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Usedom Katastrophal: Feuchtigkeit vermiest Bauern die Ernte
Vorpommern Usedom Katastrophal: Feuchtigkeit vermiest Bauern die Ernte
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00:00 04.08.2017
Beim Drusch der Wintergerste: Norbert Räsch (59) aus Liepe ist mit seinem Mähdrescher auf dem Feld nahe Gneventhin unterwegs. FOTOS (2): HENRIK NITZSCHE
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Usedom

Norbert Räsch kämpft mit seinem 550-PS-Gefährt. Immer wieder versinken die riesigen Reifen des Mähdreschers in dem morastigen Boden, sodass der Lieper oft zurücksetzen muss. Dann ist eine neue Spur gefragt, um die Wintergerste mit seinem 7,50 Meter breiten Schneidwerk zu dreschen. „Hier fährt man wie auf Eiern. Der Boden ist einfach zu feucht. So einen Sommer mit so viel Niederschlag hatten wir schon Jahre nicht mehr“, sagt der 59-Jährige von der Agrar GmbH Usedom.

Agrar GmbH Usedom erntet derzeit Wintergerste / Schlechtes Wetter bringt Zeitverzug / Enorme Trocknungskosten schmälern Erlös

Und Räsch muss es wissen – seit 44 Jahren ist er in der Landwirtschaft. Angefangen hat er mit einer Maschine ohne Kabine, heute sitzt er auf einem überdachten Hightech-Teil mit Allradantrieb, Ledersitzen, Klimaanlage und GPS. In diesen Wochen sind die Mähdrescher im Dauereinsatz. Das Getreide muss vom Feld. Immerhin bewirtschaftet das Unternehmen über 1500 Hektar, dazu kommen noch über 700 Kühe.

„Wir sind mehrere Wochen in Verzug. Der Regen macht uns zu schaffen“, sagt Jörg Espig, Geschäftsführer der Agrar GmbH. Er fasst den Erntesommer in einem Wort zusammen: „Katastrophal. Bis zum 15. Juli war die Welt noch in Ordnung. Wir hatten pünktlich mit der Gerste begonnen, bevor der große Regen kam. Seitdem konnten wir nur noch punktuell dreschen“, so Espig, dessen Firma seit 26 Jahren auf dem Markt ist.

Raps, Weizen, Roggen – in dieser Folge werden die Kulturen auf den Feldern rund um die Stadt Usedom, den Usedomer Winkel und den Lieper Winkel abgeerntet. „In vier Wochen müssen wir durch sein, egal was noch kommt“, sieht sich der Geschäftsführer unter Zugzwang angesichts der sommerlichen Wetterunbilden wie Gewitter und Starkregen. Neben 130 Hektar Gerste müssen die Usedomer 130 Hektar Raps, 280 Hektar Weizen und 100 Hektar Roggen runter schneiden. Dass das zu schaffen ist, davon geht Espig aus. „Unser großes Problem ist aber der Feuchtegrad des Getreides. Der liegt über der Norm, so dass auf uns erhebliche Trocknungskosten zukommen, die den Erlös schmälern.“ Espig rechnet mit rund 40000 Euro, die dem Betrieb verloren gehen. „Dazu kommen die Weltmarktpreise, die im Keller sind.

Für eine Tonne Gerste bekomme ich 135 Euro, im vergangenen Jahr waren es noch 155“, sagt der Chef, der inzwischen 32 Angestellte hat.

Und die sind in diesen Tagen mit Traktoren und Mähdreschern im Dauereinsatz. Wenn Espigs Wetter-Apps – er hat inzwischen drei – mal keinen Regen voraussagen, schickt er seine Männer aufs Feld.

So wie Roland Schiemann, der nahe Gneventhin mit seinem Traktor und zwei Anhängern auf seinen Kollegen Norbert Räsch wartet. Während der sich mit dem Mähdrescher durch den feuchten Lehmboden quält, schaut Schiemann nach oben: „Oh, da wird wohl bald der nächste Schauer kommen.“

Die Hauptabnehmer des Getreides der Agrar GmbH sind die Ceravis AG Usedom und die HaGe Nordland Anklam.

Kreis: So viele Betriebe

757Bauern und Unternehmen gibt es derzeit in der Landwirtschaft im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Sie bewirtschaften insgesamt im Kreis eine Fläche von knapp 230 000 Hektar.1535 Hektar bewirtschaftet die Agrar GmbH Usedom rund um die Stadt Usedom, den Usedomer und Lieper Winkel sowie in Stolpe. Das Unternehmen ist Eigentümer von 595 Hektar, der Rest sind Pachtflächen.

Henrik Nitzsche

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