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Usedom Magen-Darm-Virus in Zinnowitz: „Wir tun alles, damit der Fall aufgeklärt wird“
Vorpommern Usedom Magen-Darm-Virus in Zinnowitz: „Wir tun alles, damit der Fall aufgeklärt wird“
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12:18 16.08.2019
Der Schauplatz des Geschehens, wo sich rund 60 Menschen einen Infekt zuzogen: die Sportschule in Zinnowitz.
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Zinnowitz

„Wir brauchen unbedingt frische Bettwäsche und dringend Tücher. Eben hat sich ein Junge übergeben“, sagt eine Betreuerin einer Sportmannschaft und gestikuliert mit den Händen vorm Gesicht. Carsten Nichelmann reicht ihr alles, was sie braucht.

Kurze Zeit später erklärt ihm ein kleiner Fußballer, dass die Desinfektionstücher in der Küche leer sind. Nichelmann holt Nachschub. Der Leiter der Zinnowitzer Sportschule hat eine bewegte Nacht hinter sich. Erst morgens um 4.30 Uhr lag er im Bett, um 7.30 Uhr war die Nachtruhe vorbei. Am Abend zuvor kam es in der gerade erst im Mai neu eröffneten Zinnowitzer Sportschule zu einem Großeinsatz von Rettungskräften. Ein Magen-Darm-Infekt breitete sich innerhalb von wenigen Stunden im Haus aus. Bis morgens um vier waren 25 Männer und Frauen des Rettungsdienstes dabei, die kleinen und großen Patienten zu versorgen. 62 Kinder, Jugendliche und Erwachsene waren betroffen, ein Erwachsener musste sogar ins Krankenhaus gefahren werden. Fünf Neuerkrankungen kamen im Laufe des Tages noch hinzu. Derzeit sind Sportler unterschiedlichster Couleur in der Herberge – Schwimmer, Fechter, Fußballer, Karate oder auch Boxer.

Tagesgeschäft geht aufdem Sportplatz weiter

Am Morgen danach herrschte auf dem Sportplatz wieder reges Treiben. Die einen laufen, die anderen springen und die Nächsten spielen Ball auf dem benachbarten Sportplatz – als wenn nichts gewesen wäre. Doch ein Großteil der Sportler hütet das Bett und ist auf Zwieback und Tee angewiesen. „Der Zenit ist hoffentlich überschritten. Das Schlimmste haben wir überstanden. Jetzt tun wir alles dafür, dass sich die Bakterien nicht weiter ausbreiten“, sagt Leiter Nichelmann.

Mehr als 60 Menschen haben sich an einer Sportschule in Zinnowitz mit einem Magen-Darm-Infekt angesteckt. Sie wurden von Notärzten behandelt.

Das komplette Personal der Zinnowitzer Sportschule ist in die Desinfektionsmaßnahmen im Haus eingespannt. Das Haus ist laut Nichelmann so gut wie voll. 190 Betten sind belegt, nur wenige Zimmer sind noch frei. „Einige Kollegen mussten für die Reinigungsarbeiten ihren freien Tag streichen, aber es geht nun mal nicht anders“, erklärt er.

Jeder Türgriff, jede Toilette und alle öffentlichen Bereiche werden penibel gesäubert. „Wir können froh sein, dass uns das DRK in der Nacht noch so viel Desinfektionsmittel gegeben hat. Wir sind zwar drauf vorbereitet, dass so etwas mal vorkommen kann, aber nicht in diesem Ausmaß“, sagt er. Das Mittagessen wurde am Donnerstag in der Küche wie gewohnt gereicht – mit dem Unterschied, dass die erkrankten Sportler ihre Mahlzeit separat einnehmen, um nicht die gesunden Sportler anzustecken. „Für die Erkrankten gibt es Haferschleim, Zwieback und leichte Kost“, so ­Nichelmann.

Rätselraten:Magen-Darm-Effekt?

Die Ursache für die Magen-Darm-Erkrankung ist noch unklar. „Wir gehen eventuell davon aus, dass einer der Sportler dies mit eingeschleppt hat und dann verbreitete sich die Krankheit unter vielen“, vermutet Nichelmann.

Dr. Oliver Burgstett, der am Abend als behandelnder Arzt im Dienst war, geht allerdings davon aus, dass es sich höchstwahrscheinlich um eine Lebensmittelvergiftung handelt. „Ich habe an dem Abend rund 40 Patienten betreut und ich hatte am nächsten Morgen nichts – nur ein wenig Halsschmerzen“, sagt er. Ein Zeichen dafür, dass es sich um eine Lebensmittelvergiftung handelt, ist, dass bei vielen Patienten Durchfall und Erbrechen nach zwei bis drei Durchgängen schon vorbei waren. Was dagegen spricht: Bereits am Morgen klagten einige Sportler über Durchfall.

Landkreis-Sprecher Achim ­Froitzheim erklärt, dass noch in der Nacht Trinkwasser-, Stuhl- und Essensproben genommen wurden, die in einem Labor untersucht werden. „Wir rechnen damit, dass die Ergebnisse Anfang der kommenden Woche da sind“, sagt er. Um eine weitere Ansteckung über die Trinkwasserversorgung auszuschließen, stellte der Rettungszug noch in der Nacht etliche Wasserflaschen bereit.

Bis Sonnabend reisen alle Sportler der Sportschule wieder ab. „Das Gute ist, dass es in diesem Fall keine Überschneidungen mit neuen Anreisen gibt. So haben wir den Sonntag Zeit, das komplette Gebäude zu desinfizieren. Die Sportschule ist an dem Tag komplett leer“, so Nichelmann.

Bürgermeister Usemann hofft auf schnelle Aufklärung

Der Zinnowitzer Bürgermeister Peter Usemann hofft, dass die Ursache so schnell wie möglich aufgeklärt wird. „Zum Mittag gab es dort Schnitzel mit Mischgemüse und Kartoffeln. Da kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Aber vielleicht war die Kühlkette beim Zulieferer unterbrochen oder das Ei für die Panade der Schnitzel war schlecht.“

Am Abend konnte Leiter Carsten Nichelmann zwar noch keine offizielle Entwarnung geben, aber es herrscht unter den Sportlern keine Angst oder Panik vor Ansteckungen. „Wir geben immer wieder den Hinweis, dass sie die Hände desinfizieren sollen. Alles läuft hier sehr ruhig ab“, sagt er. Innerhalb von 48 Stunden könnte er wirklich sagen, ob er endlich Entwarnung geben kann.

Von Hannes Ewert

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