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Usedom Die Tester hinter der Maske: Daniel Kirschke aus Bansin kennt viele Nasen
Vorpommern Usedom

Die Corona-Tester hinter der Maske: Daniel Kirschke aus Bansin kennt viele Nasen

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10:00 10.01.2022
Würde man Daniel Kirschke nur aus dem Testzentrum kennen, könnte man ihn auf der Straße wahrscheinlich gar nicht wiedererkennen. Seit einem Monat macht er den Job im Testzentrum.
Würde man Daniel Kirschke nur aus dem Testzentrum kennen, könnte man ihn auf der Straße wahrscheinlich gar nicht wiedererkennen. Seit einem Monat macht er den Job im Testzentrum. Quelle: Hannes Ewert
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Bansin

„Bitte einmal lächeln. Ich schaue gerne in lächelnde Gesichter“, sagt Daniel Kirschke und schiebt im Corona-Testzentrum im Kaiserstrand Beachhotel in Bansin auf Usedom einer Frau mittleren Alters ein Teststäbchen mehrere Zentimeter tief in die Nase. Vier Mal links drehen und vier Mal rechts drehen – in beiden Nasenlöchern der gleiche Ablauf. Nach wenigen Sekunden ist die Prozedur beendet und die Frau kann gehen. Das Stäbchen landet im Röhrchen und nach einer Viertelstunde erscheint das Ergebnis auf einer Testkassette.

So wie bei dieser Frau läuft es am Tag manchmal hunderte Mal ab, wenn Menschen zur Tür hereinkommen, um sich auf das Coronavirus testen zu lassen. Entweder sie brauchen den zertifizierten Nachweis für ihre Arbeit, zum Einchecken im Hotel oder für den Restaurantbesuch. So schreiben es die derzeitigen Regeln der Landesregierung vor.

Angestellt über eine Zeitarbeitsfirma

Auf der Insel Usedom und in Wolgast gibt es mehr als ein Dutzend Testzentren verschiedener Anbieter zwischen Karlshagen und Ahlbeck sowie dem Hinterland, die jeden Tag geöffnet sind. Hinter den in Vollschutzausrüstung gekleideten Menschen stehen junge Leute, Rentner oder auch Menschen wie Daniel Kirschke, der mitten im Berufsleben steht. Seit etwas mehr als ein Monat gehört der Usedomer zum Testteam im Kaiserstrand Beachhotel. Der 40-Jährige ist dort über eine Zeitarbeitsfirma angestellt.

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14 Jahre lang in der Gastronomie gearbeitet

Mit medizinischen Untersuchungen hatte Kirschke bis vor wenigen Wochen eigentlich nichts am Hut. „Ich habe 14 Jahre lang in der Gastronomie gearbeitet, denn ich wollte schon immer was mit Menschen machen“, sagt er. Als Küchenchef arbeitete er in verschiedenen Betrieben auf der Insel. Um sich weiterzuentwickeln, wechselte er häufig den Arbeitgeber – relativ üblich in der Branche.

Familienleben kollidierte mit dem Arbeitsleben

Doch dann kam seine jetzige Frau in sein Leben und sie bekamen Nachwuchs. „Als Küchenchef ist man teilweise bis zu 13 Stunden an sechs Tagen in der Woche auf Arbeit. Und meine Frau arbeitet als Restaurantleiterin. Das sind leider keine familienfreundlichen Arbeitszeiten“, sagt Daniel Kirschke. Er kehrte der Branche – die ihm trotzdem sehr viel Spaß bereitete – den Rücken. Vor seinem Job als Corona-Tester war er im Vertrieb tätig. „Mein Wunsch war es immer, direkt was mit Menschen zu machen und nicht nur am Telefon zu sitzen und Kunden zu beraten, die man noch nie im Leben gesehen hat. Ich habe gemerkt, dass der Job nicht zu mir passt und wollte wieder näher zu den Menschen“, betont er.

Mit seinem Job im Testzentrum hat Daniel Kirschke nun seine Passion gefunden. Er ist direkt am Menschen, quasi mit seinem Stäbchen sogar mittendrin. „99 Prozent der Leute sind immer gut drauf. Es wird gescherzt und gelacht, obwohl sie ja manchmal nur wenige Minuten da sind. Mir ist wichtig, dass der Job auch Spaß machen muss“, erklärt er. Manche Leute kommen sogar jeden Tag. „Man kann schon die Uhr danach stellen, wann die bekannten Gesichter zur Tür hereinkommen.“ Und für sein Familienleben ist der Job zuträglicher. „Ich weiß ganz genau, wann ich Feierabend habe. Dieser Job ist berechenbarer als die Gastronomie.“

Das Stäbchen wird ins Röhrchen eingeführt und dann werden mehrere Tropfen Testflüssigkeit auf die Kassette geträufelt. Quelle: Hannes Ewert

Jeden Morgen wird getestet

Um sicherzugehen, dass sie sich nicht bei anderen Menschen angesteckt haben, wird im Team jeden Morgen gegenseitig getestet. „Ich hatte noch keine Corona-Infektion, aber ich habe in der Familie gesehen, welche Auswirkungen die Krankheit haben kann. Mit dem Job im Testzentrum bin ich froh, damit Infektionsketten zu unterbrechen“, erklärt er.

Damit es schneller geht, werden viele Testkassetten vorbereitet. Quelle: Hannes Ewert

Mehrere Male schlug der Antigen-Schnelltest auch bei seinen zu testenden Männern und Frauen positiv an. „Es heißt nicht automatisch, dass sie auch Corona haben, denn alle müssen noch zu einem laborbestätigten PCR-Test. Manchmal bestätigt sich der Antigen-Test auch nicht“, sagt er. Und was passiert, wenn es einen positiven Fall gab? „Der Teststreifen schlägt relativ schnell an, wenn ein positives Testergebnis vorliegt. Die Person wird automatisch per Mail informiert, aber wir schicken erst mal alle Personen aus dem Raum, lüften kräftig durch und desinfizieren noch mal alle Flächen“, erklärt er.

Niemand weiß, wie lange der Job noch geht

Wie lange Daniel Kirschke noch den Job als Corona-Tester in Bansin macht, weiß er nicht. „Durch die Zeitarbeitsfirma wird man flexibel eingesetzt. Es kann also auch sein, dass man irgendwo Fenster putzt oder Regale ausräumt“, sagt er. Der Job als Tester bereitet ihm allerdings sehr viel Freude. „Als die Urlauber nach Silvester abreisten, kamen einige noch vorbei und haben sich verabschiedet. Manche brachten auch eine Tafel Schokolade für das Team“, sagt er.

Von Hannes Ewert