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Usedom „Mein ganzer Stolz ist die Schulsanierung“
Vorpommern Usedom „Mein ganzer Stolz ist die Schulsanierung“
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01:21 05.05.2019
Am Freitagvormittag wurde der sanierte Gothener Landweg durch den Vertreter des Landkreises Udo Schönherr, Falk Otto von der Baufirma Strabag, Vertreter des Planungsbüros und Heringsdorfs Bürgermeister Lars Petersen (Mitte) abgenommen. Die 1,6 km lange Straße von der Grundschule Heringsdorf bis kurz vor den Ortseingang Gothen hat ein Kostenvolumen von 500 000 Euro.
Am Freitagvormittag wurde der sanierte Gothener Landweg durch den Vertreter des Landkreises Udo Schönherr, Falk Otto von der Baufirma Strabag, Vertreter des Planungsbüros und Heringsdorfs Bürgermeister Lars Petersen (Mitte) abgenommen. Die 1,6 km lange Straße von der Grundschule Heringsdorf bis kurz vor den Ortseingang Gothen hat ein Kostenvolumen von 500 000 Euro. Quelle: Gert Nitzsche
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Heringsdorf

Seit sieben Jahren ist Lars Petersen (53, CDU) Bürgermeister der Gemeinde Heringsdorf, zu der die drei sogenannten Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin mit ihren Ortsteilen gehören. Die OZ sprach mit ihm über Schulsanierung, Straßenbau, eine neue Eisbahn, Kurtaxregelung und wie dem HdE Leben einzuhauchen ist ...

Sie treten zur Kommunalwahl erneut als Bürgermeisterkandidat an. Gleich drei weitere Bewerber möchten ebenfalls Gemeindeoberhaupt von Heringsdorf werden. Stresst Sie das?

Lars Petersen: Vier Bewerber sind ein sicheres Zeichen, dass die Gemeinde Bedeutung hat und es sich lohnt, sich hier zu engagieren. Die Bürger können nun abwägen, wer in ihren Augen der richtige Kandidat ist. Somit ist es schon mentaler Stress, dessen Ausgang ungewiss ist. Allerdings hoffe ich, dass die Einwohner die sehr gute Entwicklung in der zurückliegenden Wahlperiode wahrgenommen haben.

Auf welches Projekt, das in Ihrer Amtszeit umgesetzt wurde, sind Sie besonders stolz?

Es ist die Sanierung der Grundschule in Heringsdorf für 6,2 Millionen Euro und die sich auf der Zielgeraden befindende Sanierung und Erweiterung der Europäischen Gesamtschule Insel Usedom (EGS) in Ahlbeck auf dem Gelände des Mehrgenerationencampus (Kita/Bürgertreff) für 9,7 Millionen Euro. Die insgesamt eingesetzten 16 Millionen sind gut investiert: In der Grundschule lernen 272 Schüler aus zwölf und in der EGS 530 Schüler aus sechs Nationen.

Wenn die EGS fertiggestellt ist, kann Heringsdorf dann einen Haken ans Thema moderne Schule machen?

Es fehlen noch zwei wichtige Gebäude. Im kommenden Jahr soll Baustart sein für das Mehrzweckgebäude/Turnhalle an der Grundschule. Und an der EGS fehlt noch der Sportplatz, wo die Gemeinde gerade die Planungsleistungen vergeben hat. Es soll neben einem Sanitärgebäude auch eine moderne Sportanlage u. a. für Leichtathletik und eventuell Bogenschießen entstehen. Wir rechnen mit Kosten zwischen drei und vier Millionen Euro.

Kann sich die Gemeinde das alles leisten?

Heringsdorf hat einen ausgeglichenen Haushalt. Die Investitionen können gewuppt werden. Der Schuldenstand wurde trotz großer Investitionen seit 2012 halbiert, wir haben die Haushaltsgenehmigung ohne Auflagen erhalten.

Über viele problematische Straßen und Kreuzungen wird immer wieder nur geredet. Tut sich auch mal was?

In der Gemeinde haben wir neben der Landesstraße mehrere Kreisstraßen und Gemeindestraßen. Es tut sich überall was, nur eben oft nicht in der Geschwindigkeit, wie sich das die Bürger und ich wünschen. Umso mehr freue ich mich, dass wir gestern den 1. Bauabschnitt der Straße nach Gothen nach sechswöchiger Sanierung übergeben konnten. Auch die Straße nach Sellin ist neu.

Bei welchen Straßenbauprojekten hakt es denn?

Am Rewe in Ahlbeck soll auf der Landesstraße ein Kreisverkehr gebaut werden, die Regenentwässerung ist fertig. Seit vier Jahren verspricht das Landesbauamt den Baubeginn ... Unstimmigkeiten gab es mit dem Straßenbauamt auch zum Ausbau des Knotenpunktes am Bahnhof Heringsdorf. Der Verkehrsminister unterstützte uns bei der zweispurigen Lösung, damit der Verkehr rollt. Nach eineinhalbjähriger Diskussion haben wir vor zwei Wochen eine Lösung gefunden, denn eines der großen Probleme an der Stelle ist das Überqueren der Straße durch Fußgänger.

Die Gehwege in der Gemeinde sind teilweise in einem katastrophalen Zustand. Ist da Abhilfe in Sicht?

Es ist doch schon viel passiert, wir haben über fünf Kilometer Gehweg instand gesetzt. Viele Bürger vergessen, wie schwierig die örtlichen Gegebenheiten sind. Der 2./3. Bauabschnitt der Delbrückstraße wird 2020/21 fertig, da wir wegen des nicht vorhandenen Platzes in die Tiefe gehen müssen, um die Medien in Schichten übereinander zu packen. Und wir müssen angedachte Maßnahmen verschieben, weil Bauen immer teurer wird. Die Delbrückstraße war mit 4,2 Millionen Euro geplant, jetzt sind wir schon bei über sechs Millionen.

Heftig zur Sache ging es im vergangenen Jahr bei der Neuregelung der Kurtaxe. Konnten oder wollten Sie die Menschen nicht verstehen?

Die Kurtaxsatzung der Gemeinde Heringsdorf ist als Mustersatzung erarbeitet worden, weil es dazu eindeutige Festlegungen des Verwaltungsgerichts nach einer Klage gibt. Die Satzung legt fest, dass Gäste eines Hotels, einer Pension oder einer Ferienwohnung immer Kurtaxe zahlen müssen und auch Familienangehörige von Einwohnern der Gemeinde, wenn sie zu Besuch kommen. Befreiungen von der Kurtaxe sind aus sozialen Gründen möglich. Das Verwaltungsgericht Greifswald urteilte schon 2010, dass Familienbesuche nicht als soziale Gründe gelten. Die Kurtaxe für die Einwohner selbst zahlt die Gemeinde. Wenn Familienangehörige von der Zahlung befreit werden sollen, muss die Kommune diese Kosten aus Steuereinnahmen oder anderen Quellen tragen. Befreiungen beschließt im übrigen die Gemeindevertretung und nicht der Bürgermeister. Deshalb finde ich es schon seltsam, wie Bürgermeisterkandidaten mit der Aufhebung der jetzigen Kurtaxsatzung werben – sie haben dort keine Entscheidungskompetenz.

Weitere Vergünstigungen wie der kostenlose ÖPNV sollten alle, die ihn nutzen können, mittragen. Die Gemeinde gibt bei jeder Kurkarte 40 Cent dazu, damit die Busse kostenlos genutzt werden können.

Kritik gibt es auch am Zustand der Ostseetherme in Ahlbeck. Sieht sich die Gemeinde im Handlungszwang?

Wir wissen, dass wir in der Therme investieren müssen. Aber noch gibt es keine Förderung. Bliebe nur die Aufnahme eines großen Kredites. Wir streben jetzt eine andere Lösung an.

Reizthema Eisbahn. Wann wird da was passieren?

Ich bin selbst Mitglied des Eis- und Rollsportvereins. Die jetzige Eisbahn ist marode, und wir brauchen einen neuen Standort. Die Diskussion dazu geht schon zehn Jahre. Wir wollen die Eisbahn neben der Therme errichten und eine Verbindung zwischen beiden Einrichtungen schaffen. Das Ganze ist förderfähig, aber noch ohne konkrete Planung. Gut war, dass der Verein die ganze Diskussion mit einer Machbarkeitsstudie begleitet hat.

Wenn Sie wieder Bürgermeister werden sollten, haben Sie dann ein Ziel, das Sie schnell umsetzen möchten?

Das ist ganz klar das frühere Haus der Erholung (HdE) in Ahlbeck. Der Abriss des Anbaus ist beschlossen und soll noch in diesem Jahr erfolgen. In das Haus sollen nach einem grundlegenden Umbau eine Tourismusinformation, ein Kino und ein Veranstaltungssaal sowie mehrere Läden.

Hört sich alles nach Erfolgsgeschichte an. Gelingt Ihnen eigentlich alles, was Sie anpacken?

Als hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Heringsdorf bin ich zuallererst Chef einer Verwaltung, zu der 42 Mitarbeiter im Rathaus, 47 im Eigenbetrieb Kaiserbäder und 56 in der KTS sowie 30 in Schule, Bauhof und Jugendfreizeitzentrum gehören. Außerdem haben wir vier Lehrlinge in drei Lehrjahren. Jeder dieser Mitarbeiter hat mit seiner Arbeit Anteil am Erfolg.

Sie haben in der Aufzählung Ihre beiden vierbeinigen Begleiter vergessen, die auf all Ihren Terminen dabei sind ...

Sie meinen meine beiden Hunde. Ja, die haben in meinem Büro ihren Platz auf ihren Hundedecken. Ich habe sie gerne um mich, es beruhigt mich.

Stößt das Besucher nicht manchmal ab? Nicht jeder ist ein Hundefreund ...

Wenn mir Besucher ihre Angst gegenüber den Hunden oder eine Allergie signalisieren, bringe ich die Tiere ins Nachbarzimmer bzw. suche mit meinen Gesprächspartnern einen anderen Raum auf.

Ihr Büro sieht dennoch ungewöhnlich aus. Es gibt keinen Schreibtisch und keinen Computer. Ist das so gewollt?

Ich habe alle meine Daten auf meinem Handy verfügbar, das ist mein Computer. Wir leben im digitalen Zeitalter. Die Dateien sind überall und jederzeit abrufbar. Ich habe einen Besprechungstisch mit 10 Stühlen. Dokumente, die bearbeitet werden müssen, sind abends – das ist mein Ziel – vom Tisch.

Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit mit Swinemünde ein?

Beide Kommunen haben viele Gemeinsamkeiten und arbeiten gut zusammen. Mit Swinemündes Stadtpräsidenten treffe ich regelmäßig zusammen und bespreche auch neue Projekte. Dazu gehört aktuell die Schaffung eines Theodor-Fontane-Weges beidseits der Grenze.

Sie kandidieren auch für den neuen Kreistag. Warum ist das so wichtig für Sie?

Heringsdorf ist ein wichtiger Tourismusort im Kreis mit umfangreicher Infrastruktur. Deshalb sehe ich es als Notwendigkeit an, dass die Interessen der Gemeinde auch auf Kreisebene wahrgenommen werden.

Interview: Cornelia Meerkatz

Zitat Lars Petersen: Die Gemeindevertretung und ich wissen um den Zustand einiger Gehwege und dass sie eher die Bezeichnung Stolperweg verdienen. Wir haben in den zurückliegenden fünf Jahren über fünf Kilometer saniert und repariert, zuletzt den Weg zum Stella Maris und zur Kirche in Ahlbeck.

Zitat Lars Petersen: Besonders hervorzuheben ist die Leistung der Mitarbeiter des Bauhofes, die eine unglaubliche Einsatzbereitschaft an den Tag legen.

Cornelia Meerkatz