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Usedom Die „Architektin“ der Privatschule
Vorpommern Usedom Die „Architektin“ der Privatschule
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00:00 02.03.2018
Stand 13 Jahre an der Spitze der Freien Schule Zinnowitz: Schulleiterin und Geschäftsführerin Martina Färber.
Stand 13 Jahre an der Spitze der Freien Schule Zinnowitz: Schulleiterin und Geschäftsführerin Martina Färber. Quelle: Foto: Henrik Nitzsche
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Zinnowitz

Da steht es schwarz auf gelb: „Regierungsbezirk Martina – Mein Wort ist hier Gesetz!“ Das kuriose Namensschild in Postkartengröße hängt an der Pinnwand im Büro von Martina Färber. Es war ein Geschenk der Kollegen. Heute nimmt sie es ab – an ihrem letzten Tag als Schulleiterin der Freien Schule Zinnowitz. Mit ihr verlässt quasi die „Architektin“ das Haus, das zum Erfolgsmodell in der Region geworden ist. Bei der Eröffnung im August 2005 waren es 37 Schüler, drei Klassen und fünf Lehrer. „Es war wie eine Familie“, sagt Martina Färber. Die Familie ist inzwischen groß geworden. Heute werden im Dannweg 345 Schüler in 22 Klassen (5. bis 12.) von 41 Pädagogen unterrichtet.

Zur Person: Eingeschult in Zinnowitz

Martina Färber wurde 1951 in Zinnowitz geboren und sechs Jahre später im Ort auch eingeschult.

Bis 1969 war sie an der EOS Wolgast. Anschließend studierte sie bis 1973 in Greifswald die Studienfächer Chemie und Biologie. Bis 1978 arbeitete sie als Lehrerin in Wolgast und wechselte dann nach Zinnowitz.

„Wir haben alles richtig gemacht“, meint die Zinnowitzerin, die für sich entschieden hat: „Mit 67 Jahren reicht es nun.“ Ab März übernimmt ihr bisheriger Stellvertreter Frank Schmidt die Schulleitung. Ganz loslassen wird die Zinnowitzerin aber nicht – sie bleibt Geschäftsführerin des Unternehmens Schule. Das aus ihrer Sicht „eine gute Alternative zu staatlichen Schulen ist, aber keine Konkurrenz.“ Sie erinnert an den holprigen Start und an „viel Gegenwind aus Schwerin und von staatlichen Schulen“.

Rückblick: Die Regionale Schule Zinnowitz musste laut Kreis-Schulentwicklungsplan wegen zu geringer Schülerzahlen zum Schuljahr 2005/2006 geschlossen werden. „Unser damaliger Bürgermeister Wolfgang Krug kämpfte um den Schulstandort. Eine Schule in freier Trägerschaft war die beste von drei Varianten. Wir gründeten einen Verein. So kam ich dazu“, sagt Martina Färber, die zu dem Zeitpunkt stellvertretende Leiterin der Regionalschule war. „Ich war halt zur entsprechenden Zeit am entsprechenden Platz.“ Und der war in einer Privatschule, die letztendlich erst per Gerichtsurteil – das Kultusministerium hatte die Einrichtung einer Freien Schule untersagt – durchgeboxt wurde. „Das waren schwierige Zeiten, zumal wir in den ersten beiden Jahren nach der Gründung keine Personalkostenzuschüsse vom Land bekamen. Wir hatten aber gute Partner, die Gemeinde und die Volksbank“, sagt Martina Färber, die sich neben ihrer schulischen Arbeit auch kommunalpolitisch engagiert.

Sie ist in der zweiten Legislaturperiode Gemeindevertreterin, leitet den Sozialausschuss und ist Mitglied im Bauausschuss.

All die Jahre war ihr aber wichtig, dass sie trotz der Geschäftsführung und Schulleitung immer noch Lehrerin geblieben ist. „Ich brauche den Unterricht, weil man so auch weiß, was an der Basis los ist.“ Sie unterrichtete Chemie und Biologie. Knapp 40 Jahre war sie Lehrerin in Zinnowitz. Da verwundert es kaum, dass ihre beiden Töchter (38/47) ebenfalls Lehrerinnen geworden sind. Die Ältere ist in Hamburg, die Jüngere in Oranienburg.

Zur Schulleiterin und Lehrerin kam auch die Ökonomin und Bauleiterin – 2012 wurde das Schulgebäude für 4,5 Millionen Euro erweitert. „Bei laufendem Schulbetrieb und ohne Fördermittel“, betont Martina Färber. Durch den Anbau eines Zweigeschossers im Innenhof und dem Umbau des alten Gebäudes standen 14 zusätzliche Unterrichtsräume zur Verfügung. Der Bereich Multimedia wurde mit modernsten Mitteln ausgestattet. Dazu gab es noch eine neue Sporthalle und Mehrzweckhalle mit Schülercafé und Lehrküche. „Die Eröffnung nach der Sanierung war schon ein emotionaler Moment. Gleiches gilt für die ersten Abiturzeugnisse im Juli 2014“, meint die scheidende Schulleiterin.

Der Plan nach dem Lehrerdasein ist noch nicht ausgereift. Der Schule ganz den Rücken kehren wird sie nicht. Auf Mini-Job-Basis ist sie Geschäftsführerin der gGmbH, die 2016 den Förderverein als Träger der Schule ablöste. „Aus der pädagogischen Arbeit werde ich mich aber raushalten“, sagt sie.

Im März will sie Urlaub machen in Italien. Wenn es um die Freizeitgestaltung geht, fallen ihr Gartenarbeit und Spaziergänge ein.

Was wird ihr fehlen? „Die Kollegen, die Schüler. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man die Kinder als Kleine aufnimmt und als Erwachsene verabschiedet.“

Henrik Nitzsche

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