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Usedom Vorgeschmack auf Molieres „Tartuffe“
Vorpommern Usedom Vorgeschmack auf Molieres „Tartuffe“
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14:26 04.11.2019
Wolfgang Bordel (l.) und Martin Schneider plauderten in der Theaterkantine aus dem Nähkästchen und kochten nebenher Französische Zwiebelsuppe. Quelle: Steffen Adler
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Zinnowitz

Mit einem unterhaltsamen Gespräch in der improvisierten Theaterküche hat die Vorpommersche Landesbühne Lust auf eine weitere Premiere der neuen Spielzeit gemacht. Ex-Intendant Wolfgang Bordel und sein Nachfolger Martin Schneider plauderten am Samstagabend in der Kantine der Theaterakademie aus dem Nähkästchen, stellten Molieres „Tartuffe“ 2019 in Grundzügen in Aussicht und kochten nebenher eine französische Zwiebelsuppe.

Es war bereits Teil zwei der neu ins Leben gerufenen Kulinarik-Reihe, nachdem Regisseur Marco Bahr erst wenige Tage zuvor Appetit auf die Inszenierung von Theodor FontanesEffi Briest“ gemacht hatte. Passenderweise gab es dazu einen Steckrübeneintopf aus der Mark Brandenburg.

Parallelen zu politisch ausgebufften Persönlichkeiten

Die Idee zu einem öffentlichen Vorab-Gespräch zweier Hobbyköche in geradezu niedlichen Küchenschürzen ist offenbar so schlecht nicht; folgten ihr doch am Wochenende rund 50 Gäste, um sich einen Vorgeschmack auf den Träumer und Verführer Tartuffe zu holen. Dabei wusste Bordel spannende Parallelen zu aktuellen Verblendungen reicher wie schöner und besonders politisch ausgebuffter Persönlichkeiten zu ziehen.

Deshalb liegt wohl auch auf der Hand, dass die Geschichte ins Heute versetzt wird und eine Milliarsdärswitwe namens Orgon (gespielt von Anna Jamborsky) im Fokus steht. Bordel wäre nicht er selbst, wenn ihm zu dem Theaterskandal von 1664 und zur heutigen Situation nicht auch folgender Satz eingefallen und bedeutsam wäre: „Das Stück entlarvt die egoistischen Motive der Wohlstandsgesellschaft und zeigt, wohin der Glaube an einfache Wahrheiten und vermeintliche Autoritäten führt.“ Alles klar?

Während für die Bühne und Kostüme Gesine Ullmann, die sich in der Mensa als Käse- und Birnenschneiderin profilierte, verantwortlich zeichnet, werden auf den Brettern, die die Welt bedeuten, unter anderem Gregor Imkamp, Fiete Drahs und Erik Gätjen zu erleben sein.

Bordel hat gelernt zu fliegen

Der Abend bei Bier und Rotwein zog freilich seine Kurzweil besonders aus den Geschichten, die Bordel aus 36 Jahren Intendanz am Anklamer Theater zu erzählen wusste. So hatte er als junger Chef des Hauses, das 1978 immerhin 80 000 Zuschauer zählte, einen Marschblock zum 1. Mai zu organisieren und löste die Aufgabe mit Bockwurst und Freibier. Er musste beim 1. Kreissekretär der SED ebenso antreten wie beim „Nachfolger“ mit CDU-Parteibuch – und überzeugte beide mit dem gleichen Spielplan (!) für 1989/90.

In Summe inszenierte Bordel sage und schreibe 162 Stücke, stand oft kurz vor dem Abgrund und hat gelernt, nicht abzustürzen, sondern zu fliegen. „Mit der Kraft des Verstandes“, beschreibt er das Besondere daran, in Anlehnung an Otto Lilienthal.

Dass der noch immer urige Typ mit langem Bart und grauen Koteletten, reichlich Schalk im Nacken und einer ordentlichen Portion Bauch seit vielen Jahren Suppen für die Premierenfeiern seiner Crew kocht, ist inzwischen Kult. Und so gab es in Zinnowitz gleich drei von ihm zusammengestellte Sorten zu kosten, von extra-scharf bis besonders zwiebelig und mit reichlich Knoblauch gewürzt. „Beim Kochen passt ja eigentlich alles zusammen, man muss es nur so richtig traumhaft benennen.“ Der Mann hat Lebensweisheit.

Infos:

Premiere von „Tartuffe“ am 23. November, 19.30 Uhr im Theater Zinnowitz; Kartentelefon: 03971/268 88 00. Weitere Vorstellungen: 25.11. Zinnowitz sowie 7.12. Anklam

Von Steffen Adler

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