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Usedom Drogerie Löscher schließt nach 70 Jahren für immer
Vorpommern Usedom Drogerie Löscher schließt nach 70 Jahren für immer
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16:00 08.10.2019
Die Bansiner Drogerie Löscher schließt nach 70 Jahren für immer. Drogist Thomas Löscher geht in den Ruhestand, er findet keinen Nachfolger. In die Drogerie zieht dann ein Stoffladen ein. Quelle: Dietmar Pühler
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Bansin

„Am 1. Juni 1949 hat mein Vater die Drogerie eröffnet“, blickt der Bansiner Thomas Löscher auf die Anfänge seines Unternehmens zurück. Damals hatte sein Vater Gottfried Löscher erstmals die Tür der Ostsee-Drogerie in der ehemaligen Villa Aegir für die Kundschaft geöffnet. Ein altes Foto zeigt noch das damalige Sortiment: „Chemikalien, Verbandstoffe, Fotoartikel, Farben, Drogen, Kosmetik“, steht auf der Fassade, und die beiden Schaufenster zieren die Schriftzüge „Drogerie – Parfümerie“.

Von der historischen Villa in der Seestraße ist schon seit fünf Jahren nichts mehr zu sehen, und auch die Drogerie Löscher wird bald ganz verschwunden sein. Denn nach 70 Jahren löst der Händler mangels Nachfolger für immer den Familienbetrieb in zweiter Generation auf. „In den letzten Jahren ist es im ganzen Umfeld schwieriger geworden“, bedauert Thomas Löscher. Es sei auf der einen Seite schade, dass es in Bansin künftig keine Drogerie mehr gebe, doch auf der anderen Seite sei er froh, „dass ich das Rentenalter erreicht habe“, erklärt der 64-Jährige.

50 Lehrlinge in 40 Jahren ausgebildet

Die Drogerie Löscher war aus dem Leben vieler Bansiner nicht wegzudenken. Vater Gottfried blieb trotz der Eingliederung der Drogerie in die Konsum-Genossenschaft als Kommissär selbstständig. Bis zum 1. Mai 1989 führte er das Geschäft, das im Sommer bis zu 13 Mitarbeiter, darunter bis zu sechs Saisonkräfte, beschäftigte. In den 40 Jahren von 1949 bis 1989 bildete Löscher an die 50 Lehrlinge aus. Bis zur Wende hatte die Drogerie sogar ein eigenes Fotolabor.

Historische Aufnahme der Drogerie Löscher in der Villa Aegir. Von 1949 bis 2001 war sie an diesem Standort ansässig. Quelle: Dietmar Pühler

Thomas Löscher stieg 1982 bei seinem Vater ein. Nach der Drogisten-Lehre absolvierte er eine Zusatzausbildung zum Verkaufsstellenleiter. „Dadurch konnte ich auch Lehrlinge ausbilden“, betont der Fachhändler. Wenige Monate vor der Wende übernahm er dann das Geschäft von seinem Vater, der mit 66 in den Ruhestand ging. „Wobei, mein Vater war ja noch rüstig. Er kam oft vorbei, um seinen ’Kontrollgang’ zu machen“, amüsiert sich Thomas Löscher, der voller Hochachtung auf das große Fachwissen seines Vaters zurückblickt.

Nur noch ein richtiger Drogist auf der Insel

Er selbst erweiterte das Unternehmen nach der Wende. 1993 baute er in der Seestraße 15 A ein Geschäftshaus mit Wohnung. Dort war fortan der Hauptsitz, während das Stammhaus im Aegir noch bis 2001 betrieben wurde. Dort wurde dann nur noch ein Strandsortiment und die Parfümerie geführt. Auch in Heringsdorf gab es von 1995 und 2005 eine Filiale in der Kulmstraße.

Mit Thomas Löschers Geschäft verschwindet nun eine weitere inhabergeführte Drogerie auf der Insel Usedom und der weiße Kittel als Markenzeichen des Drogisten. „Früher gab es hier gut zehn Drogerien“, erinnert sich der Bansiner. Jetzt gebe es nur noch in Karlshagen mit Andreas Reuschel („Ihr Platz“) einen richtigen Drogisten.

Heute wisse leider kaum noch jemand, „was es in einer Drogerie eigentlich gibt“, bedauert Löscher. „Wir haben früher noch Farben angerührt, Tapetenrollen ausgerechnet. Es musste schon beraten werden“, macht der Händler klar. In seiner Ausbildung lernte er den sachgerechten Umgang mit Salzsäure und Akkusäure. „Da braucht man eine Giftprüfung“, betont er. Darüber hinaus musste er ein Herbarium anlegen, alles Notwendige über Haushaltschemie, Drogen, Tee, Pharmazie, Kosmetik und Fotoarbeiten wissen.

Mit kleinen Nischen Kundschaft binden

Nach der Wende hat Thomas Löscher versucht, das Sortiment so zu belassen ,wie es auch zuvor üblich war, während sich die Drogerieketten die Rosinen herauspickten, um mit weniger beratungsintensiven Produkten schnell Kasse zu machen. „Man musste sich kleine Nischen suchen, mit denen man die Leute an sich ziehen konnte“, so der Drogist der alten Schule. Das seien bei ihm hochwertige Pflegeprodukte gewesen, etwa die Naturkosmetik.

Thomas Löscher baute 1993 ein neues Geschäftshaus in der Bansiner Seestraße 15 A und verlegte den Hauptsitz der Drogerie dorthin. Quelle: Dietmar Pühler

Dadurch konnte sich Löscher eine treue Stammkundschaft aufbauen. Auch Foto- und Videokameras sowie Fotomaterial wurden wichtig für die Drogerie. Waren es gleich nach der Wende Drogerieketten und Apotheken, die den Drogerien Geschäftsfelder streitig machten, so ist es heutzutage der Internethandel, der Marktanteile entzieht. Thomas Löscher sieht deshalb schwere Zeiten auf den Einzelhandel zukommen. Er kann deshalb auch nachvollziehen, dass keine seiner zwei Mitarbeiterinnen die Drogerie übernehmen möchte. So geht in den nächsten Tagen, wenn der rabattierte Abverkauf beendet ist, zum letzten Mal das Rollgitter herunter.

Am Standort etabliert sich dann Stoffladen

Ab Januar wird an diesem Standort Tina Meyer mit ihrem Stoffladen „Steinblau – Stoffe & Accessoires“ eine neue Zeit einläuten. Thomas Löscher wird dann zufrieden zurückblicken und sich auf seine freie Zeit freuen. „Ich werde mit meinem Hund spazieren gehen“, sagt er mit einem Lächeln. Dann zieht er die Augenbrauen noch einmal hoch und fügt an: „Manche merken vielleicht dann, was sie an einer Drogerie hatten.“

Von Dietmar Pühler

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