Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom Kleine Häfen kämpfen um ihre Zukunft
Vorpommern Usedom Kleine Häfen kämpfen um ihre Zukunft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
00:00 23.11.2017
Anzeige
Lubmin

Die kleinen vorpommerschen Häfen haben schon bessere Zeiten gesehen. An allen sieben Standorten zwischen Barth und Berndshof bei Ueckermünde wurde 2016 weniger Fracht angelandet als in der Vergangenheit. Das machte Jens-Uwe Zingler auf einer Diskussionsrunde der SPD zum Strukturwandel der Wirtschaftshäfen im östlichen Landesteil in Lubmin deutlich.

Zingler ist der für Häfen zuständige Referatsleiter im Schweriner Imfrastrukturministerium. Ihm zufolge hat es Wolgast besonders getroffen. Dort sank der Umschlag über die Kaikante im Vergleich mit 2010 von 479000 Tonnen auf 128000 Tonnen im Jahr.

Alle Häfen sollten mit Mukran kooperieren

Auf dem Forum sollten Ideen für Entwicklungsperspektiven der Hafenlandschaft zusammengetragen werden, um den Negativ-Trend zu stoppen. Angesichts der Konkurrenz und der Investitionen in Rostock, Stettin und Swinemünde sei mehr Kooperation dringend nötig, hieß es auf dem Forum. Laut dem Hamburger Experten Birger Hagen entscheiden vor allem Tiefgang und Ladegeschwindigkeit über den Erfolg von Häfen. Da schneiden Rostock und Swinemünde deutlich besser ab als die vorpommersche Konkurrenz.

Ein erster Versuch für mehr Zusammenarbeit noch zu Zeiten von Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) habe nur bescheidene Ergebnisse gebracht, erinnerte Rolf Kammann, Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern. „Noch immer kämpft jeder mehr oder weniger für sich.“ Das positive Beispiel ist Vierow, das eine strategische Partnerschaft mit Mukran einging. Die Tochterfirma Viela Export GmbH schlägt seit 2012 Getreide über diesen Hafen um. „Auf Rügen gibt es den einzigen Tiefwasserhafen“, begründet Geschäftsführer Henning Bligenthal das Engagement. Damit könnten dort auch größere Schiffe beladen werden, nachdem die Fracht mit kleineren Fahrzeugen nach Mukran gebracht wurde. „Wenn es keine Ansiedlung von Industrie gibt, wird es auch nicht mehr Fracht geben, eher weniger“, verdeutlichte Bligenthal die Probleme der Zukunft. „Häfen sind nur ein Punkt in der Logistikkette. Wir werden früher oder später alle gezwungen sein, zu kooperieren. Das darf keine fünf Jahre mehr dauern.“ Bligenthal riet allen Hafenbetreibern, ebenfalls mit Sassnitz/Mukran zu kooperieren.

Häfen spielen in der ersten, zweiten und dritten Liga

Sassnitz und Stralsund spielen in einer anderen Liga und haben ihre Position am Markt gefunden“, sagt Rolf Kammann. „Nach Rostock und Wismar sind es die größten Häfen des Landes. Stralsund konnte die durch die Umstrukturierung im Werftbereich entstandenen Probleme mehr als kompensieren. Unser einziger Seehafen Mukran ist stark bei der Umsetzung von Projekten und im Offshore-Bereich.“ Die Wirtschaftshäfen Barth, Greifswald-Ladebow, Wolgast, Anklam/Jarmen und Berndshof bei Ueckermünde spielten anders als Mukran und Stralsund nur in der der zweiten beziehungsweise dritten Liga, schätzt Kammann ein.

Ein vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Stralsund gewünschte Konzept für die Häfen in MV lehnt Zingler ab. Das würde nichts bringen, weil keiner wisse, was in 20 bis 30 Jahren sein wird, begründet er. „Vor zwei Jahrzehnten hätten alle geglaubt, dass die Zukunft von Sassnitz/Mukran im Fährverkehr liegt“, begründete er. „Der ist aber weitgehend zum Erliegen gekommen.“ Die Wiedergeburt einer Fährlinie von Mukran Richtung Russland/Finnland ist indes äußerst unwahrscheinlich. Die gibt es nicht, wenn der Swinetunnel für die bessere Anbindung von Swinemünde gebaut wird, so Heiko Wenzel, der für die Landesregierung ein Gutachten über die Auswirkungen dieses polnischen Projekts erstellt hat.

Alle Standorte seien wichtig, betonte Kammann. Von sehr hoher Bedeutung seien Sassnitz-Mukran und Lubmin, weil sich dort Gewerbegebiete von landesweiter Bedeutung befänden. „Lubmin zeigt, dass ein Industriehafen und maritimer Tourismus kein Widerspruch sein müssen“, so Kammann. „Ich war da anfangs skeptisch.“

Anbindungen per Schiene und Straße verbesserungswürdig

Wirtschaftsförderer würden Häfen auch nach der Verfügbarkeit von Flächen für Ansiedlungen beurteilen. „In Lubmin und Mukran gibt es die in Größenordnungen, während in Ladebow nur noch bescheidene Restflächen vorhanden sind“, so Kammann. Er sieht Steigerungspotenzial beim Umschlag per Bahn, der derzeit noch sehr gering sei. „Die Schienenanbindung der meisten Häfen ist eine Stärke“, schätzt er ein. Aber sie sei nicht optimal, weil keine Elektroloks verkehren könnten und Rangiermöglichkeiten fehlen. Verbesserungen könnte ein in Greifswald geplantes Rangiergleis bringen.

Auch sei die Straßenanbindung in Lubmin und Berndshof bei Ueckermünde nicht optimal, meint Kammann. Er wünscht sich mehr Engagement aus den Regionen für die Vollendung der Ortsumgehung Greifswald Richtung Lubmin und Ueckermünde. Sassnitz/Mukran sei mit dem Ausbau der B 96 dagegen gut angebunden. „Auch wenn ich mir das zehn bis 15 Jahre früher gewünscht hätte.“

Eckhard Oberdörfer

Mehr zum Thema

Der Hobbyfilmer Siegfried Casper hat den gesamten Bau der Autobahn 20 mit der Kamera begleitet. Der 78-Jährige filmte auch dort, wo heute ein riesiges Loch in der Fahrbahn klafft. Kann er das Rätsel um die „Salzstangen“ lösen?

18.11.2017

Die Hafenstädter selbst wollen ihren Port für Dauerlieger erweitern. Alte Studie erteilt Standort Prora aus Gründen des Küstenschutzes eine Absage.

22.11.2017

Maik Wittenbecher, Geschäftsführer der hiesigen Marketing GmbH, spricht im OZ-Interview über das Tourismusplus, fehlende Bettenkapazitäten und den geschlossenen Campingplatz

22.11.2017

Katzower Kunsthandwerker und Heringsdorfer Karnevalisten laden am Wochenende Gäste ein

23.11.2017

Für 15 Kinder der Kita Sankt Marienstift aus Wolgast gab es jetzt einen aufregenden Abschluss des Projektes „Hier geht’s um die Milch“.

23.11.2017

Die Mitstreiter des Bansiner Inselklubs feiern morgen ihr Jubiläum

23.11.2017