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Usedom Deutlicher Rechtsruck im Wolgaster Stadtparlament
Vorpommern Usedom Deutlicher Rechtsruck im Wolgaster Stadtparlament
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16:37 27.05.2019
Blick von der Schlossinsel auf die Altstadt von Wolgast. Die politischen Verhältnisse in der Stadt haben sich deutlich gewandelt. Quelle: Schröter Tom
Wolgast

Die politische Landschaft in der Stadt Wolgast hat sich im Zuge der jüngsten Kommunalwahlen stark verändert. Ein deutlicher Rechtsruck ist der Grund dafür. Die AfD gewinnt die Wahl und kommt auf 2692 Stimmen, was einem Anteil von 19,2 Prozent entspricht. Erst danach folgen die CDU mit 2581 Stimmen (18,5 Prozent) und die Fraktion Kompetenz für Wolgast (KfW) mit 2500 Stimmen (17,9 Prozent).

Die AfD sichert sich damit in der neuen Stadtvertretung fünf der insgesamt 25 Sitze, wobei Henry Kammel, Karsten Lange, Siegfried Zorr, Marko Friszewski und Sabine Uecker ins Parlament einziehen. Ebenfalls fünf Sitze holen die Christdemokraten, für die Anke Kieser, Ralf Pens, Toralf Lada, Sebastian Gabriel und Bernard Kowolik auf den Abgeordnetensitzen Platz nehmen. Fünf weitere Sitze gehen an die Fraktion Kompetenz für Wolgast mit Martin Schröter, Arne Koplin, Harald Heß, Hans-Jörg Knuth und Torsten Wodtke.

Plückhahn senior nur noch Ersatzperson

Mit einem Anteil von 2354 Stimmen (16,8 Prozent) entfallen vier Mandate auf die Fraktion Bürger für Wolgast (BfW); für die Christoph Eigbrecht, Jan Schneider, Bernhard Janeck und Raik Plückhahn die meisten Stimmen holten. Der langjährige Abgeordnete Reinhardt Plückhahn ist lediglich noch Ersatzperson für seine Fraktion.

Die Linke bringt es auf nur 1268 Stimmen (9,1 Prozent) und ist nunmehr noch mit zwei Abgeordneten, nämlich Brigitte Grugel und Jörg Köppen, im Stadtrat vertreten. Lars Bergemann kann als Einzelbewerber 984 Stimmen (7 Prozent) auf sich vereinen, was zwei Sitzen entspricht, von denen einer daher unbesetzt bleibt. Lediglich einen Sitz kann die SPD mit einem Wahlergebnis von 701 Stimmen (5 Prozent) für sich beanspruchen; Hans-Werner Lotz sicherte sich das Mandat. Und: Christoph Wendtland vertritt erstmals die Grünen im Stadtparlament, die 309 Stimmen (2,2 Prozent) erringen.

Wolgasts Kommunalpolitik fehlt die Transparenz

Für Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos) kommt das Wahlergebnis nicht völlig überraschend. Das merkliche Erstarken der AfD nur auf Entscheidungen der Landesregierung etwa zur Schwächung des Wolgaster Krankenhausstandortes zu schieben, sei „zu einfach“, so Weigler. „Wir müssen mit unseren kommunalpolitischen Entscheidungen stärker nach draußen dringen“, meint das Stadtoberhaupt mit Blick auf den Umstand, dass die Ausschüsse der Stadtvertretung nach wie vor grundsätzlich hinter verschlossenen Türen tagen – ein Wolgaster Alleinstellungsmerkmal.

Weigler: „Wir müssen unsere Entscheidungswege – etwa im Zusammenhang mit dem Rathaus-Neubau/Umbau – transparent offen legen und die Bürger mit einbeziehen.“ Nun gelte es, anstatt die AfD-Vertreter zu verteufeln, die Zusammenarbeit mit ihnen zu suchen, denn „sie werden ja auch Ideen für ihre Stadt haben“.

„Bin unwahrscheinlich überrascht.“

Henry Kammel (AfD) zeigt sich „unwahrscheinlich überrascht von der hohen Anzahl der Stimmen“ für seine Partei. „Die Leute wissen eben, dass wir keine Nazis, sondern auch ganz normale Menschen sind“, so Kammel. In der Stadtvertretung wolle man „Sacharbeit statt politischer Arbeit leisten“, sagt er. Hauptanliegen seiner Fraktion seien die komplette Wiederherstellung des Krankenhauses mit allen seinen Stationen, die Belebung der Innenstadt sowie die touristische Vermarktung des Stadthafens.

Für ein derartiges Erstarken der AfD habe sie „keine Erklärung“, sagt Anke Kieser (CDU). Die Krankenhaus-Politik zu Lasten Wolgasts erkläre diesen Trend nur zum Teil. „Auch kenne sie die künftigen AfD-Abgeordneten bis auf eine Ausnahme noch nicht persönlich.“ Eine offensive Zusammenarbeit mit der AfD schließe sie für ihre Fraktion aus. Aber, so Kieser: „Wenn sich die AfD zu bestimmten Themen konstruktiv einbringt, kann man auch zusammen stimmen.“ Der CDU liegen gleichsam „ein funktionierendes Krankenhaus“ und die Umsetzung touristischer Bauprojekte wie etwa auf der Schlossinsel und südlich der Peene-Werft, am Herzen.“

Torsten Wodtke (KfW) denkt, dass in Wolgast immer noch aus Protest AfD gewählt wird. „Das hängt mit dem Abzug der Behörden und der Krankenhaus-Abteilungen zusammen“, ist er sich sicher. „Ich habe als Stadtvertreter kandidiert, um dafür zu sorgen, dass Wolgast nicht zum Altersheim wird“, so Wodtke, der auch Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Wolgast ist. Er will sich für einsetzen für die Brandschützer, das Krankenhaus, den Wiederaufbau des Turmes der St. Petri-Kirche und eine Wiederbelebung traditioneller Veranstaltungsorte, wie den Anlagenpark und die Freilichtbühne.

„Einen für meinen Rucksack, den anderen für mich.“

Das starke Abschneiden der AfD, da ist sich auch Einzelbewerber Lars Bergemann sicher, „hat mit der Landespolitik zu Lasten von Wolgast zu tun. Die Situation gegenüber 2016 hat sich ja nicht grundlegend geändert“. Dass er seinerseits als Einzelkandidat gleich zwei Sitze vereinnahmt, freue ihn einerseits. „Andererseits ist es schade, dass ein Platz nun leer bleibt. Ich habe künftig eben zwei Stühle – der eine ist für meinen Rucksack, der andere für mich.“

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