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Usedom Mandy braucht Hilfe: Junge Mutter aus Vorpommern schwer an MS erkrankt
Vorpommern Usedom Mandy braucht Hilfe: Junge Mutter aus Vorpommern schwer an MS erkrankt
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21:04 24.07.2019
Mandy Nimz leidet an Multipler Sklerose und ist auf den Rollstuhl angewiesen. Gerne würde sie ein behindertengerechtes Auto haben, um auch einmal mit ihrer Tochter einen Ausflug zu machen.
Mandy Nimz leidet an Multipler Sklerose und ist auf den Rollstuhl angewiesen. Gerne würde sie ein behindertengerechtes Auto haben, um auch einmal mit ihrer Tochter einen Ausflug zu machen. Quelle: Cornelia Meerkatz
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Rappenhagen

Die Tage von Mandy Nimz aus Rappenhagen, einem kleinen Dorf zwischen Wolgast und Greifswald, sind oft einsam. Die 36-Jährige leidet schon seit 2002 an Multipler Sklerose (MS). Die Autoimmunerkrankung ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass Nimz auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Sie muss starke Medikamente nehmen und oft Pause machen. An vielen Tagen geht auch gar nichts, dann muss sie nur liegen.

Noch erledigt die junge Frau so gut es geht die Hausarbeit, aber beispielsweise den Fußboden allein fegen und wischen kann sie schon lange nicht mehr. Sie ist daher froh, dass seit kurzem für eine Stunde pro Woche eine Haushaltshilfe über das Deutsche Rote Kreuz Lubmin zu ihr kommt. Abends, wenn ihr Mann von der Arbeit in der Baubranche nach Hause kommt, versorgt er Mandy und hilft ihr, sich für die Nacht fertig zu machen. Die Tage jetzt im Sommer verbringt sie vor der Haustür, wo ein winziger Goldfischteich mit sieben Fischen von der Familie angelegt wurde. Dort sitzt sie, wenn der Gesundheitszustand es zulässt, in ihrem Rollstuhl und beobachtet die Fische. Weg von ihrem Grundstück kann sie nicht, dazu fehlt ein behindertengerechter Pkw. „Doch den kann ich mir nicht leisten“, gibt Mandy Nimz unumwunden zu. Sie ist unglücklich über diese Aussage.

Behindertengerechter Pkw fehlt im Alltag

Denn ihr größtes Glück ist die sechsjährige Tochter Aline. Sie kommt in gut zwei Wochen zur Schule und freut sich schon darauf. Die Schulmappe und die Zuckertüte sind schon im Haus und liebevoll zurechtgemacht. „Wir haben auch das ganze letzte Jahr gespart, damit wir zum Schulanfang mit der Familie mal essen gehen können“, berichtet die junge Mutter aufgeregt. Doch Mandy plagen Ängste: „Links und rechts von unserem Haus ist nur Wald. Bis zur Haltestelle des Schulbusses sind es mehrere hundert Meter. Die muss Aline allein gehen, ich komme auf dem Holperweg mit dem Rollstuhl kaum vorwärts. Im Sommer, wenn es länger hell ist, mag das alles gehen. Doch wie schnell ist der Herbst da, wo es morgens noch dunkel ist. Es bricht mir das Herz, dass ich sie nicht mal zur Schule fahren kann. Mein Mann ist um diese Zeit schon längst zur Arbeit.“ Da ist sie wieder, Mandys Erkenntnis: „Ohne behindertengerechten Pkw kann ich am Alltag nicht teilnehmen.”

Die Situation demotiviert Nimz, was sich auch auf ihre Krankheit auswirkt. Immer wieder bekommt sie Schübe, aufgrund derer sie sich nicht bewegen kann und nur vor sich hindämmert. Sie leidet dann unter akuter Antriebslosigkeit. Anträge auf Übernahme der Kosten eines behindertengerechten Pkw an Krankenkasse und Behörden wurden abgelehnt, weil sie in diesem Fall aufgrund der Gesetzeslage nicht helfen können. Doch im Rollstuhl größere Entfernungen zurückzulegen, geht nun mal nur mit Hilfe.

Ärztin hatte neue Idee für Hilfe

10 000 Euro kostet so ein spezielles Auto im gebrauchten Zustand. Geld, welches Mandy Nimz und ihre Familie nicht hat. Mit ihrer Rente und dem Verdienst ihres Mannes kommen beide mit der Tochter finanziell gerade so über die Runden. Doch nun hat die Ärztin Mandy auf die Idee gebracht, einen anderen Weg zu gehen. Mit einer Online-Fundraising-Kampagne auf „GoFundMe“ sammelt die liebevolle Mutter Spenden für das benötigte behindertengerechte Auto. „GoFundMe“ ist die weltweit größte gesellschaftliche Online-Fundraising-Plattform. Hier können Privatpersonen andere Privatpersonen unterstützen, zumeist mit kleineren Beträgen. Die Menge der Spender macht es dann. Allerdings sollte jeder, der helfen möchte, im Vorfeld wissen: „Spendenbescheinigungen können nicht ausgestellt werden, da weder wir noch Mandy Nimz als eingetragener Verein fungieren können“, so Esther Ecke von „GoFundMe“ in Berlin.

„Ich wünsche mir nichts mehr, als mich einfach um meine Tochter kümmern zu können. Ich möchte ihr zeigen, wie schön die Welt ist und dass ich zwar ein Handicap habe, aber immer für sie da bin”, träumt Nimz. Die Träume sind nicht so groß. „Einmal mit meiner Tochter einen Ausflug mit dem Auto an die Ostsee machen und zusammen die Füße in den Sand stecken – das wär’s! Und wenn sich vielleicht irgendwann noch ein Ausflug in den Hansapark ermöglichen ließe, wäre es das Größte.”

Privatpersonen helfen Privatpersonen

Mandy Nimz hofft nun darauf, dass sich weitere Spender finden, die sie unterstützen. „650 Euro sind zusammen“, sagt sie zaghaft lächelnd. Sie hofft inständig, dass sich die Summe vergrößert – egal wie viel Geld am Ende zusammenkommt. „Ich freue mich über jede Hilfe und spare auch selbst jeden Euro, den ich abknapsen kann. Hilfe wirkt sich ja auch immer positiv auf meinen Krankheitsverlauf aus, dann kommen die Schübe nur in größeren Abständen. Ich möchte unbedingt ein Stück Unabhängigkeit zurückgewinnen“, berichtet sie mit geröteten Wangen. Esther Ecke von „GoFundMe“ macht ihr Mut: „Unsere Plattform wird sehr gut angenommen, weil das Geld ja zu hundert Prozent den Betroffenen zugutekommt. Es wird sicher nicht von heute auf morgen mit der Summe funktionieren, aber seien Sie zuversichtlich“, gibt sie Mandy Nimz mit auf den Weg.

Wer Mandy Nimz helfen möchte, kann hier klicken. Die Spende erfolgt online, die Spender werden namentlich auf der Plattform genannt.

„GoFundMe“ schließt Bedarfslücken

GoFundMe ging 2010 in den USA an den Start und ist die weltweit größte gesellschaftliche Online-Fundraising-Plattform. Hier können Privatpersonen andere Privatpersonen unterstützen. Die Spenden gehen 1:1 an die Kampagnen. GoFundMe nimmt keine Nutzungsgebühren, sondern finanziert sich über ein freiwilliges Trinkgeld der Spender. Seit über einem Jahr gibt es GoFundMe in Deutschland, der Sitz des Büros ist Berlin. Über 100 000 Menschen spendeten in dieser Zeit mehr als sieben Millionen Euro. Damit ist Deutschland der am schnellsten wachsende Markt für GoFundMe in Europa. Seit September 2018 ist GoFundMe auch in Österreich und der Schweiz aktiv. Außerdem gibt es Büros in Frankreich, Großbritannien und Italien.

Am meisten wird im deutschsprachigen Raum für Kampagnen gespendet, welche die Gesundheit betreffen. Auf den weiteren Plätzen folgen Spenden für gemeinnützige Organisationen und Spendenaufrufe für den Tierschutz. Der am häufigsten gespendete Betrag ist 10 Euro, knapp gefolgt von 50 und 20 Euro.

Die Gelder werden nur an die Personen freigegeben, die als Begünstigte genannt sind. Das Team von GoFundMe steht rund um die Uhr zur Verfügung, 24 Stunden am Tag. Darüber hinaus werden die Spender geschützt: Wird Missbrauch festgestellt, erhalten die Spender ihr Geld zurück.

Cornelia Meerkatz