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Usedom „Man kann nicht mehr für die Zukunft planen“
Vorpommern Usedom „Man kann nicht mehr für die Zukunft planen“
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18:10 30.01.2019
Lothar Roggow, Produktionsleiter der Fischereigenossenschaft Freest, holt frisch geräucherten Heilbutt aus dem Ofen. Quelle: Tom Schröter
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Freest

Die unter dem Dach der Erzeugerorganisation (EO) Usedom Fisch versammelten 59 Fischer müssen sich auf ein schwieriges Jahr 2019 einstellen. „Der Hering ist unser absoluter Brotfisch, er wird hier am meisten gefangen. Daher trifft uns die Senkung der Heringsquote um 48 Prozent sehr hart“, verdeutlicht Michael Schütt, Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft Peenemündung in Freest.

Konkret bedeute dies, dass die Fischer der hiesigen EO – 25 Fischer der Genossenschaft Freest, 27 Fischer der Genossenschaft Haffküste in Ueckermünde und sieben Einzelfischer – in diesem Jahr insgesamt nur 727 Tonnen Hering in ihren angestammten Fanggebieten in der westlichen Ostsee fischen dürfen. Dies, so Schütt, gehe mit empfindlichen Einnahmeverlusten einher. Zwar sei andererseits die Fangquote für Dorsch 2019 in der westlichen Ostsee um 70 Prozent angehoben worden. Dies mache jedoch aus Sicht der EO Usedom Fisch eine Steigerung gegenüber 2018 um lediglich 61 auf nunmehr 148 Tonnen aus, was den Verlust bei Hering nicht annähernd kompensieren könne.

Eine von der Politik gesteuerte Fischerei berge ein wachsendes Problem für die Fischer: „Man kann nicht mehr für die Zukunft planen“, betont Michael Schütt. Insofern sei es auch nicht verwunderlich, dass sich das uralte Gewerbe mit Sorgen um den Berufsnachwuchs herumschlage. „Die Fangquoten stellen einen immer größeren Unsicherheitsfaktor dar“, so Michael Schütt. „Während sie früher Schwankungen von maximal 15 Prozent unterlagen, erfolgen inzwischen Änderungen von fast 50 Prozent.“

An einem Schuppen am Freester Fischereihafen ist Kritisches über die EU-Fischereipolitik zu lesen. Quelle: Tom Schröter

In diesem Jahr, so berichtet der Geschäftsführer, bekämen die Fischer aus EU- und Bundesmitteln noch „eine kleine Entschädigung“, wenn sie, um die Bestände zu schonen, ihre Kutter zusätzlich 20 und noch einmal 30 Tage im Hafen liegen lassen und nicht zum Fang hinaus fahren. „Allerdings müssen sie diese Liegezeiten jeweils mindestens sechs Wochen vorher anmelden, damit sichergestellt ist, dass sie keine etwaigen Witterungsunbilden für diese Liegezeit ausnutzen.“

Nicht wenige Fischer lassen ihre Kutter jetzt im Januar im Hafen. „Derzeit werden mit der Stellnetzfischerei ohnehin nur vereinzelt nennenswerte Mengen an Hering gefangen. Die eigentliche Heringssaison beginnt für uns erst im März“, erklärt Schütt. Dann sei auch der bei den Kunden begehrte Rogen in den Fischen ausgereift.

Schütt bezweifelt unterdessen, dass die Bestandsentwicklung bei Hering einen derart scharfen Quotenschnitt rechtfertige. Seit 1995 sei die jährliche Fangquote in Deutschland von 97500 Tonnen Schritt für Schritt auf nunmehr 4962 Tonnen gesenkt worden. Die Heringspopulation, so schlussfolgert Schütt, müsse sich daher längst erholt haben: „Dafür spricht, dass wir heute schon innerhalb weniger Wochen unsere Quote abfischen.“

Lothar Roggow mit für die Weiterverarbeitung vorbereiteten Heringsfilets. Quelle: Tom Schröter

Ein wichtiges Standbein der Freester Genossenschaft bildet nach wie vor die Verarbeitung, um die sich insgesamt 18 Mitarbeiter kümmern, wie Produktionsleiter Lothar Roggow berichtet. In der Freester Betriebsstätte werden jährlich etwa 100 Tonnen Frischfisch verarbeitet und 300 bis 400 Tonnen Räucherfisch erzeugt. Letzterer wird in MV, hauptsächlich aber im Raum Chemnitz, Leipzig und Berlin von Fischhändlern vermarktet. Zwei Mal pro Woche starten hierfür die Transporter südwärts.

Doch auch dieser Zweig der Genossenschaft will gehegt und gepflegt sein. Wie Schütt bereits seit einigen Jahren bemerkt, verändere sich das Kaufverhalten der Kundschaft. Während ältere Konsumenten weiterhin den Kauf beim Fachhändler bevorzugten, versorgten sich jüngere Kunden immer öfter im Supermarkt zum Beispiel mit Räucherfischwaren, was Betriebe wie in Freest langfristig vor neue Herausforderungen stellen werde.

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