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Usedom Leben und Sterben in Steinfurth
Vorpommern Usedom Leben und Sterben in Steinfurth
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00:00 21.01.2016
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Steinfurth

Vielleicht war es ja noch nie ein so sinnliches Vergnügen, dem Tod bei der Arbeit zuzuschauen wie in der aktuellen Inszenierung „Pata Divano“ (‚das Sterbliche‘) im Kulturhaus von Steinfurth bei Karlsburg. Ein Tod ganz in Weiß. Ohne die kompromisslose Grausamkeit, die den Sensenmann heute noch genauso umweht wie früher im Mittelalter. Der Tod wird hier sorgender Begleiter. Eine neue Dimension.

Mathias Bartoszewski, künstlerischer Leiter, hat ihm das Böse kurzerhand aus dem Textbuch gestrichen — oder sagen wir, aus der Choreografie.

„Ein Märchen“ will der Künstler erzählen. Ein Gedankenexperiment. Und lässt sich der Zuschauer darauf ein, tragen ihn wunderschöne Bilder und Klänge eine Stunde lang durch Raum und Zeit. Das Tanzstück ist das neueste Steinfurther Projekt und ein weiteres Puzzlestück im bunten Mosaik, zu dem das Ehepaar Bartoszewski das Kulturhaus in dem 170-Seelen-Dörfchen zusammensetzt. Vor sechs Jahren kaufte es den 1950er-Jahre-Bau an der Ochsenkoppel — begeistert von Raum und Möglichkeiten. Ein Saal fürs Atelier des Künstlers und Bühnenbildners, für den Flügel der Kirchenmusikerin Elisa Bartoszewski. Seither sind sie unverdrossen damit beschäftigt, das Haus nicht nur zu sanieren, sondern es auch seiner „ursprünglichen Bestimmung“ zurückzuführen. Der Kultur.

Tanz-, Mal- und Zeichenkurse, auch Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Feste verschaffen der Kulturstätte wieder einen Namen. „Bei uns wird die Kultur nicht vorgesetzt, es sind immer auch Angebote zum Mitmachen“, sagt Bartoszewski. Erfahrene Musiker treffen auf junge Künstler, es wird gelesen und gemeinsam gekocht. Und die Künstler kommen aus allen Ecken Deutschlands. Landkultur mit Großstadtflair, sozusagen.

Bartoszewskis Herz schlägt für Inszenierungen wie diese, in denen Malerei, Installationen, Tanz, Theater und Musik miteinander verwoben werden. Schon der leere Bühnenraum wirkt spannend. 88 melonengroße Kugeln hängen an dünnen Fäden von der Decke. Ein Bällebad, das sich durch aufwändige Laserlicht-Projektionen auch noch dauernd verwandeln kann und an dem jedes Teil beweglich ist.

Den eigentlichen Reiz aber macht aus, wie brillant Choreografin und Tänzerin Barbara Buck diese bewegliche Installation bespielt. Sie erzählt die Geschichte eines Lebens von der Geburt bis zum Tod, ausgedrückt nur durch ihre beeindruckend exakten Bewegungen. Anrührend ist es beispielsweise zu beobachten, wie die Tänzerin nach dem Geborensein ihre Gelenke und Körperteile erkundet, schließlich laufen lernt.

Zu Musik nach Motiven von Vivaldis „Jahreszeiten“ schreitet sie, älter werdend, durch die Kugeln — wie durch eine Art Minenfeld des Lebens.

Begleitet wird sie von drei engelhaften Wesen, den Nornen, die dem Tod dreierlei Gestalt geben. Drei Schicksalsgöttinnen, gespielt und gesungen von Doris Hädrich, Solistin am Theater Vorpommern, sowie Jorma Jesse und Zora Köppe aus Steinfurth. Sie richten ihren Zögling auf, wenn er aus der Bahn gerät.

Karten in der Dombuchhandlung



Christine Senkbeil

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