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Usedom Fahrradfahren auf der Schwimmnudel
Vorpommern Usedom Fahrradfahren auf der Schwimmnudel
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16:48 12.12.2018
Im Projekt „Rette sich, wer's kann“ lernen die älteren Kinder der Bansiner DRK-Kita „Waldzwerge“ in der Ostseetherme schwimmen. Schwimmlehrer Michal Stefaniak hilft beim Rückenschwimmen.
Im Projekt „Rette sich, wer's kann“ lernen die älteren Kinder der Bansiner DRK-Kita „Waldzwerge“ in der Ostseetherme schwimmen. Schwimmlehrer Michal Stefaniak hilft beim Rückenschwimmen. Quelle: Henrik Nitzsche
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Ahlbeck/Bansin

Schwimmlehrer Michal Stefaniak achtet auf die Details. „Den Kopf gerade halten und atmen“, ruft er Christopher im kleinen Becken der Ahlbecker Ostseetherme zu. Der sechsjährige Junge liegt auf dem Rücken und schwimmt zum anderen Beckenrand.

Es ist Montagmorgen, kurz nach 9 Uhr: Die Therme ist für den Badebetrieb noch geschlossen, für das Projekt „Rette sich, wer’s kann“ aber nicht. Seit gut zwei Jahren betreibt der DRK-Kreisverband Ostvorpommern-Greifswald das Projekt, damit die älteren Kinder der DRK-Kita „Waldzwerge“ in Bansin schwimmen lernen. Ins Wasser geht es von Oktober bis Juni – immer montags, immer für eine Stunde. Die OZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ unterstützt das Vorhaben, weil von dem Angebot auch andere Kindertagesstätten profitieren sollen.

Heute sind es nur neun Kinder von den Waldzwergen. „Die Grippe. Sonst sind wir 15“, sagt Bernd Gansau. Der Bansiner ist Hausmeister und Kindertagespfleger – quasi Mädchen für alles in der Kita. Er betreut die Knirpse mit Nikola Bayer. Die 18-Jährige ist von der DRK Wasserwacht Zinnowitz und macht ihren Bundesfreiwilligendienst. Im Winter unterstützt sie in der Kita, im Sommer wacht sie auf den Rettungstürmen der Kaiserbäder.

Nach einer kurzen Erwärmung geht es in Wasser. Im Kinderbecken stehen Atemübungen auf dem Programm. Michal Stefaniak, der auch Rettungsschwimmer ist, gibt die Kommandos: „Einatmen, durch die Nase ausatmen. Rechtes Ohr unter Wasser, linkes Ohr.“ Nächste Übung: Die Kinder legen sich im Wasser auf den Rücken. „Wir gucken auf Himmel und Wolken“, so der Swinemünder. Der Blick durch die Decken-Glasfront ist düster und grau. Draußen sind es nasskalte 5 Grad, im Wasser um die 30 Grad. „Klar, dass sich die Kinder jeden Montag auf diese Stunde freuen“, betont Gansau, der jetzt wieder mit seinen beiden Mitstreitern gefordert ist. Vom Kinderareal geht es nämlich ins benachbarte größere Becken. Selbständig auf dem Wasser liegen, Rückenschwimmen, Fahrradfahren auf der Nudel, Luftanhalten unter Wasser – eine halbe Stunde ist vorbei. „Oberste Priorität ist gar nicht, dass die Kinder schwimmen müssen. Wir wollen ihnen die Angst vor dem Wasser nehmen, nicht aber die Achtung“, sagt Gansau, der von Anfang an dabei ist. Beim vergangenen Kurs hätten sechs Kinder sogar ihr „Seepferdchen“ gemacht. „Der Erfolg stellt sich schnell ein“, so der 60-Jährige. Ein Beispiel sei Pia: „Sie hatte anfangs viel Angst vor dem Wasser. Jetzt taucht sie und springt vom Becken, mit soviel Freude.“

In dem Projekt geht es aber auch darum, den Kindern beizubringen, dass man immer Baderegeln einhalten muss, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Gerade in diesem Jahr haben Stefaniak und seine Rettungsschwimmer-Kollegen angesichts des sehr heißen Sommers gemerkt, wie wichtig, ja überlebenswichtig es ist, dass Kinder frühzeitig schwimmen lernen.

Gordian (6) beherrscht das schon sehr gut. Geschmeidig gleitet er beim Rückenschwimmen übers Wasser – Nikola Bayer ist aber ganz in seiner Nähe. „Ruhig. Bauchnabel hoch“, sagt sie. Jetzt kurz einatmen, durch die Nudel tauchen und wieder ausatmen. Geschafft! Pause. Auf die Waldzwerge wartet nun der Hai-Alarm. Michal Stefaniak mimt den Raubfisch und kreist zwischen den Kindern, die sich an ihre Schwimmnudeln krallen.

Es ist kurz vor zehn: Im großen Becken dürfen die kleinen „Zwerge“ nun noch das Springen ins Wasser üben. Pia, ganz klar, geht vorne weg. „Für heute ist Schluss“, ruft Bernd Gansau in die Runde. „Bis nächsten Montag“, verabschiedet er Michal Stefaniak. Duschen, Umziehen und dann raus ins fünf Grad kalte Grau. Da wartet dann der Bus auf die Waldzwerge.

Mit dem Schwimmlehrer in der Ostseetherme

Henrik Nitzsche

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