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Usedom Ein Leben mit Migräne
Vorpommern Usedom Ein Leben mit Migräne
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00:00 25.03.2017
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Heringsdorf

Stechender Schmerz im Kopf, Panikattacken, Herzrasen, Sprachstörungen – bis zu dreimal pro Tag durchlebte Caroline P. in den schlimmsten Zeiten dieses Horrorszenario. Todesängste aus dem Nichts. „Man verliert völlig die Selbstsicherheit und weiß gar nicht, was los ist“, sagt die 48-jährige Berlinerin, die vor 16 Jahren die Diagnose bekam, Migräne mit Aura. Die Aura ist ein neurologisches Symptom der Migräne, das der zumeist folgenden Kopfschmerzphase vorangeht. „Dazu gehören neurologische Ausfälle, wie Sehstörungen, Lähmungen oder Taubheit“, sagt Dr. Alexander Romanowski, Chefarzt im „Haus Kulm“ der Medigreif Inselklinik Heringsdorf. Das Haus hat sich als Bestandteil der Unternehmensgruppe zu einer modernen Fachklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie entwickelt.

Experten gehen davon aus, dass in Deutschland etwa acht Millionen Menschen mit Migräne leben. Caroline P., die das erste Mal in der Klinik ist, gehört dazu. „Ich suche hier vor allem Entspannung und Ruhe, versuche mich aber auch sehr viel zu bewegen“, sagt die Prokuristin, die fünf Wochen in der Fachklinik verbringt. Und erzählt, wie es anfing, als ihr Leben aus den Fugen geriet. „1996 hatte ich einen Unfall. Mir fuhr jemand frontal ins Auto. Dabei erlitt ich eine starke Gehirnerschütterung. Von da an gab es regelmäßig diese Schübe. Anfangs dachte ich, dass es sich um einen Schlaganfall handelt. Fünf Jahre habe ich Ärzte aufgesucht, ich bin von Pontius zu Pilatus gelaufen.“ 2001 traf sie in Berlin einen Neurologen, der die Migräne diagnostizierte. „Und mir eröffnete, dass es sich bei mir um eine Erbkrankheit handelt. Ich war also nicht der Psychofall. Er hat mir erklärt, was in meinem Körper und in meinem Kopf passiert. Es folgte eine lange Arie an Medikamenten, die aber geholfen haben“, sagt die Hauptstädterin mit dem Blick zurück. Inzwischen weiß sie mit der Krankheit zu leben. „Man muss sich einlassen auf den Arzt“, rät die Patientin, die inzwischen bei aufkommenden Symptomen „mit Kopfschmerztabletten gut gegensteuern kann“. Chefarzt Romanowski fügt hinzu: „Der Klinikaufenthalt soll ihr helfen, einen neuen Weg zu finden, um wieder mehr Lebensqualität zu bekommen. Wir sprechen sehr viel mit den Patienten und animieren sie u.a. zum Sport. Sie müssen dafür aber offen sein, eine passive Haltung funktioniert nicht.“

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Caroline P. ist aktiv geworden und hat ihr Leben umgestellt: „Mittagessen vor dem Rechner gibt es nicht mehr. Ich habe mir Zeiten eingerichtet, in denen mein Handy ausgestellt ist. Ich will runterkommen vom Stress.“

Sie treibt jetzt mehr Sport. „Bewegung am Strand ist hier auf Usedom natürlich besonders schön.“ Gar von einem „Glücksgefühl“ spricht sie, wenn sie aus der Ganzkörperkältekammer kommt, die es in der Inselklinik Heringsdorf „Haus Kulm“ gibt. Mit Minus 110 Grad gegen Schmerzen. „Das ist Bungee Jumping durch Kälte“, formuliert es Caroline P., die inzwischen zwei bis drei Schübe im Quartal hat. Und, wie sie sagt, „wieder ein selbst bestimmtes Leben“ hat.

Henrik Nitzsche

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