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Usedom Strandhaus statt Autohaus: Bernd Herrgotts Aufstieg zum Hotelbesitzer in Ahlbeck
Vorpommern Usedom Strandhaus statt Autohaus: Bernd Herrgotts Aufstieg zum Hotelbesitzer in Ahlbeck
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21:09 12.10.2019
Bernd Herrgott vor seinem Hotel „Strandhus“ in Ahlbeck. Einst Kfz-Meister, hat der Usedomer nun im Tourismus Fuß gefasst. Quelle: Stefan Sauer
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Ahlbeck

Seit es in den Kaiserbädern viel Geld zu verdienen gibt, sind Hunderte Investoren gekommen. Bernd Herrgott ist stolz darauf, dass er zu den Einheimischen ohne viel Startkapital gehört, die sich im Tourismus etwas aufgebaut haben.

An der Ahlbecker Promenade wurde der nun 51-Jährige groß. Heute besitzt er ein Hotel, ein Apartment- und ein Privathaus im Ort. Zudem plant Herrgott ein Projekt für betreutes Wohnen mit 18 Einheiten.

1989 die DDR verlassen, 1995 nach Ahlbeck zurückgekehrt

Vom Tellerwäscher zum Millionär – so das Klischee. Vom Autoschrauber zum erfolgreichen Hotelier heißt die Realität des Ahlbeckers. „Ich wollte zu DDR-Zeiten Archäologie studieren, aber mit meinem Zweier-Zeugnis war dies nicht möglich“, sagt Herrgott. Aus der Not heraus sei er Kfz-Mechaniker geworden. 1989 verließ er die DDR und suchte in Niedersachsen Freiheit und Glück. „Ich habe dort hart gearbeitet, in der Abendschule meinen Kfz-Meister gemacht und eine Tochter bekommen, aber der Drang nach Usedom zurückzugehen, war immer da“, erinnert sich Herrgott. 1995 zog es ihn wieder nach Ahlbeck.

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Mit der Jugendfreundin die erste Pension eröffnet

Über seine Jugendfreundin, die er auf der Insel wiedertraf und kurze Zeit später heiratete, kam er in die Tourismusbranche. „Ihre Familie hatte damals Altansprüche auf eine Immobilie an der Promenade. Dort haben wir 1997 das Haus Pommern – eine Pension mit 20 Zimmern – eröffnet“, berichtet der Unternehmer.

Die Liebe habe nicht gehalten. Herrgott verlor Frau und Pension, wie er sagt. Aber weil er parallel immer im Autogeschäft blieb und einen florierenden Fahrzeughandel in Ahlbeck betrieb, behielt er den finanziellen Spielraum, um weiter im Tourismus zu investieren.

Noch mehr Ideen für Investments

2009 kaufte er 100 Meter von der Promenade ein Grundstück, das er lange im Blick gehabt hatte, und errichtete dort sein Hotel „Strandhus“ im „historisierenden Stil“. Schon ein Jahr nach dem Baustart 2010 öffnete es. 20 Zimmer vermietet er dort heute. Seine Strandvilla Ostpreußen, die er schon seit 20 Jahren besitzt, konnte Herrgott auch ausbauen und dort moderne Urlauber-Apartments einrichten.

Der Insulaner hat noch viele weitere Ideen für Investments, will aber noch nicht darüber reden, bevor alles spruchreif ist. Wichtig sei ihm als echten Usedomer die allgemeine Entwicklung der Kaiserbäder, weshalb er sich auch in der Gemeindevertretung und im Bauausschuss engagiert.

Quelle: Stefan Sauer

„Ich finde schlimm, was hier im Bausektor passiert“

Vieles, was in der Vergangenheit im Bausektor passiert sei, bereite ihm Sorgen. „Ich finde es schlimm, wie Bauträger von außen hier durchmarodieren, abreißen und neu bauen – oft überdimensioniert und in einem Stil, der nicht zu unseren schönen Bädervillen passt“, ärgert sich Herrgott. Das Ortsbild werde negativ verändert von Bauträgern, die nur auf „Durchreise“ seien. „Auch unsere Infrastruktur hält den vielen Urlaubern nicht mehr stand“, meint der dreifache Vater.

Immer wieder habe das Ortsparlament versucht, neue Bauten und Ferienwohnungen zu verhindern. Doch ablehnende Bescheide seien vom Landkreis als obere Behörde kassiert worden, sagt der Hotelier ein wenig resigniert. Weiter kämpfen wolle er trotzdem gegen Wildwuchs – als Kommunalpolitiker und mit eigenen Ideen für den Tourismus.

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