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Usedom Fischsterben im Kölpinsee gibt Rätsel auf
Vorpommern Usedom Fischsterben im Kölpinsee gibt Rätsel auf
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16:18 30.04.2019
Etliche tote Raub- und Friedfische wurden von Mitgliedern des Angler- und Wassersport Vereins Loddin aus dem Kölpinsee geborgen. Quelle: privat
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Kölpinsee/Loddin

Im Kölpinsee ist seit etwa drei Wochen erneut ein massives Fischsterben zu beobachten. Besonders schlimm wiegt die Nachricht für die Mitglieder des Angler- und Wassersport Vereins Loddin, der das Fischereirecht für den See vom Land MV gepachtet hat. Bereits im Jahr 2007 waren im Kölpinsee tonnenweise Fische verendet und deren Kadaver von den Vereinsmitgliedern eingesammelt worden. In der Folgezeit kümmerte sich der Verein um Besatzmaßnahmen, um den Fischbestand wieder aufzufrischen.

Durch das aktuelle Fischsterben falle die diesjährige Angelsaison wohl wieder ins Wasser, meint Donald Gentz, Vorsitzender des Loddiner Vereins. Bisher, so schätzt er ein, sei von den Mitgliedern etwa eine Tonne totes Schuppenwild aus dem See geborgen und in Säcke gefüllt worden. „Aber es liegen noch jede Menge tote Fische auf dem Wasser. Wir wollen am Donnerstag noch einmal losfahren, um sie einzusammeln“, so Gentz. Betroffen seien sowohl Raub- als auch Friedfische. Hechte, Karpfen, Aale und diverse Weißfische treiben demnach leblos im Wasser des etwa 28 Hektar großen Sees.

Untere Wasserbehörde ist informiert

Wie Donald Gentz weiter mitteilt, sei die Untere Wasserbehörde des Landkreises Vorpommern-Greifswald über das Fischsterben informiert worden. Das Veterinäramt habe Fische geholt, damit diese im Labor untersucht werden können. Auch Wasserproben seien genommen worden. Der Verein hoffe, dass die Ursache für das Fischsterben aufgeklärt und Ereignissen dieser Art in Zukunft wirksam vorgebeugt werden kann.

Kreis-Sprecherin Anke Radlof bestätigt die eingeleiteten Untersuchungen. Die Analyse stehe noch aus. Wie sie weiter informiert, sei die Untere Wasserbehörde allerdings erst am 23. April durch den Verein informiert worden. Daher habe die Behörde „mit dem Anglerverein vereinbart, dass zukünftige Ereignisse zeitnah gemeldet werden“.

Flagellaten Ursache des Fischsterbens 2007

Beim Fischsterben von 2007 – ebenfalls Ende April/Anfang Mai – waren die Tier- und Wasserproben von der Industrie- und Umweltlaboratorium Vorpommern GmbH untersucht worden. Dabei fanden die Fachleute ein massenhaftes Vorkommen von nur zehn Mikrometer großen Flagellaten der Gattung Prymnesium. „Prymnesium“, so hieß es damals im Bericht, „ist als fischtötender Giftbildner bekannt.“ Die Flagellaten besiedelten vor allem die Kiemen der Fische und zerstörten diese. Als Ursache für die massenhafte Vermehrung der Fagellaten machte das Labor das Zusammenwirken mehrerer Einflussfaktoren, wie Witterung und Nährstoffsituation, verantwortlich.

Dieses Bild entstand am 29. April 2007. Es zeigt Roman und Matthias Hengstler sowie Detlef Kronenfeld (v.l.), die damals beim Einsammeln der Fischkadaver halfen. Quelle: Tom Schröter

Erste Schuldzuweisung kursiert im Netz

Während die Analyseergebnisse des aktuellen Fischsterbens noch ausstehen, kursiert im Netz bereits eine erste Schuldzuweisung gegen den Kölpinseer Hotelier Gerd Schulz. Der Ückeritzer Michael Bartelt, Mitglied und Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen für den künftigen Kreistag, schreibt auf seiner Facebook-Seite, dass bei der jetzigen „Umweltkatastrophe Verdachtsmomente gegen den Betreiber der Seerose vorliegen“. Weiter heißt es: „Vor einer Woche wurde das Bassin des hoteleigenen Schwimmbades gereinigt und der Inhalt in die öffentliche Kanalisation geleitet. Bei der Menge entstand ein Überdruck, so dass die Gullideckel sich durch die ein Meter hohe Fontäne anhoben und sich die Wassermassen in den See ergossen.“ Gegenüber OZ sagte Bartelt, er berufe sich bei seinen Anmerkungen auf eine Zeugenaussage. Und: „Mir ist wichtig, dass die Sache jetzt aufgeklärt wird.“ Die Wasserschutzpolizei habe Kontakt zu ihm aufgenommen. Auch der Landkreis prüfe „momentan die Hinweise aus der Bevölkerung“, so Sprecherin Radlof.

Hotelier wehrt sich gegen Behauptungen

Schulz wehrt sich gegen Bartelts Behauptungen, die jeder Grundlage entbehrten und verleumderischen Charakter trügen: „Aus dem hoteleigenen Schwimmbad wurde kein Wasser in die öffentliche Kanalisation geleitet, weder vor einer Woche noch zu einem anderen Zeitpunkt.“ Auch die Unterstellung, am Fischsterben von 2007 habe eine bei der damaligen Erweiterung des Hotels „Seerose“ tätige Baufirma die Schuld getragen, weist Schulz zurück. Auf seine Initiative sei seinerzeit eine Prüfung durch das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz durchgeführt worden.

Schulz zitiert die Stellungnahme des Ministeriums vom Juli 2007: „Der Zustand des Kölpinsees muss als problematisch angesehen werden. (...) Schon in den bislang vorliegenden Untersuchungsjahren 1997 und 2004 wurden mehrfach Sauerstoffdefizite bzw. anearobe Zustände ab zwei Meter Wassertiefe nachgewiesen, die auf stark zehrende Sedimente zurückzuführen waren.“ In Seen mit hohen Nährstoffkonzentrationen sei ein durch Sauerstoffmangel hervorgerufenes Fischsterben nichts Ungewöhnliches, so das Ministerium.

Grünes Kreistagsmitglied fordert Aufklärung

Kristin Wegner, Kreistagsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Umweltausschusses des Kreises, fordert von den Behörden des Landkreises, diesen Vorfall aufzuklären. „Bei solchen Ereignissen ist es wichtig, schnell und konsequent mögliche Verursacher zu kontrollieren. Die Qualität unserer Gewässer darf nicht durch das fahrlässige Handeln Einzelner gefährdet werden. Wir werden immer wieder bei den Behörden nachfragen und auf konsequentes Handeln drängen“, so Wegner. Hotelier Schulz hingegen sagte auf Nachfrage: „Im Moment prüft ein Rechtsanwalt, welche rechtlichen Schritte wir gegen Herrn Bartelt gehen.“

Tom Schröter

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