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Usedom Schießplatz in der Nachbarschaft: Scheitern die Klinik-Pläne in Lassan am Lärmschutz?
Vorpommern Usedom Schießplatz in der Nachbarschaft: Scheitern die Klinik-Pläne in Lassan am Lärmschutz?
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07:27 21.11.2019
Die Benutzung geräuschärmerer Subsonic-Munition lehnen die Lassaner Schützen ab. Das Bild entstand im Januar 2017 beim Neujahrsschießen der Lassaner Schützen Compagnie 1763 auf der Schießanlage im Triener Bruch. Quelle: Rainer Decke
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Lassan

Etwa zwei Jahre ist es her, dass der Verein Phönix seine Pläne für den Bau einer Mutter/Vater-Kind-Klinik in Lassan öffentlich machte. Jetzt ist das Vorhaben, das auf einem etwa 5,3 Hektar großen Grundstück an der Straße Siedlung Ost umgesetzt werden soll, ernsthaft in Gefahr. Der Grund ist ein handfester Interessenkonflikt zwischen dem Phönix-Verein und den Mitgliedern der Lassaner Schützen Compagnie 1763. Der Schießplatz der Sportschützen befindet sich ebenfalls östlich von Lassan im nahen Triener Bruch.

Schießplatz nur anderthalb Kilometer vom Bauplatz entfernt

„Es hat sich herausgestellt, dass der etwa eineinhalb Kilometer vom Baugrundstück entfernte Schießplatz des örtlichen Schützenvereins mit den Lärmschutzanforderungen an den Standort einer Kurklinik kollidiert“, teilt der Verein auf seiner Internetseite mit. Wie zu erfahren war, hat es inzwischen mehrere Lokaltermine gegeben, um eine Lösung des Problems zu erreichen. „Am Ende haben die Schützen den Gesprächskontakt mit dem Verein abgebrochen“, konstatiert der Lassaner Bauausschussvorsitzende Johannes Heimrath mit sichtlichem Bedauern. Heimrath spricht von einem „zukunftsträchtigen Projekt für Lassan“ und mahnt: „Wer nachhaltigen Tourismus will, dem muss das Klinikvorhaben am Herzen liegen.“

Alles begann so vielversprechend

Lange Zeit seien die Vorbereitungen für die geplante Klinik – das Objekt soll zunächst für den Reha-Aufenthalt von 36 und in der Endausbaustufe von 48 Familien ausgelegt sein – vielversprechend verlaufen, berichtet Phönix-Vorstandsmitglied Ruth Kindt-Hoffmann. Der Kaufvertrag für das betreffende Areal unweit des Lassaner Heidbergs sei unterzeichnet, es gebe ein fertiges Projekt und auch etliche Spenden seien akquiriert, damit Phönix seinen Eigenanteil von rund einer Million Euro aufbringen könne. „Aber vor etwa einem Jahr bei der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange tauchte plötzlich das Problem mit den vom Schießstand ausgehenden Schallemissionen auf“, so Ruth Kindt-Hoffmann.

Fronten sind verhärtet

Die bisherigen Bemühungen, den Konflikt beizulegen, liefen allesamt ins Leere. Auch ein Schallschutzbeauftragter und ein Schießplatz-Sachverständiger wurden eingeschaltet. Ins Gespräch gebracht wurden Lärmschutzeinrichtungen, eine Verlagerung des Schießstandes und die Verwendung geräuscharmer sogenannter Subsonic-Munition. „Weil diese teurer ist als herkömmliche Munition, haben wir den Schützen angeboten, die Mehrkosten zu übernehmen“, schildert Ruth Kindt-Hoffmann. Auch dies sei am Ende abgelehnt worden. Die gesamte Lage sei fatal: „Wir fragen uns allmählich, ob wir uns nach einem anderen Standort umgucken müssen.“

Axel Hanneforth, Vorsitzender der Lassaner Schützen Compagnie 1763, auf dem östlich von Lassan gelegenen Schießstand im Triener Bruch. Quelle: Tom Schröter

„Wir haben nichts gegen die Klinik, im Gegenteil“, macht Axel Hanneforth, Vorsitzender der etwa 20 Mitglieder zählenden Lassaner Schützen Compagnie, deutlich. „Aber wir möchten auch unsere Interessen gewahrt wissen.“ Laut Hanneforth hätten sich die Schützen kooperativ gezeigt. So sei zum Beispiel ein Probeschießen veranstaltet worden, um Schallmessungen vornehmen zu können. Der Lassaner räumt durchaus ein, dass die Lage verfahren sei. Aber: Der Aufwand zum Bau von Schallschutzwänden sei zu hoch, ebenso die Veränderung der Schießrichtung, die schon wegen des Sonnenstandes und vorbeiführender Wege nicht möglich sei. „Und die Benutzung von Subsonic-Munition lehnen unsere Mitglieder durchweg ab“, informiert der Vereinsvorsitzende. „Diese Spezialmunition ist weniger leistungsstark“, ergänzt Michael Bublitz vom Vereinsvorstand der Schützen. „Wenn wir diese verwenden, können wir unsere erst vor Kurzem für 7000 Euro angeschaffte Tontaubenschießanlage nur im Minimalbetrieb laufen lassen.“

Nur 20 bis 25 Schießveranstaltungen jährlich

„Mittlerweile wurden alle Varianten mehrfach durchdiskutiert und immer wieder kamen wir zu keinem Ergebnis. Deshalb haben wir die Gespräche beendet“, so Hanneforth, der auch von einem fehlenden Vertrauensverhältnis zwischen den Vereinen spricht und rein persönlich die Grenzwertdebatte in diesem Fall ohnehin für völlig überzogen hält: „Es geht hier doch nur um 20 bis 25 Schießveranstaltungen pro Jahr. Das kann doch nicht das Problem sein.“

Bürgermeister kämpft weiter für die Kurklinik

Lassans Bürgermeister Fred Gransow (CDU) will unterdessen „weiter um die Kurklinik kämpfen, weil sie für Lassan wie ein Sechser im Lotto ist“, wie er meint. Aber das Projekt dürfte nicht zu Lasen von Vereinen und Bürgern gehen. „Mitte Oktober haben wir mit allen beteiligten Behörden in Wolgast an einem Tisch gesessen und Lösungsvorschläge unterbreitet“, so Gransow. Es gehe um bauphysikalische und architektonische Veränderungen des Klinik-Komplexes: „Aber diese Ansätze müssen nun auch von Phönix aufgegriffen werden.“

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Von Tom Schröter

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