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Heringsdorf will Wohnungsbau forcieren

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13:40 02.01.2020
In der Ahlbecker Wiesenstraße 8/9 - ehemals Innova – sind Zwei- und Drei-Raum-Wohnungen geplant. Quelle: Henrik Nitzsche
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Heringsdorf

Zu wenig Wohnungen, zu hohe Mieten – in vielen Kommunen wird die Wohnungsnot immer größer. Bei der Wohnungsgesellschaft der Kaiserbäder sind aktuell rund 190 offene Anträge für Wohnraum registriert. Die größte Zahl der Antragsteller ist aktuell im Zwei-Raum-Wohnungsbereich. „Das sind etwa 40 Prozent. Dies sind sowohl junge erwerbstätige Fachkräfte aber auch alleinerziehende Frauen und Männer“, sagt Mike Speck, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Kaiserbäder Gemeinde Ostseebad Heringsdorf.

Die immer noch steigenden Übernachtungszahlen und der damit verbundene Boom im Tourismussektor habe keine positiven Auswirkungen auf die Einwohnerzahl der Gemeinde. „Durch die touristische Entwicklung geht mehr und mehr Wohnraum verloren“, sagt Heringsdorfs Bürgermeisterin Laura Isabelle Marisken und belegt das mit Zahlen: „2003 gab es 6490 Wohnungen, 2013 noch 5641.“

Kaiserbäder steuern Wohnungsnot entgegen

Jetzt will die Gemeinde Ostseebad Heringsdorf gegensteuern und Wohnraum schaffen. Noch vor Weihnachten ging eine Bewerbung nach Schwerin heraus: Die Kaiserbäder wollen im Land „Modellregion für den sozialen Wohnungsbau“ werden. Mitte des Jahres hatte die Landesregierung angekündigt, die Themen Wohnungsnot und steigende Mieten mehr in die eigene Hand zu nehmen. Die Bedingungen für den Wohnungsbau sollen verbessert werden.

Auf dem Grundstück des ehemaligen Möbelmarktes in der Ahlbecker Saarstraße könnten 21 Wohneinheiten entstehen. Derzeit wird die kommunale Fläche als Parkplatz genutzt. Quelle: Henrik Nitzsche

Dazu sei geplant, im Land vier Modellregionen zu schaffen, in denen das Thema Wohnungsnot verstärkt bekämpft werden solle, kündigte Bauminister Christian Pegel (SPD) an: Dies seien die Städte Rostock, Greifswald und Schwerin sowie eine noch festzulegende Tourismusregion. „Wir haben uns jetzt als Tourismusdestination beworben“, so die Bürgermeisterin.

Vier Ankerprojekte für die Zukunft

In dem 16-seitigen Bewerbungsschreiben werden vier „Ankerprojekte“ für den sozialen Wohnungsbau vorgestellt. Ziel ist die Schaffung von Ein-, Zwei- und Drei-Raum-Wohnungen. Einer dieser Standorte ist die Wiesenstraße 8/9 in Ahlbeck. Laut Speck sind die Baugenehmigungen beim Landkreis eingereicht. Bei dem Projekt geht es um zwei Gebäude mit jeweils zweieinhalb Geschossen.

Geplant sind der Umbau zu vier Ein- beziehungsweise Zwei-Raum-Wohnungen. Des Weiteren soll ein Bestandsgebäude abgerissen und durch einen Neubau (acht Zwei-Raum und zwei Drei-Raum-Wohnungen) ersetzt werden. Die Kostenschätzung liegt bei 1,8 Millionen Euro. „Baustart könnte im zweiten Quartal 2020 erfolgen“, so Speck.

32 Wohnungen in Bansin

In der Ahlbecker Saarstraße soll ein weiteres Areal (ehemaliger Möbelmarkt) bebaut werden. „Das Objekt grenzt an das Wohnquartier Kaiser-/Dreherstraße in Ahlbeck. Geplant sind 21 Wohneinheiten, zwölf Drei-Raum- und neun Zwei-Raum-Wohnungen“, so Mike Speck. Die geschätzten Kosten liegen hier bei 3,5 Millionen Euro.

In Bansin könnten auf einem Grundstück in der Seestraße/Ecke Gartenweg (jetzt Parkplatz vor dem Rewe-Markt) rund sieben Millionen Euro verbaut werden. Geplant sind auf der 4600 Quadratmeter großen Fläche insgesamt 32 Wohneinheiten (30 Zwei-Raum- und zwei Drei-Raum-Wohnungen).

Gesundheits- und Wohnpark in Heringsdorf geplant

Inhalt der Bewerbung ist außerdem der geplante Gesundheits- und Wohnpark im Heringsdorfer Setheweg. Investor Dietmar Enderlein aus Greifswald will dort in den kommenden Jahren für knapp 40 Millionen Euro 70 Wohnungen und eine Seniorenresidenz neu errichten. Von den 70 Wohnungen sollen 20 als Sozialwohnungen mit Mietpreisbindung gebaut werden.

Heringsdorfs Bürgermeisterin hofft, dass in Schwerin zügig eine Entscheidung fällt, ob die Gemeinde Modellregion wird. „Wenn das klappt, bekommen wir definitiv einen Betrag X aus dem vorhandenen Fördertopf. Wir müssen ein Lebens- und Arbeitsstandort bleiben. Wer hier arbeitet, soll auch hier leben“, sagt Laura Isabelle Marisken.

Soziale Struktur der Gemeinde ist gefährdet

Die Tendenz gehe dahin, dass die Einwohnerschar aus immer mehr Senioren besteht. Zuzüge nehmen ab. „Bei unverändertem Fortlauf der Abnahme der Einwohnerzahl und des weiteren Anstiegs des Durchschnittsalters der Einwohner ist die soziale Struktur der Gemeinde gefährdet“, sagt die Bürgermeisterin. Sie betont, dass bei einer Absage als Modellregion das Thema nicht ad acta gelegt wird.

Der demografische Wandel und die Abwanderung der jungen Bevölkerung verursachen zudem ein Manko im Arbeitskräfteangebot. Größtenteils kann das derzeit in den Kaiserbädern noch durch Arbeitnehmer aus dem benachbarten polnischen Swinemünde gedeckt werden. Wie lange noch? Prognosen sagen dort einen touristischen Ausbau bis zu 50 000 Betten vor. „Der Kampf um die Ressource Arbeitskraft wird stärker wachsen“, prophezeit die Bürgermeisterin.

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Von Henrik Nitzsche

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