Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom Heringsdorf gedenkt der ermordeten jüdischen Mitbürger
Vorpommern Usedom Heringsdorf gedenkt der ermordeten jüdischen Mitbürger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:42 10.02.2019
Am 13. Februar gedenkt Heringsdorf der vor 79 Jahren deportierten jüdischen Mitbürger an den für sie verlegten Stolpersteinen. Quelle: dpa (Symbolbild)
Anzeige
Heringsdorf

Am 13. Februar, am Mittwoch, gedenkt Heringsdorf um 18 Uhr an den Stolpersteinen für die Familien Pörutz und Saulmann in der Friedensstraße vor der Gärtnerei Unger jener jüdischen Bürger, die am 13. Februar vor 79 Jahren deportiert wurden. Die 30-minütige Gedenkfeier wird von der evangelischen Kirchengemeinde Heringsdorf-Bansin gestaltet.

Als Heringsdorfer Ortschronist habe ich viel Material dazu zusammengetragen: Am 13. Februar 1940 erfolgte die erste Deportation von über 1100 pommerschen Juden von Stettin nach Lublin. Der Lubliner Kreis war durch die Nationalsozialisten zum „Judenreservat“ bestimmt worden. Die Deportierten kamen vorrangig aus den Städten Stettin, Stralsund, Pasewalk, Anklam, Wolgast und Swinemünde. Bei diesem Transport waren auch Bürger aus Heringsdorf dabei: Familie Saulmann. Erich und Elisabeth als Eltern, ihre drei Kinder Ilse-Rose (12), Hilde-Ruth (10), Eva Karla (4), Oma Elise und Bruder Alfred aus der Wilhelmstraße 13 sowie Sigmund und Magarete Pörutz aus der Wilhelmstraße 17, heute Friedensstraße 19.

Familie Saulmann wurde im Oktober 1941 ermordet

Nach einer viertägigen Fahrt über 600 km in ausrangierten Waggons 4. Klasse der DR kam der Transport bei eisiger Kälte dort an. Während des Tranportes starben bereits 31 Bürger und in den folgenden Wochen weitere 100. Dort angekommen, verteilte man die Deportierten auf die Orte Belzyce, Piaski und Glusk, die sich im Umkreis von 25 km von Lublin befinden. Unter den 525 Deportierten nach Piaski waren auch die Familien Saulmann und Pörutz. Oma Elise Saulmann (72) verstarb am 25.2.1940, also 12 Tage nach der Deportation in Lublin. Wie und wann die anderen Mitglieder der Familie mit ihren drei Kindern ums Leben kamen, ist in der Liste nicht vermerkt, nur der Ort des Gettos Piaski. Aus dem „Abwicklungsbericht über die Verwaltung des Vermögens Jüdischer Evakuierung“ entnehmen wir die Aufhebung der Treuhandverwaltung am 18.10.1941, was bedeutet, dass die Familie im Oktober 1941 ermordet wurde. Magarete Pörutz starb am 16.8.1940, Siemund Pörutz am 2.12.1941 im Getto Piaski.

Familie Saulmann hatte seit 1900 in der damaligen Wilhelmstraße, heute Friedensstraße, ein Kaufhaus mit Tuch-, Manufaktur- und Modewaren, entsprechende Webeanzeigen findet man im „ Heringsdorfer Anzeiger“. Der Ursprung der Firmengründung war Swinemünde. Hier gibt es eine alte Postkarte mit dem Geschäft der Gebrüder Saulmann auf dem Kleinen Markt 4 und auch im Möckels Adressbuch von Swinemünde 1899 findet man den handelsgerichtlichen Eintrag der Firma.

Victor Klemperer von Zinnowitz schockiert

Das friedliche Zusammenleben, die gegenseitige Achtung und Toleranz war bis Anfang der 30-er Jahre in Heringsdorf gegeben. In seiner Geschichte „Das Leben und die Stille im Hause der Jasmanns“ beschreibt Jürgen Nickel aus Flensburg eine Begebenheit mit Saulmanns. Auch Hans Werner Richter erzählt in seinem Roman „Spuren im Sand “ eine freundliche Begegnung seiner Mutter mit dem Juden Saulmann. Der bekannte Victor Klemperer, der 1926 nach 22 Jahren in Heringsdorf wieder mit seiner Frau Eva Urlaub machte, schrieb da noch: „Es waren 5 ½ schöne Wochen“. Auch ein Jahr später, im August 1927, im gleichen Quartier Lindenstraße 2 schreibt er: „Hier ist für uns im Wesentlichen alles unverändert“.

Eine Gedenktafel an der Villa Geipel, Lindenstraße 2, erinnert an die Besuche Klemperers in Heringsdorf. Quelle: OZ

Nach einem Ausflug nach Zinnowitz schreibt er jedoch: „Zinnowitz wäre ein Bad wie die anderen hier auch, aber es ist das betont judenreine Bad, es ist in Judenreinheit Bansin noch überlegen. Am Landungssteg führt es die Hakenkreuz-Fahne und in den Läden kaufte man auf Postkarten das Zinnowitzlied ... Es ist ekelhaft, daß solche Verhetzung erlaubt ist“. Im August 1930 zieht es Familie Klemperer abermals nach Heringsdorf in die Lindenstraße Nr.2. Im Seebad habe er den Eindruck, „als wenn sich Restaurants und Schlachtereien hier förmlich bemühen, möglichst viel Schweinefleisch anzubieten. Kugel und Altbaum, die koschere Pension, (gemeint ist das Hotel Esplanade, die Red.) ist in der Minderheit“.

Historische Aufnahme des Hotels Esplanade in Heringsdorf in den 1920-er Jahren. Dort gab es koscheres Essen. Quelle: Archiv Heinrich Karstaedt

Nach der Machtübernahme Hitlers und der Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes sowie einem Aufruf durch den Propagandaminister Goebbels zu einem nationalen Boykott jüdischer Geschäfte verschärfte sich auch in Heringsdorf die soziale Lage, wenn auch langsamer wie in anderen Seebädern an der Küste. Unter der Überschrift „Heringsdorf, wieder deutsches Seebad!“ heißt es in einem Artikel: „Er gibt nur ein Heringsdorf! Und jetzt, da es wieder ist, was es einst durch Jahrzehnte war: ein deutsches Bad, unter der Verwaltung nationalgesinnter Männer stehend, jetzt erst ist es wieder ohne jede Einschränkung schön“. Weiter ist im Ortsführer von 1934 zu lesen: „Sozialismus der Tat! Die Kurdirektion Seebad Heringsdorf hat der Berliner SA ein Heim zur Verfügung gestellt, in dem alljährlich von Mai bis September 400 bedürftige SA-MM kostenlos aufgenommen werden“.

Mit dem Gedenken an den Stolpersteinen am Mittwoch sollen den Opfern ihre Namen zurückgegeben werden. Es sind Steine der Mahnung und gegen das Vergessen.

Heinrich Karstaedt

Usedom Kommunalwahl am 26 .Mai - Linken nominieren Kreistagskandidaten

Die Partei Die Linke hat ihre Spitzenkandidaten zur Kommunalwahl für den neuen Kreistag nominiert. Neben vertrauten sind auch neue Gesichter dabei.

10.02.2019
Usedom Eisskulpturenevent in Zinnowitz - Legomännchen und Delphin aus Eis

Bildhauer aus dem Harz, Hamburg und Berlin kreierten bei „Eis in Flammen“ in Zinnowitz coole Eisskulpturen. Zum Abschluss des Events wurden die Kunstwerke mit einer Feuershow heiß in Szene gesetzt.

10.02.2019

Seit 45 Jahren erfreuen die Ahlbecker Karnevalisten alljährlich ihre Anhänger mit tollen Programmen. Das 45-jährige Bestehen in diesem Jahr wird mit Festumzug und drei Veranstaltungen gefeiert.

10.02.2019