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Usedom Das sind die Pläne für das Kreiskrankenhaus Wolgast 2020
Vorpommern Usedom

Krankenhaus Wolgast erhält 2020 nach Umbau sechste Bettenstation

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20:41 16.12.2019
Peter Hingst ist seit Juli dieses Jahres Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses Wolgast. An der Stelle, wo das Foto aufgenommen wurde, soll in zwei Jahren die neue Notaufnahme stehen. Quelle: Cornelia Meerkatz
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Wolgast

Angesichts der politischen Debatte um kleine Krankenhäuser in MV sprach die OZ mit Peter Hingst, Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses Wolgast, über die Zukunft des Hauses und die Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative.

OZ: Im KKH wurden im November zwei Stationen, die Innere und die Chirurgie, zusammengelegt. Was waren die Gründe dafür? Patientenmangel oder zu wenig Personal?

Peter Hingst: Einerseits wurden wir weniger nachgefragt. Das kann zwei Gründe haben. Entweder sind die Leute so gesund, dass sie nicht ins Krankenhaus müssen oder die Nachfrage ist gesunken, sodass sie woanders hingehen. Andererseits gibt es kein Krankenhaus – und Wolgast ist keine Ausnahme – wo nicht dringend Ärzte, Pflegepersonal und Reinigungskräfte gesucht werden. Und wenn Stationen aus diesen Gründen nicht ausgelastet sind, habe ich beigebracht bekommen, dass es sinnvoll ist, Stationen zusammenzulegen, um eine 85-prozentige oder bessere Auslastung hinzubekommen. Dadurch bleiben mehr Pflegeminuten beim Patienten und der Dienstplan ist auch günstiger zu gestalten.

Wird die Zusammenlegung wieder rückgängig gemacht und wann?

Sie wird auf jeden Fall wieder rückgängig gemacht. Denn nächstes Jahr im Oktober kriegen wir unsere sechste Bettenstation. Wir haben dann ein Konstrukt, bei dem alle Stationen offen sind, es gibt nur noch 2-Bett-Zimmer mit Bad. Dann sind 18 bis 19 Patienten auf einer Station und wir brauchen ja pro Schicht mindestens zwei Pflegekräfte. Die Landesregierung hat dieses Haus mit unwahrscheinlich viel Geld ausgestattet, daher müssen wir mit diesem Pfund wuchern. Wir werden ganz bestimmt keine Station schließen, aber der Zuschnitt wird anders.

Variables Reagieren auf wechselnde Bedarfe

Was ist darunter zu verstehen?

Es gibt dann eine Station 1a, 1b, 2a, 2b, 3a, 3b – entsprechend der Bettenzahl des Landeskrankenhausplanes. Damit können wir zwischen den Bedarfen variieren, mal braucht man in einem Bereich mehr Betten, mal im anderen. Damit stehen wir immer hinter unserem Versorgungsauftrag. Wer hier internistisch behandelt werden muss, wird das auch. Kommen aber vier Wochen weniger Patienten in diesem Bereich, kann das Bett auch von der Chirurgie genutzt werden. Wir reagieren damit auf die Bedarfe. Natürlich muss das Ganze noch mit dem Betriebsrat abgestimmt werden, aber ich bin da zuversichtlich.

Dahinter verbirgt sich auch das Bekenntnis, dass das Wolgaster Krankenhaus ewig bestehen wird. Und wir werden ab Herbst, das verspreche ich, mit dieser Regelung ein besonders pflegerisches Konzept haben, dass es in anderen Krankenhäusern der Region nicht gibt.

Das Bekenntnis zum Erhalt des Standortes Wolgast wird die Bürgerinitiative freuen. Wie sehen Sie Ihr Verhältnis zur BI, die ja am 17. Dezember eine Sondermahnwache als Sympathiebekundung mit Crivitz und Parchim veranstaltet?

Der Zustand ist sicher noch nicht optimal. Aber es gab schon vor meiner Zeit Vereinbarungen, dass man aufeinander zugeht. Daran halte ich fest. Ich treffe mich mit der BI-Vorsitzenden Anke Kieser und der Stellvertreterin Dr. Brigitte Knappik am 18. Dezember zu einem Gespräch, an dem auch Bürgermeister Stefan Weigler teilnimmt. Ich möchte mit allen reden, weil ich mir wünsche, dass sich endlich ein Verein der Freunde und Förderer des Kreiskrankenhauses Wolgast gründet mit dem Satzungszweck Erhalt des Kreiskrankenhauses. Wenn das geschieht, trete ich sofort in den Verein ein.

Haben Sie Verständnis für die Sondermahnwache?

Ich finde, dass es sinnvoller wäre, wenn 100 Mann nach Schwerin fahren und dort ihren Unmut kundtun, anstatt vor dem Kreiskrankenhaus Wolgast für Crivitz zu protestieren. Das setzt das falsche Signal, gerade für Vorbeikommende. Denn wir wollen den Standort Wolgast doch erhalten.

Neue Notaufnahme für acht Millionen Euro

Wolgast soll eine neue Notaufnahme erhalten. Geredet wird schon lange, doch wann beginnen die Bauarbeiten?

Das Land stellt für die neue Notaufnahme acht Millionen Euro zur Verfügung. Wir haben jetzt einen Plan an das Land gegeben, was genau für die acht Millionen Euro gebaut werden soll. Der muss bestätigt werden, dann wird ausgeschrieben. Sicher hätte alles schneller gehen können, aber ich denke, eine neue Notaufnahme ist dann 20 Jahre schick. Wenn sie dann nicht 2020 fertig wird, wie mal angedacht, sondern erst 2022, ist das immer noch besser als wenn gar nicht gebaut wird.

Wenn gebaut wird, wird dann auch der Eingangsbereich, sprich die Zufahrt zum Krankenhaus verändert? Vor allem wegen der Enge werden Krankenwagen ja gezwungen, sehr langsam zu fahren.

Es gibt Vorstellungen dazu, dass es am Ende nicht mehr so aussieht wie jetzt, sondern sehr viel komfortabler für die Krankenwagen ist.

Wie steht es um die Kinderportalpraxisklinik, wie ist die Auslastung?

Die Auslastung ist gering, dennoch gibt es für die nächsten drei Jahre eine Folgefinanzierung durch das Land. Damit wird an der Kinderportalpraxisklinik nicht gerüttelt. Was die Auslastung anbelangt, gab es lediglich einen Monat mit besonders starker Nachfrage, das war der August mit 300 kleinen Patienten. Das war Urlaubszeit und das zeigt, dass es wichtig ist, die Tourismusregion Insel Usedom immer als Argument mit einzubeziehen, so wie es Wirtschaftsminister Harry Glawe getan hat.

Neue Kinderarztpraxis zum 1. April

Was ist mit der neuen Kinderarztpraxis, die eigentlich zum Jahresende fertig sein sollte?

Wir kriegen die Kinderarztpraxis zum 1. April fertig. Das hängt damit zusammen, dass sich auf die Ausschreibung kein einziger Handwerker gemeldet hat. Damit aber gebaut wird, hat die Unimedizin, die Rahmenverträge mit Handwerksfirmen hat, ausgeholfen. Diese Handwerksbetriebe richten jetzt die Kinderarztpraxis her.

Stichpunkt Geriatrieprofessor: Die Universitätsmedizin hatte schon im vergangenen Jahr angekündigt, dass es diesen ersten und einzigen Lehrstuhl an der Uni Greifswald geben wird und der Mann dann in Wolgast tätig ist. Wann beginnt der Mann seine Tätigkeit?

Prof. Maik Gollasch aus der Charité hat am 16. Dezember begonnen, am 19. Dezember wird er sich den Mitarbeitern hier in Wolgast als neuer Chefarzt der Geriatrie vorstellen. Er ist auch deshalb hierher gekommen, weil er sich sein Leben lang mit Geriatrie beschäftigt hat. Durch die Community Medicine in Greifswald, also die Versorgungsforschung, hat er zugleich die Möglichkeit, auch praktisch weiterzuforschen.

Offene Arzt-Stellen durch Honorarkräfte besetzt

Wie viele freie Stellen hat das Kreiskrankenhaus derzeit im Pflegebereich und bei den Ärzten?

Erstens: Wir haben in der Pflege genau so viele besetzte Stellen wie im Vorjahr. Dennoch haben wir elf unbesetzte Stellen, weil wir im Vergleich zum Vorjahr durch das neue Pflegestärkungsgesetz neue Stellen aufbauen konnten.

Bei den Ärzten sieht es so aus, dass nicht alle Stellen besetzt sind. Wir arbeiten mit Honorarärzten und besetzen auf diese Weise die freien Stellen. Das haben wir bereits praktiziert und werden davon auch weiter Gebrauch machen. Denn es ist ein generelles Problem, Ärzte zu finden. Das liegt an politischen Entscheidungen von vor 20 Jahren, die nicht getroffen worden sind. Sprich, die Zulassungszahlen zum Medizinstudium wurden nicht erhöht, obwohl man wusste, dass Ärzte gebraucht werden.

Wird wegen des Personalmangels wieder in Wolgast ausgebildet?

Sehr gute Frage, denn so kann ich mit einem Missverständnis aufräumen: Das Berufsschulreformgesetz in MV ist schuld, dass die Pflegeausbildung in Wolgast beendet wurde. Dieses Gesetz schreibt vor, dass Berufsschulen so groß sein müssen, dass mindestens 400 Schüler täglich vor Ort sind. Als es in Wolgast noch drei Lehrerstellen gab, haben wir einen Trick angewandt und Wolgast als Außenstelle der Greifswalder Pflegefachschule deklariert.

Als eine der drei Lehrerinnen in Rente ging, war der Trick hinfällig. Denn in der Arbeitszeit eines Berufsschullehrers wird nicht angerechnet, dass er in Greifswald angestellt ist und erst nach Wolgast fahren muss, um zu unterrichten. Deshalb mussten die Berufsschüler zu den Lehrern gebracht werden. Dazu kam, dass es in Wolgast wesentlich höhere Ausbildungsvergütungen gab. Angehende Pflegefachkräfte verdienten in Wolgast einen Hunderter mehr als in Greifswald. Deshalb haben wir alle Auszubildenden bei der Universitätsmedizin angesiedelt, damit alle gleich behandelt werden.

... und weniger bezahlt werden muss. Denn es wurde ja die niedrigere Vergütung gewählt. Das stimmt doch?

Ja, die Auszubildenden bekamen die niedrigere Vergütung, weil wir nicht höher gehen konnten. Denn es muss auch gegenfinanziert sein. Jetzt werden alle gleich bezahlt. Aber ich habe mich im Juli, als ich hierher gekommen bin, aus dem Fenster gelehnt und gesagt, dass angesichts der Gleichbehandlung auch wieder in Wolgast ausgebildet werden kann. Wir suchen jetzt gezielt junge Leute, die den Ausbildungsort Wolgast bewusst wählen. Sie kriegen einen Ausbildungsvertrag mit der Unimedizin Greifswald, aber es ist vertraglich fixiert, dass der Ausbildungsschwerpunkt Wolgast ist und auf dem Vertrag ist auch das Logo des Kreiskrankenhauses Wolgast.

Aber: Das Kreiskrankenhaus Wolgast ist durch seine Fachbereiche auch nicht in der Lage, die Ausbildung komplett abzudecken. Wir haben beispielsweise die große Intensivmedizin nicht, deshalb brauchen wir Greifswald. Aber zur Prüfung 2020 wird eine Auszubildende aus dem dritten Lehrjahr hier ihre letzten Examensprüfung auf der Geriatrie machen. Und sie hat die Chance, sofort übernommen zu werden, wenn sie möchte.

Wie sieht es aus mit den Einweisungen nach Unfällen, bei akuten Erkrankungen usw.? Fahren die Krankenwagen gleich nach Greifswald oder sind die Belegungszahlen besser geworden?

Es werden niemals alle Krankenwagen nach Greifswald geleitet. Gerade in der Chirurgie haben wir deutlich mehr Patienten/Kranke erhalten, als wir ursprünglich angedacht hatten. Insgesamt aber, dass hat die Rücksprache mit der Rettungsleitstelle ergeben, gab es weniger Rettungseinsätze, auch im Sommer während der Hochphase des Tourismus. Deshalb kamen auch insgesamt weniger Patienten ins Krankenhaus. Das ist für uns nicht so richtig gut, aber wenn es um die Gesundheit der Bevölkerung und Urlauber geht, auch wieder schön.

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Von Cornelia Meerkatz

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