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Usedom Gaffer-Skandal auf Usedom: Politiker und Polizisten wollen härter durchgreifen
Vorpommern Usedom Gaffer-Skandal auf Usedom: Politiker und Polizisten wollen härter durchgreifen
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16:27 12.06.2019
Am 11. Juni kam es auf der Bundesstraße 111 zwischen Zempin und Zinnowitz zu einem tödlichen Verkehrsunfall. Ein 35 Jahre alter Mann kam dabei ums Leben. Quelle: Hannes Ewert
Rostock/Schwerin

Für Peter Ritter, den innenpolitischen Sprecher der Linken, ist klar: „Man sollte allen Gaffern das Handwerk legen. Sie verdienen hohe Strafen. Noch höhere sollten die erhalten, die die Rettungseinsätze bei ihrer Arbeit behindern.“ Auslöser für Ritters Stellungnahme war der schwere Verkehrsunfall, der sich am am 11. Juni auf Usedom bei Zempin ereignet hatte. Zwei Autos waren auf der B 111 frontal zusammengestoßen. Ein 35-Jähriger Pole, der mit seinem Nissan auf die Gegenfahrbahn geraten war, starb noch am Unfallort.

Am Rande des Unfalls spielten sich abermals fragwürdige Szenen ab: Gaffer belagerten den Unglücksort und behinderten mitunter die Rettungskräfte bei ihrem Einsatz. Da sich die Unfallstelle an einem beliebten Radweg befindet, hielten immer wieder Radfahrer an, um zu schauen. Die Feuerwehrleute hatten alle Mühe, sie zu verscheuchen. „Man stelle sich vor, man befände sich in einer ähnlichen Situation“, so Ritter. „Dieses Verhalten ist moralisch äußerst bedenklich.“

Bilder vom tödlichen Unfall auf B111 auf Usedom

Ein 35 Jahre alter Mann aus Polen kam bei dem Verkehrsunfall am Dienstagnachmittag ums Leben.

Zuletzt gab es häufiger Meldungen über Schaulustige, die ihre Smartphones zückten, um das Leid vor ihren Augen festzuhalten. Ein Vorstoß, um gegen diese Sensationsgier vorzugehen, kommt nun aus Bayern vom Landesvorsitzenden der Polizeigewerkschaft, Rainer Nachtigall: „Ein ,Handy-Weg‘ durch die Sicherstellung der Smartphones der Gaffer würde einen nachhaltigen Eindruck auf die Täter und potenziellen Nachahmer machen.“ Außerdem müsse das Fotografieren von Toten unter Strafe gestellt werden.

Von Geldbuße bis Freiheitsstrafe

Den Entzug des Handys kann sich auch der Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft MV, Ronald Müller, als effektive Maßnahme vorstellen. „Um die Verbreitung von Bildmaterial zu verhindern, wäre das eine mögliche Option.“ Zusätzlich fordert Müller ein hartes Durchgreifen „gegen diese Hobbypaparazzi, die nur ihre niedrigen Gelüste befriedigen.“ Wenn sich der menschliche Verstand nicht durchsetze, sei die Legislative gefordert. Von Geldbußen, über den Führerscheinentzug bis zu Freiheitsstrafen sei vieles denkbar, je nach schwere des Vergehens.

Politiker fordern höhere Strafen für Gaffer

Neben der Polizeigewerkschaft und den Linken äußerten sich auch andere Sprecher der Landtagsfraktionen in MV zum Thema Gaffer. Marc Reinhardt, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion meint: „Mich macht die Sensationsgier mancher Menschen mitunter fassungslos. Dass das Gaffen bzw. das Anfertigen entsprechender Fotos und Videos unter Strafe gestellt werden soll, halte ich für richtig. Das Bundesjustizministerium ist am Zug. Tätern das Smartphone zu entziehen, halte ich für richtig, auch wenn es sehr schwer werden dürfte, das rechtlich durchzusetzen.“

Der Fraktionsvorsitzende der AfD, Nikolaus Kramer, spricht sich ebenfalls für Strafen aus, aber nur, wenn Menschen durch Gaffer gefährdet und Rettungskräfte behindert werden. „Den Vorschlag, das Mobiltelefon einzuziehen, lehnen wir jedoch ab. Ein genereller Einzug wäre aufgrund der sensiblen Daten ein Eingriff in das Grundrecht.“

Die SPD-Fraktion wolle hingegen eher an den Verstand der Menschen appellieren. Manfred Dachner, polizeipolitischer Sprecher der Landtagsfraktion, sagt: „Ob gegen das Gaffen Bußgelder oder andere Strafen helfen, bezweifele ich. Strafen verhindern falsches Verhalten oft nicht, sie sanktionieren es nur. Nur wenn verstanden wird, was gesellschaftlich geächtet ist, wird sich auch das Verhalten ändern.“

Wie gefährlich sind Mecklenburg-Vorpommerns Straßen? Im Jahr 2018 starben 86 Menschen bei Verkehrsunfällen im Land – sieben mehr als im Vorjahr. Klicken Sie sich durch die Fotostrecke zu Unfällen, die sich seit 2018 in Mecklenburg-Vorpommern ereignet haben, und fahren Sie bitte rücksichtsvoll.

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