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Usedom Erdgasgegner machen mobil: Anwaltliche Hilfe und Demo
Vorpommern Usedom Erdgasgegner machen mobil: Anwaltliche Hilfe und Demo
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00:00 24.10.2017
Mit diesem Modell der Erdgasförder- und -verarbeitungseinheit war Engie zunächst in die Öffentlichkeit gegangen. Es sollte vor allem die Einbettung der Anlage in die Natur, und zwar unterhalb der Höhe eines Waldstückes, verdeutlichen. REPRO: ENGIE E&P DEUTSCHLAND
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Korswandt/

Lingen. Die Gegner des Erdgasabbau-Projektes auf der Insel Usedom sind neuerlich alarmiert. Spätestens mit der gestern bekanntgewordenen Antragstellung des Energieunternehmens für das Raumordnungsverfahren zur Erschließung des Usedomer Erdgasfeldes ist den Kritikern nochmals klar geworden, dass es jetzt ernst wird. Deshalb signalisieren sie entschiedenen Widerstand gegen das aus ihrer Sicht insbesondere dem Naturschutz und dem Tourismus auf der Ferieninsel widersprechende Projekt.

Firma Engie E&P plant in dieser Woche zwei Info-Veranstaltungen/ Kritiker hegen Zweifel an der energetischen Bilanz und Wirtschaftlichkeit

Die Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern hat erst kürzlich über öffentlichkeitswirksame Aktionen beraten. Dazu zählt eine Demonstration gegen die Pläne zum Erdgasabbau am 2. Dezember in Heringsdorf. „Am Mittwoch tagt unser Vorstand, da wird Weiteres zu besprechen sein. Natürlich werden wir auf die neue Situation sofort reagieren“, versicherte gestern Nachmittag die BI-Vorsitzende Christa Labouvie. Ausgemachtes Ziel sei es, die bislang noch mehrheitlich zurückhaltenden Insulaner zu mobilisieren und für den Protest zu gewinnen. Bereits im Gespräch ist die BI-Führung mit einem Berliner Fachanwalt, der als Rechtsbeistand den Verein begleiten soll. „Wir setzen darauf große Stücke, denn der Experte für Verwaltungsrecht und Umweltschutz war schon am Kampf um das geplante, aber schließlich gescheiterte Dong-Steinkohlekraftwerk in Lubmin entscheidend beteiligt.“

Da sich der Energieversorgungskonzern Engie nach mehrmonatigen Voruntersuchungen unter vier Varianten auf ein Areal in der Nähe von Korswandt als favorisierten Standort entschieden hat (etwa 1000 Meter nordwestlich vom Ortsrand), rückt der kleine Ort stärker in den Fokus. Die Gemeindevertreter hatten bereits Ende 2016 mehrheitlich mit Ablehnung auf die Engie-Absichten reagiert. Nun stehen Unternehmensinformationen zum Ansinnen erneut auf der Tagesordnung des Gremiums, das am 26. Oktober ab 19 Uhr im „Idyll am Wolgastsee“ zusammenkommt. Karl-Josef Wurzel, seit 1990 Bürgermeister von Korswandt, zur Situation: „Wir fühlen uns als Vertretung und ich mich als Ortsoberhaupt verpflichtet, alle Möglichkeiten auszuloten, um zu verhindern, dass der Erdgasabbau kommt.“

Die Gemeinde Heringsdorf lässt derzeit prüfen, ob ein Vorgänger von Engie, die Firma Erdöl-Erdgas Gommern GmbH, die später von Gaz de France gekauft wurde, bei der Ablagerung von Schlamm aus Probebohrungen etwa ein verseuchtes Grundstück hinterlassen hat. Deshalb sind jetzt tiefere Bohrungen in grundwasserführende Schichten vorgesehen. „Wir versuchen, alle Chancen zu nutzen, das Vorhaben zu verhindern“, versichert Bürgermeister Lars Petersen (CDU). Dazu zähle auch ein Schreiben an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), in dem ihr die Problemlage detalliert geschildert und sie darum gebeten wird, den vitalen Interessen der Ferieninsel und der hier erfolgreichen Touristiker Rückendeckung zu geben.

In den Kaiserbädern leitet Wolfram Wirth die zeitweilige Arbeitsgruppe „Erdgas“. Für ihn stehen nicht nur mittel- und langfristig schädigende Emissionen in der Kritik, sondern auch die wirtschaftliche und energetische Gesamtbilanz des Vorhabens. Angesichts der Gasmengen, die aus Russland über Nordstream angelandet werden, dürfte sich das in Vorpommern vor Usedom kaum lohnen. Erst recht nicht, wenn man die hohen Investitionskosten dagegen rechnet, findet Wirth. Unter Insidern wird ferner gemutmaßt, dass E&P mit dem Usedom-Abbau Konventionalstrafen aus dem Wege geht, die womöglich noch vom Verkauf der Lagerstätte durch die Treuhand herrühren.

Derweil preist Engie das Vorhaben auch mit Gewerbesteuern und bis zu 15 ganzjährigen Arbeits- und zusätzlichen Ausbildungsplätzen an. Bei Bau und Betrieb sollen regionale Firmen zum Zuge kommen. Eine kostenfreie Ladestation für E-Bikes steht ebenso in Aussicht wie eine Geologie-Informationsstelle. Sollte im Jahr 2022 die Produktion beginnen, kann die Gasförderung nach Engie-Berechnungen rund 25 Jahre, also bis 2047 andauern.

Infos: Am 26.10. Gemeindevertretung Korswandt „Idyll“, 19 Uhr; sowie am 27. Oktober, 16 Uhr, Klub 90 Zirchow

Steffen Adler

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