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00:00 02.08.2018
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Benz

Über dreißig Jahre lang war Martin Bartels Pastor in Benz. Mit dem Benzer Kirchensommer, dessen 50-jähriges Jubiläum jüngst gefeiert wurde, hat er das Dorf im Achterland zu einem Treffpunkt für Künstler und Freidenker gemacht. Hans Werner Richter, den Bartels 1986 aus dem Westen in seine Heimat-Kirche holte, setzte ihm sogar ein literarisches Denkmal mit dem Kapitel „Bruder Martin“ in dem 1989 erschienenen Band „Reisen durch meine Zeit“.

Martin Bartels aus Benz – Schriftsteller Hans Werner Richter setzte ihm mit dem Kapitel „Bruder Martin“ im Band „Reisen durch meine Zeit“ ein literarisches Denkmal. Quelle: Foto: Dietmar Pühler

„Bruder Martin“ dreht sich um Hans Werner Richters Lesung beim Benzer Kirchensommer im Jahr 1986. Gegründet wurde der Kirchensommer bereits 1969. Damals fanden die Lesungen noch im Wohnzimmer statt, unter anderem mit Wolf Biermann. Später sprengten sie regelrecht die Benzer Kirche. „Der Dienstag war für die provozierenden Sachen und der Donnerstag zum Herz streicheln mit guter Musik“, beschreibt Pastor Bartels die Programmgestaltung.

Dass der Benzer Kirchensommer zu dem wurde was er ist, lag auch an den Kulturschaffenden, für die Usedom schon zu DDR-Zeiten ein beliebtes Ferienziel war. Dazu zählten die Schauspieler Rolf Ludwig (Stoben) und Friedo Solter (Morgenitz) sowie die Berliner Musiker Wolf-Dieter Batzdorf und Gerhard Riedel (Stolpe).

„Das waren Leute, die waren interessiert an Begegnung und Austausch. Da gehörte auch der Niemeyer-Clan dazu“, erklärt der einstige Dorfpfarrer. Otto Niemeyer-Holstein hatte sich in Lüttenort ein Malrefugium geschaffen, das ein Anlaufpunkt für gestandene und junge Maler war. „Es war ein Bedürfnis offen und ehrlich miteinander zu reden und das Pfarrhaus mit dem schönen Pfarrgarten war ein Ort, wo man sich richtig wohlfühlen konnte“, beschreibt Bartels die Zeiten des Kirchensommers.

Er selbst war überzeugt, „dass man den Sozialismus besser machen kann“. So manche Veranstaltung in der Benzer Kirche sorgte für Ärger beim Rat des Kreises, aber auch bei der Kirchenbehörde. Die fürchtete offensichtlich Sanktionen des Staates mehr, als dass sie die Freiheit des Wortes schätzte. Auch wenn der Kirchensommer für Aufsehen sorgte, war Martin Bartels in erster Linie Pfarrer. „Wenn ich nicht so einen guten Kontakt zur Gemeinde gehabt hätte, dann hätten sie das nicht akzeptiert. Ich war jeden Nachmittag in den Dörfern und habe in den Wohnstuben Christenlehre gegeben. Die Pastorstunde, wie die Leute sagten, war mein Standbein. Da haben die mich toleriert mit dem Kirchensommer“, betont er.

Schwierigkeiten hatte der Pastor, als er 1985 Konstantin Wecker in seine Kirche holen wollte. Hermann Kant war es höchstpersönlich, der es ermöglichte, dass der Liedermacher in einer restlos überfüllten Kirche auftreten konnte.

Ebenso schwer war es für Bartels, den auf Usedom geborenen und in der Benzer Kirche konfirmierten Schriftsteller Hans Werner Richter zu engagieren. Der Gründer der Gruppe 47 lebte in München, wo ihn Bartels 1986 besuchte und nach Benz einlud. „Die Behörden würden es nicht zulassen. Noch war der Kalte Krieg nicht zu Ende“, schreibt Richter später in seiner Erinnerung über die Begegnung mit dem jungen Pastor in Benz.

Sieben Jahre später starb Hans Werner Richter und wurde von Bartels in Bansin begraben. Nachdem Martin Bartels 1999 in den Ruhestand ging, baute er mit der Witwe Toni Richter das Hans Werner Richter-Haus in Bansin auf. Dort befindet sich der komplette private Nachlass des Schriftstellers sowie nach dem Tod von Carola Stern im Januar 2006 auch deren Nachlass.

Auch die Feininger-Tour trägt die Handschrift von Martin Bartels. Gemeinsam mit dem früh verstorbenen Martin Meenke und Amtsvorsteher Karl-Heinz Schröder entwickelte er das Radwegeprojekt auf den Spuren des berühmten Malers Lyonel Feininger, der 1908 erstmals auf Usedom mit seinem Malblock unterwegs war.

Doch über all dieses Engagement stellt der Pastor im Ruhestand ein Herzensprojekt, das er 1996 aus der Taufe hob – das Benzer Kinderhaus Himmelschlüsselchen. Der Kindergarten in Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde Benz ist nur einen Steinwurf von der Petrikirche entfernt. Dass 2002 unter seinem Nachfolger Arndt Noack noch eine Evangelische Grundschule nach Benz kam, war das i-Tüpfelchen für Martin Bartels.

Dietmar Pühler

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