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Usedom Karl spielt die Königin der Instrumente
Vorpommern Usedom Karl spielt die Königin der Instrumente
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11:15 27.08.2019
Die Kirchenmusikerin Dr. Ina Altripp freut sich über den Eifer, den der zwölfjährige Karl Krüger an den Tag legt. Weil der Siebtklässler in Zinnowitz zur Schule geht, unterrichtet sie den Koserower in der Kirche seines Schulortes. Quelle: Ingrid Nadler
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Insel Usedom

Selbst die Orgel zu spielen in einer Kirche – davon träumen viele. Doch das Instrument ist nicht leicht zu beherrschen. Auf der Insel Usedom werden derzeit drei Erwachsene sowie vier Kinder und Jugendliche im Orgelspiel unterrichtet.

Weil viele Dorf- und Stadtkirchen über oftmals wertvolle Instrumente verfügen, aber aus Altersgründen immer weniger Organisten zur Verfügung stehen, steht die Kirche vor einem wachsenden Problem. Nicht zuletzt, weil Orgeln, die längere Zeit nicht bespielt werden, Schaden nehmen können. Im Frühjahr hat der Pommersche Evangelische Kirchenkreis deshalb ein Projekt ins Leben gerufen, das Musikinteressierten jeden Alters dazu verhelfen soll, sich unter fachlicher Anleitung mit der Königin der Instrumente vertraut zu machen.

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Musikalische Vorbildung nicht nötig

Die Kirchenmusikerin Dr. Ina Altripp hat sich dieser Aufgabe mit Freude gewidmet. Das Projekt ist zunächst auf vier Jahre ausgelegt, könnte aber eine Fortsetzung erfahren, wenn der Bedarf dies rechtfertigen würde. „Weitere Teilnehmer sind also herzlich willkommen“, sagt Ina Altripp. „Eine musikalische Vorbildung ist nicht Voraussetzung. Wer noch keine Erfahrungen an einem Tasteninstrument sammeln konnte, sollte aber genügend Geduld mitbringen.“ Von Vorteil sei es natürlich, wenn in Wohnortnähe eine Orgel vorhanden ist, auf der man üben kann. Bis auf die Fahrtkosten zum Unterricht fallen für die Schüler keine weiteren Kosten an. „Ziel ist es, dass die Schüler befähigt werden, auf möglichst unkomplizierte Weise die Orgel am Heimatort zum Gottesdienst erklingen zu lassen. Vor allem Jugendliche sollen so die Möglichkeit erhalten, dieses faszinierende Instrument kennenzulernen.“

Kirchenorgeln sind oft sehr alt

In einem Faltblatt, das zu Projektbeginn vom Evangelischen Kirchenkreis herausgegeben und in den Gemeinden verteilt wurde, heißt es dazu weiter: „Die Pommersche Orgellandschaft ist von unendlichem Reichtum: zahlreiche Dorfkirchenorgeln und Orgeln in Stadtkirchen idyllischer Kleinstädte zeugen davon, wie wichtig den dort lebenden Menschen dieses repräsentative Instrument im städtischen und ländlichen Raum der vergangenen Jahrhunderte war.

Es ist ein großes Glück, dass ein erheblicher Teil dieses Kulturgüterschatzes erhalten geblieben ist und nicht wenige Instrumente heute auch noch ihrem ursprünglichen Zweck nachkommen und den Gemeindegesang unterstützend begleiten. Dafür unbedingt notwendig und mit technischen Mitteln nicht zu ersetzen sind jedoch die Menschen, die den wertvollen Instrumenten Leben einhauchen indem sie sie spielen.“

Karl übt in Zinnowitz an der Orgel

Einer der Schüler ist der erst zwölfjährige Karl Krüger aus Koserow. Weil der Siebtklässler die Freie Schule in Zinnowitz besucht, unterrichtet ihn Ina Altripp in der Kirche seines Schulortes. Karl hat schon seit seinem fünften Lebensjahr Klavierunterricht. Man merkt ihm an, wie gern er sich auch dem Orgelspiel widmet. „Ich bin in der Christenlehre angesprochen worden, ob ich dazu Lust hätte“, erzählt Karl. Und so hat er noch vor den Sommerferien damit begonnen. „Es macht mir richtig Spaß zu erleben, wie meine Musik die ganze große Kirche erfüllt“. Eines Tages will Karl in Koserow beweisen, was er gelernt hat.

Erste öffentliche Auftritte für Simon

Auch der 15-jährige Simon Köster, der mit seiner Familie in Morgenitz zu Hause ist und in Ahlbeck die 9. Klasse der Europäischen Gesamtschule besucht, hat gute Vorkenntnisse. „Simon hat schon seit der zweiten Klasse Klavierunterricht“, erzählt seine Mutter Petra Köster. Der Jugendliche hatte sogar schon einige öffentliche Auftritte. Er hat zu Weihnachten, zu Ostern und zum Töpfermarkt Gottesdienste an der Orgel begleitet. „Ich mag dieses alte Instrument“, sagt Simon. Die Orgel ist 1894 in Stettin gebaut worden. Sie wird nicht elektrisch betrieben, sondern muss durch einen Blasebalg Luft zugeführt bekommen. Was heißt, dass Simon entweder von Mutter Petra oder von Vater Andreas zur Übungsstunde begleitet werden muss. Gemeinsam kriegen sie das gut hin.

Simon Köster aus Morgenitz hatte schon öffentliche Auftritte. Der 15-Jährige braucht zum Spielen aber die Hilfe des Vaters. Der bedient den Blasebalg. Quelle: Ingrid Nadler

Als Simons Orgelspiel durch Tür und Fenster des alten Gotteshauses dringt, halten Urlauber, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, andächtig inne. Was für eine schöne Sonntagsüberraschung!

Von Ingrid Nadler

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