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Usedom Läden im Süden offen, im Norden dicht
Vorpommern Usedom Läden im Süden offen, im Norden dicht
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00:00 28.12.2017
In diesem Zinnowitzer Geschäft sind die Lichter zu Silvester aus. Andere Läden auf der Insel dürfen öffnen. Quelle: Foto: Hannes Ewert
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Zinnowitz

Volle Straßen, ausgelastete Hotels und belegte Ferienwohnungen: Die Insel Usedom steuert auf den Jahreswechsel zu – für ein paar Tage herrscht auf der Insel Hochsaison. Während sich die Gäste in den Armen liegen und mit knallenden Sektkorken und einem funkelnden Feuerwerk das neue Jahr begrüßen, könnten viele Einzelhändler der Insel lange Gesichter machen. Warum? Silvester fällt in diesem Jahr – genau wie Heiligabend – auf einen Sonntag. Laut Gesetz bleiben die Lichter in den Geschäften aus. Aber es gibt Ausnahmen innerhalb der Insel: der Norden muss die Geschäfte schließen, im Süden darf geöffnet werden.

Zu Silvester dürfen nicht alle Einzelhändler auf Usedom Geschäfte machen. Es drohen Strafen bei Verstößen.

„Die Regelung ist eine Vollkatastrophe für die Region“, sagt ein Unternehmer, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. „Durch solche Regelungen sterben die Innenstädte und Gemeinden aus. Es sind überall potenzielle Kunden unterwegs und wir müssen schließen, weil es so vorgeschrieben ist. Kein Wunder, dass viele Urlauber zum Einkaufen ins benachbarte Swinemünde fahren“, sagt er.

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„Im Nachbarland Polen können die Händler beinahe rund um die Uhr öffnen, wie sie es wollen. Dort gibt es keine staatliche Reglementierung beziehungsweise Vorschriften“, erklärt er.

Rückblick: Ende Oktober kündigte das Amt Usedom Nord in einem Info-Schreiben an alle Einzelhändler in ihrem Amtsbereich an, Kontrollen am Reformationstag durchzuführen. Sollte ein Händler trotz Verbot öffnen, drohen Bußgelder. „In sechs Fällen wurden wir fündig und haben ein Bußgeld in Höhe von 300 Euro verhängt“, sagt Ordnungsamtsleiter Bernd Meyer auf Nachfrage. Auch in Zukunft werden die Behörden einen Blick darauf werfen.

Während die Händler im Inselnorden zu Silvester generell nicht öffnen dürfen, laden die Unternehmer in den Kaiserbädern ihre Kunden zum Shopping am Jahreswechsel ein. „Das ist aufgrund einer landesweiten Regelung möglich“, erklärt Marcus Strömich aus dem Ahlbecker Rathaus. „Im grenznahen Raum zur Republik Polen dürfen die Läden im Kreis von fünf Kilometern öffnen. Das steht im Ladenöffnungsgesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern so geschrieben. Die Höchstdauer der Ladenöffnung liegt allerdings bei fünf Stunden. Mehr darf es nicht sein“, sagt Strömich.

Auch die Touristiker möchten den Urlaubern mehr bieten: „Die Insel sollte als gesamte Einheit betrachtet werden. In den Kaiserbädern ist der Verkauf fünf Stunden möglich, im Inselnorden leider nicht.

Das ist ungerecht“, sagt Heringsdorfs Kurdirektor Thomas Heilmann. „Die Orte sind attraktiver, wenn man dort auch einkaufen kann. Klar, die Urlauber kommen auch nach Usedom, um am Strand zu spazieren, sie haben aber auch die Zeit, um ausgiebig zu shoppen“, sagt er. Er hofft, dass die Regelung gelockert wird. „Es gibt ja schon Ungleichheiten zwischen der Insel Usedom und der Nachbarinsel Rügen. Ich kann allerdings auch die Arbeitnehmer verstehen, wenn diese zu den Feiertagen auch mal frei haben möchten“, betont er.

Der Zinnowitzer Bürgermeister Peter Usemann ist in der Hinsicht unentschieden. „Als Bürgermeister würde ich es natürlich begrüßen, wenn die Straßen voll sind und viele Gäste einkaufen würden. Als Privatperson kann ich es allerdings auch verstehen, dass man an Sonn- und Feiertagen nicht öffnen möchte“, erklärt er.

In Heringsdorf wird es laut Marcus Strömich keine expliziten Kontrollen wegen der Ladenöffnungszeiten geben. „Wir konzentrieren uns eher auf den ruhenden Verkehr“, sagt er und meint damit die Falschparker. „Sollten allerdings mehrere Personen ,auf der Matte stehen’ und einen Fall anzeigen, werden wir diesem natürlich nachgehen“, erklärt Marcus Strömich.

Bäderregelung

Der gewerbliche Verkauf ist vom 15. März bis einschließlich des ersten Sonntags im November gestattet, soweit dieser nicht Allerheiligen ist. Erlaubt ist er auch am ersten Sonntag im Januar und an Sonntagen, die keine gesetzlichen Feiertage sind, in der Zeit von 12 bis 18 Uhr. Wird dagegen verstoßen, drohen Bußgelder von den Behörden.

Hannes Ewert

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