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Usedom Landesregierung soll Usedom endlich helfen
Vorpommern Usedom Landesregierung soll Usedom endlich helfen
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00:00 26.01.2018
Günther Jikeli (l.), Chef der Usedomer Eisenbahnfreunde, fordert von Verkehrsminister Christian Pegel (SPD): „Wir sind das Schwarze-Peter-Spiel leid. Tut endlich was für Usedom!.“ Quelle: Foto: Ingrid Nadler
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Usedom

„Wir werden wohl weitermachen müssen", sagt Otto Kruse nach einem langen, anstrengenden Tag. Der 83-jährige frühere Bäckermeister aus Usedom gehörte am Mittwoch zu der Abordnung, die sich am frühen Morgen auf den Weg gemacht hatte, um vor dem Landtagsgebäude für die Bahnanbindung über Karnin zu werben. „Wir brauchen diese Linie im Inselsüden dringend“, betont er. Er war elf Jahre alt, als die Eisenbahnhubbrücke kurz vor Kriegsende gesprengt wurde. Weithin sei die Detonation damals zu hören gewesen. Das ist 72 Jahre her.

„„Wenigstens unsere Kinder sollen einmal Nutzen von der südlichen Bahnanbindung haben. Also müssen wir weiter Druck auf die Politik ausüben.“Otto Kruse, Usedom

Kruse würde die Wiederbelebung der Strecke gern noch erleben, aber so recht glauben kann er es nicht. „Dann sollen wenigstens unsere Kinder davon Nutzen haben", meint er und hilft seiner Frau aus dem Bus. Er wird auch das nächste Mal dabei sein.

Sie haben nicht umsonst 26 000 Unterschriften gesammelt, hunderte Postkarten an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) geschickt und ihre Argumente in großen und kleinen Runden vorgetragen. Fakt ist, dass die Inselstraßen zu Saisonzeiten noch mehr Verkehr nicht vertragen. Und, dass noch Schlimmeres zu erwarten ist, wenn auf polnischer Seite der Swinetunnel fertig sein wird.

„Am 2. Januar war die Bundesstraße von Heringsdorf bis Wolgast über Stunden verstopft“, erinnert der Heringsdorfer Frank Böhm an die jüngste Blechkarawane. Der Mann aus dem Seebad hält den Abgeordneten, die nach und nach zur Landtagssitzung eintreffen, ein Schild mit der Aufschrift „Schluss mit der Benachteiligung der Insel Usedom“ entgegen. Auf anderen Transparenten heißt es „Landesregierung handelt endlich“ oder „Berlin-Usedom in zwei Stunden“.

Die Insulaner erregen Aufmerksamkeit. Hier und da bleiben Abgeordnete stehen, hören zu, lassen sich Infos in die Hand drücken. Als Manuela Schwesig eintrifft, kommt Bewegung in die Gruppe. Karl-Heinz Spiegl spricht sie an. „Ich wohne direkt an der Bundesstraße und muss manchmal zehn Minuten warten, bis ich von meinem Hof runterkomme“, erklärt der Zecheriner.

Dass die verstopften Straßen der Tourismusbranche dauerhaft Schaden zufügen und die Lebensqualität der Einheimischen mindern, sei nur eine Seite, macht dann Günther Jikeli deutlich. Er ist Vorsitzender der Eisenbahnfreunde. „Den Hoteliers und Gastronomen fehlen an der Küste flexible Arbeitskräfte, denen vor Ort keine bezahlbaren Wohnungen angeboten werden können. Wenn es die Bahnverbindung gäbe, könnten die, die jetzt arbeitslos zu Hause sitzen, zu ihrer Arbeit pendeln.“ Spätestens jetzt hat Jikeli, der ebenfalls SPD-Mitglied ist, Schwesigs volle Aufmerksamkeit. Sie höre von Gegnern der Bahnverbindung jedoch immer wieder, dass die Leute trotzdem weiter mit dem Auto fahren würden. „Zeigen Sie mir nochmal, wo die Bahn langfahren würde“, wächst ihr Interesse.

Dann wiederholt Jikeli, der für die SPD im Kreistag sitzt, die Forderung, erst einmal wenigstens die Vorentwurfsplanung für das Projekt anzuschieben, damit dem Bund eine reale Kosten-Nutzen-Analyse vorgelegt werden kann. „Der Bund hat die bis heute nicht entwidmete Trasse aus dem Bundesverkehrswegeplan genommen; mit der Begründung, die Strecke sei eine Regionalverbindung und dafür sei das Land zuständig."

Verkehrsminister Christian Pegel (SPD), dem sich die Usedomer Minuten später beherzt in den Weg stellen, schüttelt den Kopf. „Das kann nicht Sache des Landes sein. Außerdem ist die Haushaltsplanung durch.“ Die Usedomer sind empört: „Es ist uns egal, wo ihr das Geld für die Planung hernehmt, oder später wieder holt. Wir haben keine Zeit mehr. Das Schwarze-Peter-Spiel zwischen Bund und Land muss aufhören!“

Jikeli, der sich angesichts der Reaktion des Verkehrsministers nur mühsam beherrscht, gibt nicht auf. „Wir hoffen, dass Manuela Schwesig bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin für die Infrastruktur in MV soviel wie möglich herausholen kann. Auch ein Bundesverkehrswegeplan ist ja nicht in Stein gehauen.“

Auf dem Heimweg reden die Eisenbahnfreunde schon über die nächste Aktion. „Wir haben durchaus noch Steigerungsmöglichkeiten.“ Die Ministerpräsidentin haben sie schon immer zu ihrem nächsten Brückenfest eingeladen.

Ingrid Nadler

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