Humperdincks Ahnen wandeln auf Usedom auf den Spuren des Komponisten
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Usedom Humperdincks Ahnen wandeln auf Usedom auf den Spuren des Komponisten
Vorpommern Usedom

Humperdincks Ahnen wandeln auf Usedom auf den Spuren des Komponisten

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19:00 05.09.2021
Irmi Wette (l.) und Holger Witte-Humperdinck sind die Nachfahren des Komponisten Engelbert Humperdinck. Zusammen mit seiner Frau Barbara stehen sie vor der Villa Meeresstern, in welcher Humperdinck die Bühnenmusik zu Shakespeares „Der Sturm“ geschrieben haben soll.
Irmi Wette (l.) und Holger Witte-Humperdinck sind die Nachfahren des Komponisten Engelbert Humperdinck. Zusammen mit seiner Frau Barbara stehen sie vor der Villa Meeresstern, in welcher Humperdinck die Bühnenmusik zu Shakespeares „Der Sturm“ geschrieben haben soll. Quelle: Hannes Ewert
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Heringsdorf

Für Holger Witte-Humperdinck aus Duisburg war das vergangene Wochenende sehr bewegend und emotional. Der 68-Jährige ist nämlich der Urenkel von Engelbert Humperdinck (1854-1921). Aufgrund des Altersunterschiedes haben sich die beiden nie kennengelernt, aber Witte-Humperdinck wandelte am Wochenende auf den Spuren seines Vorfahren in Heringsdorf. Zu den Humperdinck-Festtagen kam er auf die Insel Usedom.

„Mein Urgroßvater war ein toller Familienvater“

Als er durch die Villa „Meeresstern“, die heute im Besitz von Publizist Kai Diekmann und seiner Frau Katja Kessler ist, läuft, kann er kaum glauben, wie sich das Haus zu einer beeindruckenden Villa mit Meerblick entwickelt hat. Im Hintergrund läuft klassische Musik. „Ja, das war mein Urgroßvater. Ich erkenne die Musik wieder“, sagt er. Es ist jenes Haus, in welchem Engelbert Humperdinck im Jahr 1906 die Schauspielmusik für Shakespeares „Der Sturm“ komponierte. So richtig glauben konnte er es nicht, dass hier sein Urgroßvater wirkte und bis heute Spuren hinterließ. „Mein Großvater erzählte immer von seinem Vater. Er sagte von ihm, dass er ein toller Vater war“, sagt er. Diekmanns Ehefrau Katja Kessler führte die geladenen Gäste zum Abschluss der Festtage am Sonntagnachmittag durch die Villa und erklärte in einigen Räumen, dass manche jahrzehntealte Dielen aufgearbeitet und wiederverwendet wurden. Auch jene Türen, Rahmen und Bretter, die aus der Zeit von Humperdinck stammen.

Als Gastgeschenk für den Hausherren Kai Diekmann brachte Carsten Willenbockel vom Steigenberger Hotel eine Kiste mit Wein mit. Quelle: Hannes Ewert

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Hochgradig inspirierende Tage in Heringsdorf

Auch Irmi Wette – die Urgroßnichte von Humperdinck – war am Wochenende in Heringsdorf. „Ich bin die Urenkelin von Adelheid Wette, die wiederum die Schwester von Engelbert Humperdinck war. Bei der Oper ’Hänsel und Gretel’ war der musikalische Part von Engelbert Humperdinck und der textliche Teil von Adelheid Wette“, erklärt sie. Heute arbeitet sie als Puppenspielerin und Pädagogin in ganz Deutschland und hat sogar ein eigenes Theater. Für sie ist es ein absoluter Gänsehaut-Moment, als sie auf den Stätten der Vorfahren wandelt. „Es ist hochgradig inspirierend, dass die Veranstalter mit so viel Leidenschaft dabei sind – was mich riesig motiviert. Da ist natürlich die innerliche Verpflichtung da, das spirituelle Erbe weiterzuführen. Es war ein jahrelanger Prozess, bis ich mich damit auseinandergesetzt habe, weil das Erbe ja viel zu groß und wertvoll ist“, sagt sie.

Gastgeber Kai Diekmann und seine Frau Katja Kessler luden am Sonntag zum Empfang in die Villa Meeresstern nach Heringsdorf ein. Kulturmanager Henry C. Brinker zeigte sich äußerst zufrieden. Quelle: Hannes Ewert

Nachfahren und Gäste trinken Kaffee im Strandhotel

Während des Wochenendes kam es zu einem historischen Familientreffen beim Nachmittagskaffee. Auf den Spuren Ihres Urgroßvaters bzw. Urgroßonkels trafen sich Holger Witte-Humperdinck und Irmi Wette am Heringsdorfer Strandhotel, wo am 9. September 1906 der große Komponist auf einer Kutschfahrt zum Kaffeetrinken eingekehrt war. „Der Kaffee war schlecht“ heißt es dazu lapidar im Tagebuch des Vorfahren. Urgroßenkel und Urgroßnichte machten nun noch einmal die Probe aufs Exempel und bestellten mit einer kleinen Testgesellschaft Kaffee in allen Variationen. Das Urteil: „Der Kaffee hier ist sehr gut!“ Im Ausschank befand sich Kaffee der renommierten Rösterei Illy aus Triest. Für den schlechten Kaffee zur Humperdinck-Zeit könnte es einen einfachen Grund gegeben haben: Melitta Bentz meldete ihre Erfindung eines Kaffeefilters aus Papier erst 1908 zum Patent an, also 2 Jahre nach Humperdincks Kaffee-Enttäuschung.

Die Nachfahren Holger Witte-Humperdinck und Irmi Wette kamen ins Strandhotel, um dort einen Kaffee zu trinken. So wie einst ihr Vorfahre Engelbert Humperdinck. Quelle: Hannes Ewert

Drei hochklassige Festtage auf der Insel Usedom

Nach der Filmgala am Freitagabend und dem Galaabend am Samstag im Kaiserbädersaal fand mit der festlichen Soiree in der Heringsdorfer Kirche der Abschluss der Festtage statt. Auf dem Piano spielte der Starpianist Hinrich Alpers. Christina Landshammer begleitete ihn als Sopranistin.

Starpianist Hinrich Alpers und Sopranistin Christina Landshammer sorgten für Musikgenuss bei der festlichen Soiree in der Kirche am Walde in Heringsdorf. Quelle: Hannes Ewert

Bahnstreik wirbelte Pläne durcheinander

Kulturmanager Henry C. Brinker zeigte sich mit den Humperdinck-Tagen sehr zufrieden. „Wir waren seit 2019 mit der Planung beschäftigt“, sagt er. Einige unerwartete Hürden musste er allerdings während der Vorbereitung in Kauf nehmen. „Erst kam Corona und die ganze Branche stand still und kurz vor den Festtagen streiken auch noch die Lokführer. Wir mussten die Musiker aus Berlin mit dem Auto holen – sonst wäre es stumm gewesen“, sagt er. Auch einige Gäste mussten aufgrund des Streiks absagen, weil sie nicht anreisen konnten. „Wir sind den Usedomern aber sehr dankbar, dass sie das Kulturprogramm angenommen haben“, sagt er. „Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass man erst die Menschen vor Ort überzeugen muss, damit man die Touristen erreicht“, erklärt er.

Weitere Aktionen sind geplant

„Als wir mit dem Projekt begannen, dachte ich noch, dass es eine einmalige Aktion gewesen wäre. Aber mittlerweile bekommen wir ganz viele neue Forschungsergebnisse. Das liegt aber auch daran, dass in diesem Jahr der 100. Todestag des Musikers begangen wird. Wir glauben, dass Humperdinck bis zu zehn Mal auf der Insel Usedom war und hier bedeutende Kompositionen angelegt hat. Das Interessante ist, dass er nicht nur musikhistorisch mit Usedom verbunden ist, sondern auch zeitgeschichtlich für die Insel. Geschichte, Kultur, Religion und Geografie – alles spielt rein. Erst kürzlich tauchte eine historische Postkarte auf, welche er von Heringsdorf nach Potsdam schickte.

Von Hannes Ewert