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Usedom Leonie-Mordprozess: Mutter berichtet von Einschüchterung und Gewalt in der Familie
Vorpommern Usedom Leonie-Mordprozess: Mutter berichtet von Einschüchterung und Gewalt in der Familie
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16:54 04.12.2019
Kerzen und Blumen für die getötete Leonie aus Torgelow vor dem Haus, in dem sie mit ihrer Familie wohnte. Quelle: Tilo Wallrodt
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Neubrandenburg

Im Mordprozess um den Tod der sechsjährigen Leonie ist am Mittwoch erneut die Mutter, Janine Z., als Zeugin vernommen werden. Das Landgericht Neubrandenburg befragte die 25-Jährige danach, ob der angeklagte Stiefvater schon früher gewalttätig gegen Leonie und ihren kleinen Bruder gewesen ist.

Die Anhörung erfolgte zum Schutz der Mutter wieder hinter verschlossenen Türen. Der Angeklagte konnte die Aussage von einem Nachbarraum aus über einen Bildschirm mitverfolgen. Um 12.10 Uhr entschied ihr Pflichtverteidiger Axel Vogt, die Befragung durch Richter, Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung enden zu lassen und ab diesem Zeitpunkt von ihrem Auskunftsverweigerungsrecht nach Paragraph 55 der Strafprozessordnung Gebrauch zu machen.

Mehr zum Prozess am Mittwoch: Leonies Mutter macht sich schwere Vorwürfe

Verteidiger: Leonie ist eines gewaltsamen Todes gestorben

Laut Vogt habe seine Mandantin an vier Prozesstagen umfänglich und detailliert die Lebensverhältnisse der Familie und das Geschehen kurz vor und am Todestag von Leonie geschildert und zahlreiche Fragen beantwortet. Dabei sei offensichtlich geworden, dass die Kindesmutter Janine Z. und ihre drei Kinder – Leonie, deren kleiner Bruder Noah Joel sowie das Baby, das sie gemeinsam mit dem Angeklagten hat – in einem häuslichen Milieu der Einschüchterung, Bedrohung und Gewalt gelebt haben, so der Anwalt.

Von der schrecklichen Nachricht über ihren Tod bis zum Prozess in Neubrandenburg

Zusammenfassend sagte Axel Vogt: „Nach allem, was wir bisher aus dem Prozessverlauf wissen, ist Leonie eines gewaltsamen Todes gestorben, aber nicht durch die Hand der Mutter.“ Die Kindesmutter mache sich schlimme und schwere Vorwürfe, dass sie nicht rechtzeitig einen Ausweg aus der Gewalt gefunden hat. „Mit dieser Schuld wird sie ihr Leben lang zurechtkommen müssen, das weiß sie“, fügte der Anwalt an. Die Kindesmutter und das jüngste Kind wird nun wieder an einem unbekannten Ort betreut.

Angeklagter Stiefvater bestreitet die Tat

Für den leiblichen Vater Oliver E., der bei allen vier Malen den Aussagen der Kindesmutter beiwohnte, war der Mittwoch noch einmal sehr emotional, weil er bestimmte Szenen, die sie schilderte, noch einmal hautnah durchleben musste.

Leonie war am 12. Januar tot in der elterlichen Wohnung in Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) gefunden worden. Dem 28-jährigen Stiefvater wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Er soll das Mädchen mehrfach so misshandelt haben, dass es schwere Verletzungen erlitt und starb. Der Mann schweigt bisher vor Gericht. Bei Vernehmungen hatte er angegeben, dass Leonie nachmittags eine Treppe im Hausflur hinuntergestürzt sei. Das bezweifeln Ermittler aber.

Mutter wichtige Zeugin im Mordprozess

Die Mutter ist für die Staatsanwaltschaft die einzige Zeugin aus dem Familienhaushalt. Das Paar war erst wenige Monate vorher von Wolgast nach Torgelow umgezogen, hatte die Kinder in einer Kita zwar angemeldet, dort nach wenigen Tagen aber nicht mehr hingebracht. Der Angeklagte hatte angekündigt, sich am nächsten Prozesstag am Montag, 9. Dezember, äußern.

Torgelow: Der Fall der getöteten Leonie

29. November: Anwalt der Nebenklage sieht Stiefvater „überführt“

21. November: Konflikt vor Todestag wird immer wichtiger

21. November: Existiert eine brisante Familien-DVD?

21. Oktober: Mutter belastet laut Anwalt den Angeklagten

21. Oktober: Darum darf Leonies Stiefvater bei Aussage der Mutter nicht dabei sein

18. Oktober: Polizisten im Mordprozess: Leonie schlief auf verschimmelter Matratze

16. Oktober: Mord-Prozess um Leonie: Beamte berichten über Widersprüche

27. September: Leonie vor Tod monatelang nicht in Kita: Sollten Misshandlungen vertuscht werden?

25. September: Notarzt im Leonie-Prozess: „Das Mädchen war wohl schon seit Stunden tot“

24. September: Fall Leonie aus Torgelow: Ermittler fanden überall in der Wohnung Blut

24. September: Hitziger Auftakt im Leonie-Prozess: „Du bist der letzte Abschaum“

22. September: Leonie-Prozess beginnt: Diese Experten sollen klären, wie das Mädchen starb

2. Februar: Tränen für tote Leonie (6): Große Anteilnahme bei Trauerfeier in Wolgast

22. Januar: Reportage zum Mordfall –„So etwas hatten wir hier in Torgelow noch nie“

21. Januar: Riesige Spendenbereitschaft für leiblichen Vater und kleinen Bruder

17. Januar: Ermittlungen jetzt auch gegen die Mutter

16. Januar: Jugendamt äußert sich zu Vorwürfen

Von Cornelia Meerkatz

Am Mittwoch ist die 25 Jahre alte Mutter der toten Leonie aus Torgelow bereits zum vierten Mal als Zeugin vor dem Landgericht Neubrandenburg geladen. Die Frage lautet: War der Stiefvater gewalttätig gegenüber Kindern?

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