Kurverwaltung kassiert fürs Zeigen von Werbung
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Usedom Kurverwaltung kassiert fürs Zeigen von Werbung
Vorpommern Usedom Kurverwaltung kassiert fürs Zeigen von Werbung
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00:00 25.04.2018
Solche Informationsständer gibt es auf Usedom fast überall. Zum Beispiel in Zimmervermittlungen oder Kurverwaltungen. Quelle: Foto: Hannes Ewert
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Zinnowitz

Theater, Museen, Tierparks und auch Partyveranstalter drängen jedes Jahr in die Info-Stellen der Kurverwaltungen mit ihren Werbeflyern. In der Gemeinde Zinnowitz gibt es seit diesem Jahr eine neue Regelung: Wer in der Kurverwaltung seine Werbemittel verteilen will, muss dafür bezahlen. Das stößt nicht bei jedem Gewerbetreibenden auf der Insel Usedom auf Gegenliebe.

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„Die Anschaffung und Wartung dieser Anlagen kostet Geld. Beinahe täglich muss geschaut werden, ob alte Flyer aussortiert werden müssen oder noch alles richtig liegt.Sven Gundlach , Kurverwaltung Zinnowitz

In einer E-Mail an mehrere andere Touristiker und an die OSTSEE-ZEITUNG machte Clas Schröder von den „Tonkriegern“ in Ückeritz seinem Ärger Luft. „Es ist die ureigene Aufgabe der Tourismus-Information, die Gäste über vorhandene Angebote (unabhängig) zu informieren“, schreibt er. Durch die Bezahlung der fünf Euro pro Monat geht für ihn diese Unabhängigkeit verloren, denn nicht jeder Anbieter, zum Beispiel von kleineren Yoga-Stunden oder Mal-Kursen, kann sich dies leisten. „Für die Leistung der Infos bezahlen die Gäste bereits mit der Kurabgabe und die Anbieter mit der Fremdenverkehrsabgabe“, sagt er. Schröder meint, dass die Aktion für die Gemeinde auch ein Eigentor sein könnte. „Wenn die Vielfalt der Angebote den Gästen nicht vermittelt wird, kann das zum Abnehmen der Urlaubsqualität führen. Denn sie wissen nicht, wo sie hingehen sollen“, sagt er. Der Anreiz, die Insel Usedom nochmal zu besuchen, würde sinken, meint Schröder.

In anderen Kurverwaltungen gibt es die Informationen für den Gast, ohne dass die Veranstalter zur Kasse gebeten werden. „Wir schauen vorher, ob keine Unterkünfte wie Hotels und Ferienwohnungen beworben werden, ansonsten darf alles touristische in den Info-Ständer. Auch Handwerksbetriebe und Restaurants haben dort nichts zu suchen. Es ist wirklich nur für touristische Angebote gedacht“, so Kristin Kulz vom Fremdenverkehrsamt Zempin. Ähnlich handhabt es ihre Amtskollegin in Koserow. „Es ist die ureigene Aufgabe einer Kurverwaltung über Angebote im Ort und darüber hinaus zu informieren.

Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, dass diese Flyer hier kostenlos ausliegen können“, sagt Nadine Riethdorf. Kurdirektor Mario Aldehoff aus der Kurverwaltung Trassenheide erklärt, dass es für ihn ein „Service am Gast“ sei, diese Informationen für Veranstalter kostenlos zur Verfügung zu stellen. „Eine Tourist-Info ist dazu da, um den Touristen zu informieren. Das sagt ja schon der Name. Es ist unklar, warum wir dafür Geld verlangen sollten“, sagt Heringsdorfs Kurdirektor Thomas Heilmann.

Sven Gundlach von der Kurverwaltung Zinnowitz verteidigt die Maßnahme in seinem Haus. Vor Kurzem gab es dort eine Schulung. Darin hieß es sinngemäß, dass die Fläche ja eine Werbefläche für die Gewerbetreibenden wäre und dies eine weitere Einnahmequelle für die Kurverwaltung ist. „Die Anschaffung und Wartung dieser Anlagen kostet Geld. Beinahe täglich muss geschaut werden, ob alte Flyer aussortiert werden müssen oder noch alles richtig liegt“, erklärt er. Nach jetzigem Stand will die Kurverwaltung von ihrer Fünf- Euro-Regelung nicht abrücken. „Diese Praxis ist eigentlich gang und gäbe“, betont er. Gundlach findet die Idee gut, einen kleinen Obolus für die Werbefläche zu entrichten. „Um so einen Stand zu betreiben, bedarf es jeder Menge Manpower“, so Gundlach.

Hannes Ewert

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