Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom Erinnerung an Wolgaster Turnvater Wienholz
Vorpommern Usedom Erinnerung an Wolgaster Turnvater Wienholz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Der Turnvater von Wolgast, Carl Otto Wienholz. Quelle:  
Anzeige
Wolgast

Als Schneider-Obermeister Carl Otto Christian Wienholz am 7. Februar 1935 nach kurzem Leiden in seinem 80. Lebensjahr starb, verlor die Stadt einen versierten Handwerker und einen nimmermüden, treuen Ehrenamtler. „Der Verstorbene war infolge seines edlen Charakters eine geliebte und geschätzte Persönlichkeit, die weit über Wolgasts Stadtgrenzen hinaus bekannt war“, meldete der „Wolgaster Anzeiger“ in seiner Ausgabe vom 8. Februar 1935.

Viele Ehrenämter wurden Carl Otto Wienholz in seinem arbeitsreichen Leben übertragen. So trat er 1884 in die Wolgaster Schützengilde ein, deren Führer und Altermann er ab dem Jahr 1900 war und der er zuletzt als Ehrenaltermann angehörte. 22 Jahre lang war Wienholz Mitglied des Aufsichtsrates der Wolgaster Vorschuß- und Spar-Bank. 45 Jahre lang gehörte er der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr an, zeitweise als 2., dann als 1. stellvertretender Brandmeister und ab 1927 als Ehrenmitglied.

Zudem engagierte sich der Obermeister, der mit seiner Frau Wilhelmine, geb. Müller, im Haus Schusterstraße 29 wohnte, 50 Jahre lang im Wolgaster Gesangverein „Liedertafel“ und war langjähriger Mitstreiter des Kriegervereins und der städtischen Wohnungskommission. Er wirkte in vorderster Reihe in der Handwerkskammer und führte 30 Jahre lang die Wolgaster Schneider-Innung, deren Mitglied er seit 1885 und deren Ehren-Obermeister er schließlich war. Auch im Gemeindekirchenrat brachte sich Carl Otto Wienholz über Jahrzehnte hinweg ein – besonders als es nach dem verheerenden Brand der St. Petri-Kirche im Jahr 1920 galt, das Gotteshaus mühsam wieder aufzubauen. Schließlich war der umtriebige Wolgaster seit 1905 auch in der Stadtverwaltung und im Wolgaster Magistrat tätig, wo er das Amt des Vizevorsitzenden des Bürgerschaftlichen Kollegiums bekleidete.

Anlässlich des Gauturnfestes in Wolgast im August 1903 erschien diese Postkarte. Quelle: Archiv Tom Schröter

Mit großem Eifer betätigte sich Carl Otto Wienholz auch im 1861 gegründeten Wolgaster Männer-Turnverein, dem er seit 1881 angehörte. Und auch hier bewies er große Ausdauer. Ohne Unterbrechung war er von 1884 bis 1926 Vorsitzender des Traditionsvereins. Einen besonderen Höhepunkt während seiner langen Ära an der Vereinsspitze bildete die Ausrichtung des 19. Gauturnfestes des Vorpommerschen Turngaues vom 8. bis 10. August 1903 in Wolgast, für dessen Organisation der Wolgaster Männer-Turnverein eigens einen Festausschuss bildete. Die Häuser und Straßen der Stadt waren festlich geschmückt, als nacheinander die über 300 Aktiven der Turnvereine aus Stralsund, Greifswald, Pasewalk, Grimmen, Anklam, Gützkow, Loitz, Bergen, Friedland, Lassan, Ueckermünde, Demmin, Swinemünde, Strasburg und Torgelow in der Stadt am Peenestrom eintrafen.

Die Stadt mit Bürgermeister Dr. Hans Reimers an der Spitze bereitete den Sportlern einen freundlichen Empfang. Am Abend des 8. August war es Carl Otto Wienholz, der im Vereinslokal, dem „Concerthaus“ an der Chausseestraße, mit einem Hoch auf seine Majestät, den Kaiser, das Turnfest eröffnete. Ein Umzug der Vereine am Folgetag – der Wolgaster Turnverein war mit 128 Mitgliedern vertreten – durch die mit Fahnen, Girlanden und Kränzen dekorierte Stadt mündete in einen Aufmarsch zum großen Schauturnen auf dem Festplatz an der Greifswalder Chaussee, bei dem Gauturnwart Hugo Rühl aus Anklam die Kommandos gab. Unter anderem wurden vor begeistertem Publikum und mit Ehrengästen besetzter Tribüne so genannte Stabübungen vorgeführt, bis einsetzender Regen Turner und Zuschauer zwischenzeitlich zwang, das schützende Dach zu suchen. Im Anschluss erhielten die Sieger des Wettturnens von angetretenen Ehrendamen ihre Preise.

Auch die alljährlichen Jubiläumsfeiern des Turnvereins waren stets Höhepunkte im Leben der Sportler. Das 59. Stiftungsfest am 5. September 1920 zum Beispiel begann mit einem Ausmarsch zum Tannenkamp, wo volkstümliches Turnen und turnerische Spiele einander abwechselten. Die Vereinsmitglieder zeigten unter anderem Langstabübungen, Sechskämpfe, Faustball, fünf Mal 100 Meter Staffettenlauf und Stangenklettern sowie Freihoch- und Stabhochspringen, wobei jemand die Höhe von 2,80 Meter überwand.

Diese „Jubiläums-Urkunde“ wurde Carl Otto Wienholz vom Verein für 50-jährige Mitgliedschaft im Turnverein überreicht. Quelle: Tom Schröter

Von der großen Verbundenheit der Wolgaster Turner mit ihrem langjährigen Vorsitzenden zeugt eine eichene Ehrenplakette, die Wienholz 1931 überreicht bekam. Auf einem gravierten Messingschild heißt es: „Für 50-jährige treue Mitgliedschaft unserem Ehrenvorsitzenden Turner Carl Otto Wienholz“.

Tom Schröter

Einen Tag vor dem Heiligen Abend verlor Putbus bei einem Brand das erste Mal sein Schloss. Fürst Wilhelm Malte II. kommandierte selbst die Löscharbeiten.

25.12.2018

Entgegen gängiger Annahmen war Bogislaw X. und nicht Philipp I. Bauherr des Schlosses, schreibt eine Professorin

25.12.2018

Damalige Studenten erinnern sich an den Aufbau des Haltepunktes Ralswiek und haben damals selbst bei Aufführungen mitgewirkt

27.12.2018