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Usedom Drogen in Wolgast: Hilferuf aus dem Jugendhaus
Vorpommern Usedom Drogen in Wolgast: Hilferuf aus dem Jugendhaus
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11:17 10.05.2019
Die Polizei klärt Wolgaster Eltern über das Thema Drogen auf. Das Bild zeigt Polizeihauptkommissar Mario Tschirn während einer Info-Veranstaltung im November 2016 in der Regionalen Schule Heberlein. Quelle: Tom Schröter
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Wolgast

Mit einer Art Brandbrief hat sich Andreas Keil, Mitarbeiter des Wolgaster Jugendhauses, an die Öffentlichkeit gewandt. Unter der Überschrift „Die Sozialarbeit in Wolgast braucht ein Update“ schildert er im sozialen Netzwerk Facebook seine Sorgen, die er sich über die junge Generation in Wolgast macht.

Laut pädagogischem Konzept sollten die Gäste des Jugendhauses „Peenebunker“ zwölf bis 27 Jahre alt sein. Doch in der Praxis kämen im Durchschnitt sechs bis 14-Jährige. „Wir sind gut besucht und auch die Angebote und Arbeitsgemeinschaften werden sehr gut angenommen – aber eben ,nur’ von der genannten Altersgruppe. Was ist mit dem Rest?“, fragt Keil.

Andreas Keil, Mitarbeiter des Jugendhauses „Peenebunker“ in Wolgast. Quelle: Archiv

In den vergangenen Monaten seien gegen Besucher viel öfter als in den Jahren davor sehr lange bis lebenslängliche Hausverbote für das Jugendhaus erteilt worden. Gründe dafür seien Drogen, Alkohol, Gewalt und Sexismus gewesen. „Das Problem“, so der Schreiber, „haben wir damit aber nicht gelöst, ganz im Gegenteil, man verschiebt es in Richtung: ,Brennpunkt’.“ Ein solcher sei der Spielplatz an der Hufelandstraße, auf dem „gesoffen, geraucht, gekifft und konsumiert wird, als wäre es ein rechtsfreier Raum, wo jeder machen kann was er will“. Weitere Orte, an denen sich teilweise solche Szenen abspielten, seien der Spielplatz am Lustwall und zunehmend auch die Wolgaster Anlagen.

Polizei: „Offenbar Kommunikationsproblem in Wolgast

In Wolgast, so meint Polizeisprecher Peter Keding, gebe es da offenbar ein Kommunikationsproblem. Denn: „Die örtliche Polizeiinspektion hat die Information über solche Brennpunkte nicht“, sagte Keding nach Rücksprache mit Inspektionsleiter Andreas Pantermehl. „Spielplätze werden besonders intensiv bestreift. Allerdings kann die Polizei nicht ohne Rechtsgrundlage Jugendliche von öffentlichen Plätzen weg jagen“, so Keding.

Sollten Fälle etwa des Drogenkonsums beobachtet werden, sei am besten umgehend die Polizei zu informieren, so der Sprecher. Unabhängig davon werde sich die Polizei beim städtischen Ordnungsamt über die aktuelle Situation in Wolgast informieren. Zudem regt Keding an, den Präventionsrat in Wolgast wieder zu aktivieren und einzuberufen. „Solche Räte sind dazu da, vorbeugend tätig zu werden. In Heringsdorf und Greifswald funktioniert das sehr gut“, so der Polizeihauptkommissar.

„Energy-Getränke als Grundnahrungsmittel“

In seinem offenen Brief thematisiert Andreas Keils noch weitere Themen, wie Antriebslosigkeit, Gleichgültigkeit, fehlende Anstandsformen und Respektlosigkeit als ein allgemeines Problem. Es fehle das Bewusstsein, dass nur durch gegenseitigen Respekt ein friedliches Miteinander möglich sei. Sogar für einige Eltern der Jugendhaus-Besucher seien „Anstand“ und „Benehmen“ Fremdworte. „Dass die Bassbox im Rucksack laut aufgedreht wird, dass den ganzen Tag gewaltverherrlichende und sexistische Musik den Rücken massiert, ist völlig normal geworden. Energy-Getränke gehören bei einigen Kindern und Jugendlichen zu den Grundnahrungsmitteln.“

Mobile Sozialarbeit könne ein Mittel sein, um die genannten Dinge nicht weiter ausufern zu lassen. Mit Sozialarbeitern, die sich zu den „Brennpunkten“ begeben und Kontakt zu diesen Kindern und Jugendlichen aufnehmen, könne dem Trend entgegen gewirkt werden. „Wir allein“, so verdeutlicht Keil, „können das im Jugendhaus nicht schaffen.“ Er regt stattdessen an, Räumlichkeiten für einen festen ganzjährigen Anlaufpunkt herzurichten. „Das würde unsere soziale Arbeit in Wolgast sehr gut ergänzen.“

Weigler: „Müssen an dieses Problem ran.“

Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos) sagt, dass er Keils Brandbrief ernst nehme. „Wir müssen an dieses Problem ran“, erklärt Weigler, der auf die Reaktion der Polizei hingegen mit Unverständnis reagiert: „Wer nicht weiß, dass wir in Wolgast ein Problem mit Alkohol und Drogen haben, macht meiner Meinung nach seine Arbeit nicht richtig.“ Bereits vor etwa vier Jahren hätten Jugendliche auf dem Spielplatz an der Hufelandstraße ihr Unwesen getrieben. „Damals sind wir mit der Polizei dort aktiv geworden, woraufhin sich der Brennpunkt zum Fischmarkt hin verlagerte“, so Weigler. „Damit wurde das eigentliche Problem aber nicht gelöst.“

Die Einstellung eines Streetworkers hält der Bürgermeister für eine Möglichkeit, vorbeugend wirksam zu werden und keine weiteren Drogenopfer in Wolgast zuzulassen. „Derzeit sind wir dabei zu klären, wer Träger für diese Stelle werden kann und wer die Stelle finanziert. Ob ein Streetworker die beste Lösung ist, weiß ich nicht. Aber wir müssen unbedingt etwas tun.“

Tom Schröter

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