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Usedom Das Buddenhagener Moor wächst wieder
Vorpommern Usedom Das Buddenhagener Moor wächst wieder
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00:00 25.07.2015
Auf den Moorflächen im Spechtwald nahe Buddenhagen findet Knut Sturm reichlich interessante Motive. Fotos (3): Stefan Brümmer
Auf den Moorflächen im Spechtwald nahe Buddenhagen findet Knut Sturm reichlich interessante Motive. Fotos (3): Stefan Brümmer
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Buddenhagen

Das Dorf Buddenhagen mitten im Wald hat was Besonderes. Nicht nur die Natur ringsum. Hier gibt es etwas Seltenes: Stille! Dass im Waldbauerndorf, das einst Luftkurort war, kein Mobilfunkmast steht, ist kein Zufall. Auch ansatzweise will man hier offensichtlich keinen Elektrosmog.

Ins Herz geschlossen hat auch Beate Lezius diesen Landstrich. Zusammen mit ihrem damaligen Partner erwarb die Biologin 1997 ein knapp 300 Hektar großes Waldstück von der Treuhand. Damals war sie Anfang 30 und hatte einen Traum: Das Forstgebiet mit Monokulturen in einen naturnahen Ökowald umzubauen. Die Artenvielfalt, gerade die der Spechte, beeindruckte schon Ende der 1990er Jahre. Und so nannten sie ihren Wald „Spechtwald“.

Der Umbau eines Waldes ist allerdings kein Werk von Monaten oder Jahren, sondern mindestens von Jahrzehnten. Und wenn Beate Lezius heute zusammen mit ihrem Lebensgefährten Knut Sturm (55) ein kleines Fazit zieht, dann jenes, dass die eingeschlagene Richtung fortgeführt werden muss. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt sie. Erfolge seien unverkennbar. Am meisten freut sich das Paar darüber, dass die Wiedervernässung des Buddenhagener Moores geglückt ist, nachdem fast alle Gräben in ihrem Bereich geschlossen wurden. „2008 mit dem schneereichen Winter kam die Wende“, erklärt Knut Sturm, der hauptberuflich ein Forstamt in Lübeck leitet. Seit diesem Jahr sei das Moor des Spechtwaldes nicht mehr trockengefallen. „Im Gegenteil“, sagt er, „es wächst wieder.“

Die Kiefern haben hier nasse Füße bekommen und sterben ab, typische Torfmoos-Wollgras-Seggenriede bestimmen mehr und mehr das Vegetationsbild. Bemerkenswerte Brutvogelarten im und am Wald sind Mittelspecht, Heidelerche, Misteldrossel und Fichtenkreuzschnabel. „Auch ein Kranichpaar hat im Moor gebrütet und ein Junges hochgebracht“, erzählt Sturm. Der Vogelkenner und Landschaftsökologe beobachtete Waldwasserläufer mit ihrem Nachwuchs und zahlreiche Neuntöter. Im Bereich der Buddenhagener Wiese, die nur noch extensiv durch eine Rinderherde beweidet wird, wurden Schwarzstorch und Schreiadler gesichtet, häufig zeigen sich Eisvogel, Sperbergrasmücke und Birkenzeisig — der Anstieg der Artenvielfalt sei unverkennbar.

Lezius und Sturm legen Wert darauf zu betonen, dass der erfolgreich gestaltete Umbau des Waldes — er ist noch längst nicht abgeschlossen — und die Wiedervernässung des Moores ein Werk vieler gewesen seien. Sie nennen die Untere Naturschutzbehörde, private Wald- und Wieseneigentümer oder Pächter, den Wasser- und Bodenverband, das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie, Landwirte oder die jungen Leute des Wiki Woods. Klar gebe es auch kleinere Konflikte, die aber immer lösbar seien.

Wichtig ist es dem Paar auch, den Bewohnern Buddenhagens bewusst zu machen, was für ein großer Schatz sie umgibt. Die Natur mehr wertzuschätzen sei überlebenswichtig geworden, sagt sie. Um den Umbau des Spechtwaldes nachhaltig fortzuführen, wurde 2011 eine Stiftung gegründet. Die „Dauerwaldstiftung in Pommern“ möchte die Idee des Dauerwaldes im Nordosten Deutschlands verbreiten helfen. In diesem Gebiet gibt es bekanntlich keinen einzigen Wald, der sichtbar und geplant eine derartige Waldbehandlung aufzuweisen hat. Die meisten Waldbetriebe, die schon seit Jahrzehnten nach den Ideen des Dauerwaldes bewirtschaftet werden, befinden sich mehrheitlich im Süden der Bundesrepublik Deutschland.

Ein Leitspruch von Frederic Vester, einem Vordenker der Umweltbewegung, ist auch der Wahlspruch von Lezius, Sturm & Co.: „Das einzige System, das bisher eine vernünftige Garantiezeit des Überlebens aufzuweisen hat, ist das biologische. Diese Lebenswelt existiert seit 60 Millionen Jahren, und es lohnt sich, einiges von dieser Firma zu lernen, die über so lange Zeit nicht pleite gemacht hat.“

„Auch ein Kranichpaar hat im Moor gebrütet und ein Junges hochgebracht.“Knut Sturm, Forstamtsleiter aus Lübeck
und begeisterter Tierfotograf



Stefan Brümmer