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Usedom Usedomer Erdbeerkönig vor den Scherben seines Imperiums
Vorpommern Usedom Usedomer Erdbeerkönig vor den Scherben seines Imperiums
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08:54 23.05.2019
Diese alte Scheune ließ René Alofs einst als Unterkunft für seine Erdbeerpflücker ausbauen. Jedes brauchbare Inventar wurde inzwischen gestohlen.
Diese alte Scheune ließ René Alofs einst als Unterkunft für seine Erdbeerpflücker ausbauen. Jedes brauchbare Inventar wurde inzwischen gestohlen. Quelle: Tom Schröter
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Karlsburg/Wolgast

Zuerst eine gute Nachricht: René Alofs geht es seelisch wieder besser. Der jähe wirtschaftliche Niedergang des Erdbeerhofes, den der aus dem holländischen Oisterwijk (nahe Eindhoven) stammende Diplom-Agrarökonom ab 1999 am Karolinenweg in Karlsburg schrittweise aufgebaut hatte, hatte den einstigen „Erdbeerkönig“ von Vorpommern zwischenzeitlich komplett aus der Bahn geworfen.

Alofs erlitt, wie viele seiner Gläubiger, herbe finanzielle Verluste und kam auch psychisch an seine Grenzen. Schließlich ging auch die Ehe des fünffachen Familienvaters in die Brüche. Eine mehrmonatige Therapie und neue Freunde halfen ihm, das Tief zu überwinden. Nun geht der 50-Jährige daran, die Reste seines ehemaligen Imperiums zu ordnen. „Und ich möchte, dass die Diebstahlserie aufgeklärt wird, von der mein Hof und die wirtschaftlichen Anlagen in Karlsburg seit Jahren heimgesucht werden“, erklärt der Wolgaster.

Im einstigen „Pflücker-Hotel“ leisteten Diebe und Vandalen ganze Arbeit. Alles, was in irgendeiner Weise zu Geld gemacht werden konnte, wurde aus dem Langhaus geholt. Quelle: Tom Schröter

Hinter Alofs liegen turbulente zwei Jahrzehnte. Etwa 100 Hektar Fläche zwischen Karlsburg und Steinfurth bewirtschaftete seine Frucht & Obst GmbH. Eigenen Angaben zur Folge investierte der Holländer insgesamt etwa drei Millionen Euro in den Betrieb, der bis zu 60 Mitarbeiter zählte und dessen Jahresumsatz sich im zweistelligen Millionenbereich bewegt habe. Doch der Erfolg blieb aus. „Bis 2003 erfolgte die Produktion von Erdbeeren im großen Stil. Aufgrund der ungleichen Kosten – die Produktionskosten überstiegen dann die Einnahmen – kam es zur Insolvenz“ schildert Alofs.

Loddiner „Ferienparadies“ nur auf dem Papier

Auch ein Neuanfang mit der FnO Europlant Deutschland scheiterte Ende 2005. Es folgten staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen des Verdachts es betrügerischen Bankrotts. Mittels einer Zeitarbeitsfirma, die Alofs in Holland betrieb, hielt er sich bis zu deren Verkauf 2009 finanziell noch über Wasser. Im selben Jahr verkündete Alofs, in Loddin, wo er mit seiner Familie seit 2007 ein exklusives Haus im „Diplomatenviertel“ bewohnte, an der Bundesstraße 111 den Erlebnishof „Mareikes Familienparadies“ errichten zu wollen. Doch auch aus diesem als Konkurrenz zu den Plänen von Karl’s Erdbeerhof in Koserow angelegten Zehn-Millionen-Euro-Projekt wurde nichts.

Auf einer ein Hektar großen Fläche ließ der Holländer damals ein gewaltiges Wasserbecken anlegen, um seine Erdbeerkulturen beregnen zu können. Pumpen, Rohrleitungen und Teichfolie verschwanden in unbekannte Richtung. Quelle: Tom Schröter

28 Hektar Fläche in Karlsburg seien ihm geblieben – als Betriebsvermögen seiner Firma InteSym. Darauf stehen nur noch Ruinen. Das nach dem Umbau einer alten Scheune entstandene Erdbeerpflücker-Hotel, das den zumeist polnischen Mitarbeitern als Unterkunft diente, wurde seit 2008 immer wieder von Dieben heimgesucht. Ebenso zwei Wohnhäuser sowie die Nebengebäude und Produktionsanlagen, wie das mobile Beregnungssystem und das dazugehörige riesige Wasserbecken.

„2013 brannte meine Erdbeerlagerhalle“

„Nach und nach sind alle Gegenstände verschwunden, die irgendeinen Wert hatten“, berichtet Alofs. Elektrokabel, Heizkörper, Kupferleitungen, Wasserrohre, Sanitäranlagen, Dämmwolle und selbst Trapezdachbleche wurden demontiert und fortgeschleppt. „2013 ging meine Erdbeerlagerhalle plötzlich in Flammen auf. Zu diesem Zeitpunkt waren dort unter anderem Kupferrohre, Kabel, Verdampfer, elektrische Lüfter und die Rolltore schon nicht mehr vorhanden.“

Der Hof am Karolinenweg wird seit Jahren als illegale Müllkippe missbraucht. Mittlerweile lagern hier auch Asbest, Dämmwolle und weiterer Sondermüll. Quelle: Tom Schröter

Alofs Grundstücke verkamen so im Laufe der Jahre zu einer Art Selbstbedienungsladen und dienten immer öfter als illegale Müllkippe. Auch Sondermüll, wie Asbest, Dämmung und Traktorreifen lagern hier, ebenso Bauschutt, Haus- und Sperrmüll. Immer wieder habe er Anzeige bei der Polizei erstattet. Doch immer aufs Neue stellten sich die Diebe ein. „Die Anwohner müssen doch gesehen haben, wer dort Gegenstände gestohlen hat“, mutmaßt René Alofs. „Irgendwo müssen die Dinge doch aufgetaucht sein.“ Nun hofft der Wolgaster, dass bei der Polizei Hinweise eingehen, damit die Diebstahlserie aufgerollt werden kann.

Künftig Photovoltaikanlagen geplant

Und was soll mit den Immobilien geschehen? Alofs hat wieder neue Ideen: Er plant, seine Ackerflächen für 30 Jahre an ein Unternehmen zu verpachten, das darauf Photovoltaikanlagen installieren möchte. Dieses Projekt erscheint ihm lukrativer als der Erdbeeranbau. Und: Im selben Zuge sollen auch die Altlasten aus dem an sich reizvollen Landstrich verschwinden.

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Tom Schröter