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Usedom Kostenloses Schülerticket nicht in Sicht
Vorpommern Usedom Kostenloses Schülerticket nicht in Sicht
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16:20 03.02.2019
Kinder in Greifswald vor einem Schulbus: Die kostenlose Schülerbeförderung im Landkreis Vorpommern-Greifswald ist mittlerweile ein Dauerthema in der politischen Diskussion. Quelle: foto: Christopher Gottschalk
Vorpommern-Greifswald

Christine Bensch, Mutter von vier schulpflichtigen Kindern, wohnt mit ihrer Familie in Sanz Hof III in der Gemeinde Groß Kiesow. „Die nächste Bushaltestelle ist über drei Kilometer Fußmarsch entfernt“, sagt sie. Pech für die resolute Frau. Da sie ihren ältesten Sohn nicht bei Wind und Wetter laufen lassen will, chauffiert sie ihn morgens und nachmittags mit dem eigenen Auto. „Die anderen drei werden von einem Taxi abgeholt und nach Züssow und Anklam gefahren“, erzählt sie. In der Freizeit mal fix mit dem Nahverkehr zur Schwimmhalle oder ins Kino? Illusion! Den Streit auf politischem Parkett um das Schüler- oder Schülerfreizeitticket findet sie deshalb „voll daneben“. „Wissen die in den Ausschüssen überhaupt, dass bei uns und in anderen Dörfern gar keine Busse fahren“, fragt Christine Bensch verärgert.

Fakt ist: Der Kreistag von Vorpommern-Greifswald hat die Verwaltung im vorigen Sommer beauftragt, bis Jahresende 2018 die Einführung eines „kreisweiten, verkehrsmittelübergreifenden und kostenfreien Schülertickets“ zu prüfen“. Eine Beschlussvorlage wurde jetzt auch in den Fachgremien kontrovers diskutiert. Indes: auf die Tagesordnung des Kreistages am 18. Februar kommt sie nicht. Der nichtöffentlich tagende Kreisausschuss hat „mehrheitlich entschieden, dass die Vorlage in die Verwaltung zurückverwiesen wird“, bestätigt der zuständige Dezernent Jörg Hasselmann (CDU) auf OZ-Anfrage. Die Kritik: zu viele Fragen offen, zu unreif das Papier. Das sieht Hasselmann jetzt ähnlich: „Verschiedene Aspekte gilt es noch zu klären, darunter auch die finanziellen“, sagte er am Freitag. Dabei hatte er noch eine Woche zuvor dem Wirtschafts- und Bildungsausschuss erklärt, froh zu sein, diesen Vorschlag jetzt unterbreiten zu können – gemeinsam mit dem Vorschlag zur Einführung eines Schülerfreizeittickets. Offenbar ein Schnellschuss, denn ein kostenfreies Ticket zur Schule und für die Freizeit gehörte zu den großen Wahlversprechen des neuen Landrats Michael Sack (CDU), der seit Oktober im Amt ist.

Eltern fühlen sich missachtet

Beim Kreiselternrat stößt das Hickhack auf großen Unmut. „Ich habe den Eindruck, dass die Politik vor der Kommunalwahl noch schnell etwas auf den Weg bringen wollte – allerdings ohne Beachtung des Elternwillens und ohne verlässliche Grundlagen“, macht Vorsitzender Mario Riedel seinem Ärger Luft. Sein Vorwurf, nachdem er an etlichen öffentlichen Beratungen zu diesem Thema teilnahm: „Viele Ausschussmitglieder verstehen überhaupt nicht die Unterschiede der einzelnen Tickets, entscheiden aber trotzdem.“

In der Tat ist die Materie kompliziert: Das Schülerfreizeitticket, das die außerschulische Mobilität der Kinder verbessern soll und von den Ausschüssen auch mehrheitlich für den Kreistag empfohlen wurde, soll acht Euro pro Monat kosten und täglich ab 14 Uhr gelten sowie ganztags an schulfreien Tagen. „Für die Greifswalder Kinder ist das toll, weil wir einen guten Nahverkehr haben. Dasselbe trifft auf Usedom zu“, sagt Yvonne Görs (Linke), Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses. „Doch die Kinder auf dem Land haben nichts davon, weil in den Dörfern kaum Busse fahren“, stellt Andrea Bogdan vom Kreiselternrat klar.

In Ferienzeiten wenig Nahverkehr auf dem Land

Mario Riedel verdeutlicht: „Der Landkreis hat einen öffentlichen Personennahverkehr mit integriertem Schülerverkehr. Deshalb fragen wir uns, warum in den Ferienzeiten kein öffentlicher Nahverkehr fährt?“ Waldemar Okon von den Grünen, Vizevorsitzender des Wirtschaftsausschusses: „Deshalb ist das Schülerfreizeitticket eine Mogelpackung: Eltern sollen acht Euro zahlen, obwohl sie dafür kein besseres Angebot bekommen.“ Eine Forderung der Grünen laute daher, den Nahverkehr auszubauen. Dem schließt sich die SPD vorbehaltlos an: „Wir brauchen auf dem Land mehr Verbindungen, auch an den Abenden und an Wochenenden“, so Monique Wölk. Zudem befürworte die SPD eine kostenlose Beförderung aller Kinder und Azubis zur Schule. „Und zwar nicht nur zur örtlich zuständigen Schule, sondern auch zur nicht zuständigen Schule“, betont sie.

Die Ausgestaltung dieser Schülerbeförderung wiederum ist Inhalt der Vorlage zum „kostenfreien Ticket für Schüler und Azubis“, die von der Verwaltung jetzt überarbeitet werden soll. Der Vorwurf der Grünen: „Die Zahlen der Schüler korrespondieren nicht mit den Kosten“, so Okon und fordert wiederholt einen Sonderausschuss zur Schülerbeförderung.

Rostock Maximalvariante

Dabei sind andere Landkreise viel weiter und machen es vor: Die Stadt Rostock plant ab 2020 die kostenlose Beförderung von Kindern in Bus und Bahn – nicht nur zur Schule, sondern auch in der Freizeit. 3,3 Millionen Euro will die Stadt dafür berappen. Die Variante wurde auch in Vorpommern-Greifswald gedanklich gespielt, „ist aber mit 8,3 Millionen Euro nicht finanzierbar“, so Dezernent Hasselmann. Der Jugendhilfeausschuss plädierte trotzdem dafür, „um ein Signal zu setzen“, sagt Tino Höfert vom Kreisjugendring.

Vorpommern-Rügen indes beschloss ein Modell, wonach der Kreis auch die Beförderung zur nicht zuständigen Schule finanziert. „Allerdings nur bis zur Kreisgrenze. Fahren Kinder zum Beispiel von Rügen zur Waldorfschule nach Greifswald, müssen Eltern den Rest der Strecke selbst tragen“, sagt Ursula Lüdtke vom Landeselternrat. Und es gibt eine Mindestentfernung zur Schule von zwei (Klasse 1 bis 4) beziehungsweise vier Kilometern (ab Klasse 5).

Nächster Verwaltungsvorschlag wird dauern

Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wurde die Satzung zur Schülerbeförderung dahingehend geändert, dass die Mindestentfernung eines zumutbaren Schulweges von zwei beziehungsweise vier Kilometern wegfällt. Dasselbe Modell präferierte jetzt die Verwaltung von Vorpommern-Greifswald. Geschätzte Kosten für den Kreis: 700 000 Euro. Damit könnte auch der älteste Sohn von Christine Bensch auf eine Schülerbeförderung hoffen. Indes: Ein Beschluss rückt in die Ferne. „So schnell können wir keine neue Vorlage zum Schülerticket erarbeiten. Das ist in acht Wochen nicht zu machen“, sagt Dezernent Hasselmann gegenüber der OZ.

Für den Kreiselternrat ist das frustrierend: „Uns geht es immer noch um ein Ticket für alle, das rund um die Uhr, an Schul- und an Ferientagen gilt – und zwar für ganz MV“, sagt Mario Riedel und ist enttäuscht, wie schnell sich anscheinend das Wahlversprechen eines Landrats in Luft auflöst.

Petra Hase

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