Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom „Manchmal reicht es schon, einfach nur zuzuhören“
Vorpommern Usedom „Manchmal reicht es schon, einfach nur zuzuhören“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:01 08.03.2017
Wilma Zehrfeld hat Zeit ihres Lebens ein offenes Ohr für Menschen, die Sorgen haben und Hilfe brauchen. Das war im Job so wie jetzt als Ruheständlerin. Quelle: Foto: Ingrid Nadler
Anzeige
Benz

Die 71-jährige Wilma Zehrfeld aus Benz hat im Dezember mit den Wolgastern vor dem Krankenhaus Mahnwache gehalten. An der medizinischen Versorgung dürfe nicht gespart werden, sagt sie mit fester Stimme. Krankenschwester bleibt man wohl sein Leben lang, Vor der Wende war Wilma Zehrfeld 20 Jahre lang Gemeindeschwester in und rund um Benz.. Sie war es mit Leib und Seele. Einen Acht-Stunden-Tag habe sie nicht gekannt, sagt sie. Sie ist bei Wind und Wetter mit der „Schwalbe“ zu ihren Patienten gefahren, kannte sich von Balm bis Reetzow in vielen Familien bestens aus. Einmal habe sie sich sogar die Skier unterschnallen müssen. Daran erinnert sie sich mit Grausen, aber ihre Hilfe war in Reetzow unerlässlich. Geht nicht, gibt's nicht. Wilma Zehrfeld war auch jahrzehntelang Gemeindevertreterin. Die Sozialkommission war ihr Feld, das sie engagiert „beackert“ hat.

Frauensache

Der Internationale Frauentag geht auf sozialistische Organisationen Anfang des 20. Jahrhunderts zurück.

Als gesetzlichen Feiertag gibt es ihn bis heute in vielen Ländern, wie Georgien und Russland. In China ist der Nachmittag für Frauen arbeitsfrei.

In der DDR wurde gefeiert, oft verwöhnten Chefs ihre weibliche Belegschaft.

„Die Gemeindeschwesternstation, in der ärztliche Sprechstunden und Mütterberatungen stattfanden, war für die Dorfbewohner stets ein willkommener Treffpunkt. Wie die Post und der Konsum. Man wusste voneinander. Das fehlt jetzt manch einem. Vor allem den Alleinstehenden.“ Die Wendezeit sei die schwerste in ihrem Leben gewesen. „Unehrlichkeit und Ungerechtigkeit haben mir sehr zu schaffen gemacht. Dann wurden auch bald die Gemeindeschwesternstationen geschlossen. Dafür gab es die von der Kirche gegründete Sozialstation in Usedom. Ich musste mich in jeder Hinsicht umstellen.“

Anfangs waren es sage und schreibe nur vier Schwestern, die zu den Hilfsbedürftigen von Zecherin bis Kamminke eilen mussten. „Wir waren nur noch Pflegekräfte, die ständig auf die Uhr gucken mussten“, erinnert sich Wilma Zehrfeld, wie schwer ihr auch die Beschneidung ihrer Kompetenz gefallen ist. An den Wochenenden seien sie nicht selten 200 Kilometer und mehr auf den Straßen unterwegs gewesen.

„Neben der körperlichen Belastung war der mit dem Zeitdruck verbundene Stress das Schlimmste.“ Sie kannte mit der Zeit alle Schleichwege, die sie benutzte, wenn die Straßen im Sommer, wie so oft, dicht waren. Und doch, die Sozialstation wurde ihr neuer Anker. „Ich habe auch hier meinen Platz gefunden, und wir wurden im Laufe der Jahre ein eingespieltes Team.“ Das hat Wilma Zehrfeld 15 Jahren mitgemacht. Mit 60 hat sie aus gesundheitlichen Gründen aufgehört. Zu den Kollegen – mittlerweile sind es 27 Mitarbeiter – bestehe auch heute noch ein reger Kontakt, sagt sie.

Was macht so eine Frau mit ihrem Ruhestand? „Ich kann nicht still sitzen“, bestätigt die sympathische Rentnerin, übrigens eine Tochter des letzten Benzer Müllers Werner Jahnke. Dass sie Ehrenmitglied im Mühlenverein und mit Mann und Töchtern aktiv am Fortbestehen der Traditionen beteiligt ist, ist nur ein Seite ihres selbst gewählten „Unruhestandes“.

Sie kann ihre Passion nicht leugnen: „Es gibt alleinstehende Menschen, die haben einfach zu viel Leid und Kummer zu tragen. Die liegen mir besonders am Herzen. Deshalb fahre ich manchmal mit ihnen auch zum Facharzt oder mache Krankenhausbesuche. Manchmal reicht es schon, sich etwas Zeit zum Zuhören zu nehmen.“

Sie habe halt ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte ihrer Mitmenschen. „Das war schon mein ganzes Leben lang so. Ich gebe im Rahmen der Nachbarschaftshilfe gerne Rat, wenn es gewünscht wird, vermittle, wenn nötig ärztliche Hausbesuche oder Hilfe über die Sozialstation.“

Wie gut, dass es Menschen wie Wilma Zehrfeld gibt! Welch ein Glück, jemanden wie sie zu kennen. Das hört man in ihrem Umfeld immer wieder.

Ingrid Nadler

Mehr zum Thema

Weltmusiker Martin Panteleev behält sein wertvolles Instrument auf Flugreisen immer am Mann

03.03.2017

Weltmusiker Martin Panteleev behält sein wertvolles Instrument immer am Mann

03.03.2017
Aktuelle Beiträge Mit der Polizei auf Streife Eine Frage des Respekts

Unfälle, Einbrüche, Gewalt – In ihrem Arbeitsalltag sehen Polizisten die Schattenseiten der Gesellschaft. OZ-Autorin Annett Meinke hat zwei Beamte im Einsatz begleitet. Und festgestellt, dass Polizisten mehr sind als nur Gesetzeshüter.

04.03.2017
Usedom GUTEN TAG LIEBE LESER Eine Insel, eine Gemeinde

Versammlungen, wie die am Montagabend im Gasthaus Natzke in Usedom, könnten nachhaltig bedeutsam werden. Manch eine Idee ist schon ganz am Rande geboren worden.

08.03.2017

Theater sucht Kleindarsteller für Aufführung „In Sachen Adam & Eva“

08.03.2017

Die Bauarbeiten am Wolgaster Kirchplatz sollen bereits im April beginnen

08.03.2017