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Usedom Handgemachte Kirchturmuhr wird gesichert und erforscht
Vorpommern Usedom Handgemachte Kirchturmuhr wird gesichert und erforscht
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00:00 08.07.2017
Es soll auch ermittelt werden, wann die St. Christophorus-Kirche mit der Turmuhr ausgestattet war.
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Kröslin

Seit dieser Woche ist Cora Zimmermann im weißen Overall in der Kirche Kröslin aktiv. Die Metallrestauratorin nimmt die frühere Turmuhr der St.-Christophorus-Kirche in Augenschein. Im Auftrag der örtlichen Kirchengemeinde soll das historische, knapp zwei Zentner schwere Uhr- und Schlagwerk aufgearbeitet und konserviert werden.

Peenemünder Metallrestauratorin widmet sich in Kröslin uralter Technik

Die in einem Gestell aufgehängte Uralt-Technik, bestehend aus kleineren und größeren Zahnrädern, hölzernen Rollen, Übertragungsstangen oder einem so genannten Windrad, war zuvor zunächst von der ersten Etage des Kirchturms zur ebenerdigen Turmhalle mit einem Flaschenzug abgeseilt worden. Nach der Restaurierung, die einige Wochen in Anspruch nimmt, soll die Antriebstechnik der

früheren Krösliner Turmuhr an dieser Stelle als museales Schauobjekt verbleiben.

Für Cora Zimmermann bedeutet diese Aufgabe, auch die Handwerkstechniken ihrer Kollegen von damals zu verstehen. „Seinerzeit wurde nicht geschraubt, sondern mit geteilten Keilen gesteckt“, weiß die studierte Maschinenbauingenieurin. „Wir sehen hier ausgeschmiedete Bleche und handgemachte Zahnräder, die auf das Alter – wahrscheinlich 18. Jahrhundert – schließen lassen.“

Cora Zimmermann ist 44, hat in Berlin Goldschmiedin gelernt und nach ihrer Gesellenzeit sowie weiteren Erfahrungsjahren im Beruf Maschinenbau studiert. Sie arbeitete später in Hamburg und Stralsund, spezialisierte sich in den Bereichen der Konservierung, Restaurierung und Denkmalpflege. „Die behutsame Aufarbeitung sensibler Kulturgüter“ steht jetzt im Fokus ihrer beruflichen Tätigkeit. Dabei hat die Freiberuflerin mit Wolfgang Hofmann (dieser restaurierte z. B. die Sarkophage der Herzöge Pommern-Wolgast) einen erfahrenen Kollegen an ihrer Seite, mit dem sie zusammen im Peenemünder Kraftwerk, dem jetzigen Historisch-technischen Museum, eine Restaurierungswerkstatt des Fachbereichs Metall betreibt.

Die nächsten Arbeitsschritte in Kröslin für die Restauratorin sind klar. „Als erstes erfolgt eine Reinigung aller Teile“, erklärt sie. Dabei kommen sowohl Staubsauger und Pinsel als auch die grobe Drahtbürste zum Einsatz. Nach der Reinigung werden die Werke konserviert. „Dabei wird ein spezielles, kriechfähiges Öl verwendet, das später verharzt und somit den Zersetzungsprozess stoppt.“

Damit ist ihre Tätigkeit aber noch nicht beendet. Eine wesentliche Aufgabe parallel zu den handwerklichen Arbeiten sind Recherchen zur Historie der Kirchturmuhr. Der Krösliner Pastor Jörn-Peter Spießwinkel bestätigt, dass Unterlagen, die darüber Auskunft geben, vorhanden sind. „Ich habe eine alte Rechnung über einen Kaufvertrag von 1770 gefunden, die die Uhr betreffen könnte“, sagt Spießwinkel. „Aber sie ist in alter deutscher Schrift geschrieben, man muss sich das genau anschauen“, so der Pastor.

Summa summarum geht es bei der Recherche der vorhandenen Dokumente im Wesentlichen um die Klärung, in welchem Zeitraum die Kirchturmuhr in Betrieb war, ob sie nur über ein Zifferblatt verfügte und ob sie lediglich mit einem Stundenzeiger – was zu damaliger Zeit nicht unüblich war – ausgestattet war. Ein Zeiger einer Uhr wurde übrigens auf dem Boden des Kirchturms gefunden.

Was die Finanzierung des Projektes betrifft, so „sind wir auf einem guten Weg“, erklärt Jörn-Peter Spießwinkel. Die noch vorhandene Finanzierungslücke hofft der Pastor über Spenden zu schließen:

„Vielleicht gibt es technisch interessierte Bewohner, für die es ein Bedürfnis ist, mit einer Spende dafür zu sorgen, dass das alte Uhrwerk des Krösliner Kirchturms als aussagekräftiges Zeugnis früherer Handwerkskunst hier bei uns ausgestellt werden kann.“

Stefan Brümmer

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