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Usedom Feininger-Enkel begibt sich auf Usedom auf die Spuren seines Großvaters
Vorpommern Usedom Feininger-Enkel begibt sich auf Usedom auf die Spuren seines Großvaters
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19:05 06.09.2019
Kurdirektor Thomas Heilmann (l.) zeigt Conrad Feininger (r.), welche Pläne es für das „Haus der Erlebnisse“ in Ahlbeck gibt. Das ehemalige „Haus der Erholung“ soll in den kommenden Jahren umgebaut werden. Unter anderem ist eine Ausstellung über Lyonel Feininger zu sehen. Quelle: Hannes Ewert
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Ahlbeck

Die Augen von Conrad Feininger sind fixiert auf die Leinwand, in den Händen hält er ein Taschentuch fest und streicht damit ab und zu durch sein Gesicht. Seine Augen sind immer wieder glasig-wässrig. Er lacht, er staunt, er ist berührt. Auf der Leinwand flimmern Filmsequenzen seines Großvaters Lyonel Feininger (1871-1956). Conrad Feininger ist der Enkel des berühmten Malers, der auf Usedom seine künstlerischen Spuren hinterließ. Er selbst hat ihn jedoch nie kennengelernt, da er wenige Jahre vor seiner Geburt gestorben ist.

Unter Kunstfreunden ist Feininger ein Begriff. Unzählige Bilder zeugen davon, wie verliebt der Künstler in die Region war. Am Donnerstagabend gastierte der Amerikaner im Kaminzimmer des Ahlbecker Hofes. Für Feininger-Freunde gab es die einmalige Chance, mit ihm ins Gespräch zu kommen.

Lucas Treise aus Greifswald, der über den Besuch von Conrad Feininger auch einen Film gestaltet, half bei der Übersetzung. Quelle: Hannes Ewert

Wegzug aus Deutschland im Jahr 1937

1937, zwei Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (1939-45), zog es Lyonel Feininger weg von Deutschland –mit etlichen Zeichnungen von der Insel Usedom aus verschiedenen Perspektiven. In New York arbeitete er als freier Maler. Er kam nie wieder nach Deutschland – unter anderem aus gesundheitlichen Gründen. Nun begab sich sein Enkel auf die Spuren seines Großvaters.

Ehefrau Kathy Feininger, Conrad Feininger, Wolfgang Büche (Kurator aus Halle, Kunstmuseum Moritzburg und Freund der Familie) sowie Galerist Hannes Albers Quelle: Lucas Treise

Feininger besuchte regelmäßig Usedom und Swinemünde

Conrad Feininger, der sein Geld mit der Schauspielerei verdiente, ging auf Usedom an die Orte, die mit seinem Großvater in Verbindung gebracht werden. Lyonel Feininger besuchte zwischen 1908 und 1913 regelmäßig Usedom und Swinemünde, auf seinen Spaziergängen am Strand oder während seiner berühmten Fahrradfahrten in die Inseldörfer entstanden damals viele hundert Natur-Notizen, die später in Ölbildern, Holzschnitten oder Aquarellen und Zeichnungen im typischen Feininger-Stil ihre Spuren hinterließen.

Hannes Albers, jahrelanger Galerist in der Gemeinde Benz, begleitete den 60-Jährigen bei seinen Ausflügen auf Usedom. „Wir sind mit dem Schiff von Ahlbeck nach Swinemünde gefahren“, sagt er. Und eines der oft gezeichneten Motive von Feininger war die Mole. „Immer wieder hat er sich die Mole angesehen“, sagt er. Für Conrad Feininger war dies ein großer Augenblick, denn er konnte hier die Spuren seines Großvaters lesen.

Hannes Albers betrieb in Benz viele Jahre eine Galerie und stellte zahlreiche Feininger-Werke aus. Quelle: Hannes Ewert

Auch das Rathaus und das Museum war eine Station von Feininger. Besonders angetan war Conrad Feininger von der neuen Promenade. „Er entdeckte sogar ein Schild des Feininger-Radweges. Das ist besonders berührend“, sagt Albers. Zu Fuß ging es wieder zurück über die alte Promenade in Richtung Grenze. „Er war begeistert“, so Albers.

Die Sommermonate verbrachte Lyonel Feininger damals gerne am Meer. Ab 1892 war er zunächst noch allein auf Rügen unterwegs, später mit seiner Frau Julia und den Söhnen Andreas, Laurence und Theodore Lux auf der Insel Usedom, die er von 1908 bis 1921 von Quartieren in Heringsdorf, Neppermin und Benz aus mit dem Fahrrad erkundete und wo er unter anderem mehrfach die Benzer St.-Petri-Kirche malte. Zwischen 1924 bis 1935 war er auch in Deep an der pommerschen Ostseeküste nahe Kolberg unterwegs.

Kunstgalerie im „Haus der Erlebnisse“ über Lyonel Feininger

Kurdirektor Thomas Heilmann kündigte abschließend an, dass im jetzigen „Haus der Erholung“ in Ahlbeck, welches zum „Haus der Erlebnisse“ umgebaut werden soll, eine Kunstgalerie über Lyonel Feininger entstehen soll. Conrad Feininger versprach, die Gemeinde helfend zu beraten. Er gab Heilmann auch die Zusage, zur Eröffnungsfeier zu kommen – voraussichtlich im Jahr 2024. Derzeit läuft eine Studie, die die Wirtschaftlichkeit dieses Vorhabens analysieren soll. Was Heilmann derzeit nicht gefällt, ist der Zustand des Radweges, welcher nach Feininger benannt wurde.

Conrad Feininger, der Enkel von Maler und Künstler Lyonel Feininger, besuchte die Insel Usedom. Unter anderem ging es auf die Ahlbecker Seebrücke. Quelle: Lucas Treise

Strammes Kulturprogramm auf der Insel

Das Besuchsprogramm von Feininger wurde am Freitag mit Stopps an der Zirchower und Benzer Kirche beendet. Auch der „Feininger Blick“ vom Mühlenberg in Benz wurde noch in Augenschein genommen. Ein Besuch im Otto-Niemeyer-Atelier war ebenfalls noch drin.

Am Wochenende geht es für Conrad Feininger weiter nach Dessau-Roßlau. Dort wird er zur 100-Jahr-Feier vom Bauhaus-Museum erwartet. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird dort sprechen.

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