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Usedom Küstenschutz auf Usedom: Sand für Aufspülung kostet 3,6 Millionen Euro
Vorpommern Usedom Küstenschutz auf Usedom: Sand für Aufspülung kostet 3,6 Millionen Euro
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13:34 30.11.2019
Schauen sich an, wie das Sand-Wasser-Gemisch vom Schiff an den Strand gepumpt wird: Umweltminister Till Backhaus (l.) und Bauleiter Thomas Will.
Schauen sich an, wie das Sand-Wasser-Gemisch vom Schiff an den Strand gepumpt wird: Umweltminister Till Backhaus (l.) und Bauleiter Thomas Will. Quelle: Henrik Nitzsche
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Koserow

An der Außenküste der Insel Usedom wird noch bis Mitte Dezember eine halbe Million Kubikmeter Sand aufgespült. Das entspreche etwa 40 000 Lkw-Ladungen. Der Strand wird höher und breiter. Die Sturmfluten 2017 und 2019 hatten vor Zempin, Koserow und Kölpinsee erhebliche Sandmengen abgetragen und umgelagert, wie Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Samstag auf Usedom sagte. Bei den beiden vergangenen Sturmfluten hätten die Küstenschutzbauten - Vorstrand, Strand und Düne - ihre Funktion voll erfüllt, sagte er. Um den Küstenschutz weiterhin zu gewährleisten, müssten die Verluste ausgeglichen werden. Die Kosten für die Sandaufspülung betragen rund 3,6 Millionen Euro. Der Sand stammt aus einer mehrere Hektar großen Lagerstätte – aktuelle Gewinnungsfläche ist zwei Kilometer lang und 500 Meter breit – in der Ostsee etwa zehn Kilometer vor Koserow. „Dort liegen einige Millionen Kubikmeter Sand. Das reicht für die nächsten 30 Jahre“, sagt Frank Weichbrodt, Küstenschutz-Experte vom Umweltministerium.

35 Meter breite neue Düne

Im Bereich Zempin werden derzeit 50 000 Kubikmeter, in Koserow (Streckelsberg) 320 000 und zwischen Kölpinsee und Stubbenfelde 140 000 Kubikmeter aufgespült, wie Backhaus beim Termin vor Ort informiert. „In Koserow müssen noch etwa 80 000 Kubikmeter aufgetragen werden“, sagt Bauleiter Thomas Will von der Firma Rohde/Nielsen AS. Vor der Küste ist gegenwärtig der dänische Laderaumsaugbagger „Thor R“ rund um die Uhr im Einsatz, um das Sand-Wasser-Gemisch vom Schiff an den Strand zu pumpen. Das passiert über eine 1200 Meter lange Stahlrohrleitung, die einen Durchmesser von 600 Millimeter hat. „12 000 bis 13 000 Kubikmeter schaffen wir pro Tag“, so Will, dessen Männer an sieben Tagen rund um die Uhr arbeiten. Der Strandabschnitt ist gesperrt. Die Sollbreite der neuen Düne (Höhe drei bis fünf Meter) beträgt rund 35 Meter. Im Bereich Kölpinsee sind es sogar 53 Meter. „Hier herrscht später absolutes Betretungsverbot. Die neue Düne wird mit Strandhafer bepflanzt“, so Backhaus. Zäune gebe es nicht. „Wir haben kein Personal“, so der Minister.

Aus der Vogelperspektive werden die Ausmaße der Strandaufspülung deutlich. Mehrere tausend Kubikmeter Sand sind nötig, um die Düne zu stärken.

Hohe Belastung mit Kampfmitteln

Ein Problem der Lagerstätte ist Backhaus zufolge die Belastung mit Kampfmitteln. Der gesamte Sand müsse gesiebt werden, um keine Munition an den Strand zu bringen. „Auf diese Weise konnte bereits eine Vielzahl von Munition und Munitionsteilen ausgesiebt und an den Munitionsbergungsdienst des Landes übergeben werden“, sagte er. Vor Usedom wurden allein während der Maßnahme laut Michael Bugenhagen, Bauoberleiter vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU), rund 770 Kilogramm Munition und Munitionsschrott (705 kg) beim Sieben des Sandes aufgefangen. Darunter waren 61 Sprenggranaten und 18 Panzergranaten. Dass durch die laufende Maßnahme weitere explosive Kampfmittel an den Strand verbracht werden, schließt Backhaus aus. „Das gesamte Aufspülmaterial wird zu 100 Prozent durch den Siebkorb geführt, um Granaten bis 13 mm Durchmesser zu separieren.“

Aufspülungen an Usedoms Außenküste

Gemeinsame Lösungen gewünscht

Sorge bereite den Küstenländern der Meeresspiegelanstieg, der Wissenschaftlern zufolge voraussichtlich ab 2040 stärker ausfällt als bisher in den Planungen des Küstenschutzes berücksichtigt. Backhaus dringt daher auf eine Lösung gemeinsam mit dem Bund. Mit den fachlichen und finanziellen Herausforderungen dürfe man die Küstenländer nicht allein lassen, sagte er. Zusammen mit Schleswig-Holstein und verschiedenen Forschungseinrichtungen sollten Fragen zu möglichen Veränderungen von Sedimenttransportprozessen, zum zukünftigen Sandbedarf und zu Belastungen von Steilufern an der deutschen Ostseeküste beantwortet werden. Seit mehreren Jahren wird deshalb bereits in MV von einem Klimazuschlag gesprochen. Im Zusammenhang mit dem Meeresspiegelanstieg wird zu dem Bemessungswasserstand noch mal extra 50 Zentimeter Höhe draufgepackt.

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Von RND/dpa/Henrik Nitzsche

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