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Usedom Verbot für Reisebusse in weiter Ferne
Vorpommern Usedom Verbot für Reisebusse in weiter Ferne
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05:57 10.01.2019
Gästeführer Daniel Pupke (r.) sitzt im Reisebus, der in der Bansiner Badstraße unterwegs ist. Das soll künftig vorbei sein. Quelle: Hannes Ewert
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Bansin

Aus den Ortszentren Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck sollen Reisebusse verbannt werden. Mehrheitlich ging dieser Beschluss im April 2018 in der Heringsdorfer Gemeindevertretersitzung durch. Die Empörung war groß: Reiseleiter fühlten sich diskriminiert, Abgeordnete, die gegen den Beschluss waren, sahen eher den Schwerlastverkehr in den Orten als das große Problem an. Die Befürworter sprachen von einer Entlastung für die Straßen im Zentrum.

Knapp neun Monate später stehen in den Kaiserbädern noch immer keine Verbotsschilder an den Gemeindestraßen, die von der Landesstraße 266 und der Swinemünder Chaussee in Richtung Strand führen. Das Verbot sollte mittels eines Teileinziehungsverfahrens nach dem Straßen- und Wegegesetz des Landes über den Landkreis erfolgen. Das heißt: Durch das Aufstellen von Verkehrszeichen „Verbot für Kraftomnibusse“ mit dem Zusatzzeichen „Linienverkehr frei“ können bestimmte Fahrzeugarten ausgeschlossen werden. Für Busse, die Übernachtungsgäste bringen, soll es Ausnahmeregelungen geben. Eine Einschränkung soll es in Bansin geben: Hier dürfen Reisebusse bis zum Busstellplatz am Rewe-Markt fahren.

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Busstellplätze in den Kaiserbädern gesucht

„Die Sache liegt beim Landkreis Vorpommern-Greifswald. Erst wenn der Beschluss dort öffentlich bekannt gemacht ist, können wir handeln“, sagt Bauamtsleiter Andreas Hartwig am Dienstagabend im Tourismusausschuss.

Beim Kreis kennt man zwar den Heringsdorfer Beschluss, doch laut Kreissprecher Achim Froitzheim „liegt uns offiziell kein Dokument, Antrag, Vorgang oder ähnliches vor. Wir bearbeiten somit derzeit nichts in diesem Zusammenhang“, heißt es gestern aus Greifswald. Kopfschütteln bei Bauamtsleiter Hartwig: „Wir haben am 23. Oktober 2018 den Antrag an den Kreis zum Sachgebiet Hoch- und Tiefbau geschickt.“

Damit dürfte sich die Umsetzung noch weiter hinziehen, zumal die Kommune noch einige „Hausaufgaben“ abzuarbeiten habe. Hartwig geht deshalb nicht davon aus, dass schon 2019 ein Stopp für Reisebusse kommt. Mit der Verbannung braucht es nämlich mehr Busstellplätze. „Erforderlich sind auch zeitlich begrenzter Parkraum oder Übernachtungsstellplätze. Notwendig sind gut ausgebaute Aus- und Einstiegsmöglichkeiten für die Gäste sowie eine Verknüpfung mit Shuttle-Diensten und dem Öffentlichen Personennahverkehr“, so der Bauamtsleiter zu den „Hausaufgaben“. Für Entspannung sorgt da sicher auch nicht, dass im Zuge der Eröffnung des Baumwipfelpfades die vorhandenen Busstellplätze am Heringsdorfer Bahnhof durch den geplanten Neubau eines Parkhauses wegfallen würden. Optionen für Busstellplätze sieht die Verwaltung aber nur an den Bahnhöfen Heringsdorf und Ahlbeck sowie an der Grenze zu Polen. Gegen die große Fläche hinter der Rettungswache in Neuhof spreche die ungünstige Ausfahrt auf die Landesstraße.

„Wir überlegen noch und wollen keineswegs gegen sie arbeiten“, sagt Hartwig und schaut Elke Pupke an, die mit mehreren Reiseleitern zur Sitzung ins Bansiner Richter-Haus gekommen ist. „Wir sind zu Kompromissen bereit und sehen ein, dass wir einige Straßen nicht befahren dürfen“, sagt die Bansinerin, die mit Bärbel Finn und Klaus Rolf Plötz Verstärkung aus ihrer Branche mitgebracht hat. Auf der Straßen-Streichliste würden sie den Kulm in Heringsdorf oder die Bergstraße in Bansin akzeptieren. „Wir müssen aber zu den Promenaden und den Seebrücken. Die wollen die Gäste sehen und nicht ein Parkhaus oder einen Bahnhof an der Landesstraße“, so Elke Pupke, die sich mit einem generellen Verbot nicht abfinden will. „Es gibt einen Beschluss der Gemeindevertretung, den wir nun mit Leben füllen und umsetzen müssen“, entgegnet Hartwig.

Schweizer und Österreicher sagen ab

Eike Becker, Mitarbeiter der Verwaltung, sieht bei der Umsetzung des Verbots auch die Reiseveranstalter in der Pflicht. „Auch daran muss gedreht werden. Sie können nicht die Flyer immer schön bunt drucken und damit hohe Erwartungen schüren.“

„Wenn Gäste nach Ahlbeck kommen, wollen sie nun mal die Seebrücke sehen. Hier wurde der Film mit Loriot gedreht. Das ist ein Muss bei den Führungen“, nennt Klaus Rolf Plötz ein Beispiel. Nach der Entscheidung der Gemeindevertreter habe er bereits erlebt, dass einige Reiseveranstalter ihre Touren umgeplant hätten und um die Kaiserbäder einen großen Bogen machen würden. „Viele Jahre hatte ich Gäste von drei Schweizer Unternehmen und einem aus Österreich, die mit Kreuzfahrtschiffen nach Usedom kamen. Sie haben für dieses Jahr die Kaiserbäder abgesagt und fahren stattdessen nun ihre Gäste nach Koserow und Zinnowitz“, so der Wolgaster.

Henrik Nitzsche

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