziell nicht leisten. Das Bundesprogramm wäre für Mecklenburg-Vorpommern eine Riesenchance. Ich bin ziemlich enttäuscht und habe die Erwartung, dass nach der Bundestagswahl nachgesteuert und die ursprüngliche Zusage eingehalten wird. Wenn Frau Wanka als Bundesministerin nicht vorher mit dem Finanzminister spricht und die zugesagten Milliarden absichert, muss sie trotzdem dafür sorgen, dass der Digitalisierungsprozess weitergehen kann.

Ihr Parteikollege, Infrastrukturminister Christian Pegel, digitalisiert demnächst ganz MV. Drohen die Schulen, weiße Flecken zu bleiben?

Nein. Es ist nicht so, dass in Sachen Digitalisierung der Schulen in der Vergangenheit gar nichts passiert ist. Es gibt hier im Land schon jetzt Schulen, die sehr gut ausgestattet sind, um digitale Kompetenzen zu vermitteln.

Zur Inklusion: Wann schließen denn die Förderschulen im Land?

Wir schließen gar nicht alle Förderschulen im Land, sondern einige werden als eigenständige Förderschulen auslaufen. Bislang hat die Umsetzung der Inklusion in MV noch gar nicht begonnen, auch wenn man jetzt schon viel über entsprechende Befürchtungen liest. Die Inklusion startet erst mit dem Schuljahr 2018/2019. Wir werden uns das ganze nächste Schuljahr zunächst die Zeit nehmen, um zu kommunizieren, was wir im Rahmen der Inklusion überhaupt machen wollen. Wir können diese Herausforderung nur schaffen, wenn die Schulen genug Ressourcen haben, deshalb haben wir beispielsweise 237 zusätzliche Lehrerstellen eingerichtet.

Wie muss man sich die Einführung der Inklusion organisatorisch vorstellen?

Kinder mit Lernschwierigkeiten, die eingeschult werden, besuchen beispielsweise eine Regelschule. Die Schüler, die bereits in einer Förderschule unterrichtet werden, bleiben dort. Nicht alle Förderschulen werden geschlossen. Die Förderschulen in Neukloster und Güstrow mit den Schwerpunkten Sehen und Hören bleiben bestehen. Ich möchte zudem prüfen lassen, ob wir einige weitere Förderschulen in der Fläche belassen können, um stark verhaltensauffällige Kinder weiter zu beschulen. Es gibt einige Kinder, die den Schulverband derart sprengen, dass es schwer sein wird, sie zu integrieren.

Wie viele sollen das sein?

Ich denke, dass es landesweit vier sein könnten. Aber Einzelheiten muss ich mit den Partnern des Inklusionsfriedens besprechen. Wir müssen aufpassen, die Schulen mit der Inklusion nicht zu überfordern. Und es gibt eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern, die so verhaltensauffällig ist, dass man sie nicht integrieren kann. Für Kinder, die beißen, kratzen oder schlagen müssen wir andere Lösungen finden.

Sind Sie mit der Entwicklung der Unimedizin Greifswald inzwischen zufrieden? Das Klinikum hat das hohe Defizit von 14, 3 Millionen Euro im Jahr 2015 inzwischen fast halbiert.

Unsere Idee war, in Greifswald rasch ein gutes Team zusammenzustellen, das das Haus wieder auf den richtigen Weg bringen kann. In vielen Gesprächen kam der Vorschlag zustande, der Unimedizin Greifswald Christian Schmidt, den Ärztlichen Vorstand der Unimedizin Rostock, als Berater zur Seite zu stellen. Die Universitätsmedizin Rostock steht sehr gut da und hat 2016 einen Überschuss von 6,7 Millionen Euro erwirtschaftet. Ein externer Berater wäre viel zu teuer gewesen und hätte zudem vor Ort nicht die nötige Akzeptanz erreichen können. Zugleich haben Frau le Claire und Herr Baur im Vorstand eine sehr gute Arbeit geleistet, um die negative finanzielle Entwicklung in Greifswald zu stoppen. Alles, was in den vergangenen Monaten passiert ist, gibt uns Recht, dass dies richtig war.

Zum Ärztlichen Vorstand ist damals Claus-Dieter Heidecke ernannt worden, zunächst kommissarisch. Man spürt an der Unimedizin Zufriedenheit mit seiner Arbeit. Wann wird die Stelle dauerhaft neu besetzt?

Zurzeit läuft das Ausschreibungsverfahren für den Posten. Und es gibt bereits mehrere Bewerbungen. Ansonsten kein Kommentar, aber ich teile die Anerkennung der Arbeit von Herrn Heidecke.

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